Kiel/Norderstedt

Security-Komplize „bewachte“ Diebstahl im Handy-Shop

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Thomas Geyer
Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht in Kiel (Symbolbild).

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht in Kiel (Symbolbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Tatort Herold-Center: Angeklagte profitieren von extrem langer Verfahrensdauer – Geldstrafe auf Bewährung.

Kiel/Norderstedt. Gewöhnlich tun Verkäufer und Ladendetektive alles zur Verhinderung von Diebstählen. Doch im Herold-Center in Norderstedt verbündeten sich ein Smartphone-Verkäufer und ein Sicherheitsmann, um hochwertige Mobiltelefone und Tablet-Computer im Wert von 20.000 Euro aus dem Tresor eines Elektronikgeschäfts zu stehlen.

Erstes Urteil stammt aus dem Februar 2016

Weil die Angeklagten den viermal geplünderten Stahlschrank des Handyanbieters stets mit dem passenden Schlüssel geöffnet hatten, geriet der dort angestellte Verkäufer schnell unter Verdacht. Mit seinem Komplizen von der Security hatte er per Handy die Tatzeiten abgestimmt. Die Auswertung der Kommunikationsdaten überführte das Duo. Einen Teil der Beute setzte es bei einem Hamburger Händler ab, der Gewinn wurde geteilt.

In erster Instanz verhängte das Amtsgericht Norderstedt jeweils 12.000 Euro Geldstrafe (300 Tagessätze à 40 Euro) wegen besonders schweren Diebstahls. Das war im Februar 2016. Die Angeklagten legten Rechtsmittel beim Kieler Landgericht ein. Hier lag die Sache fünfeinhalb Jahre lang bei der zuständigen Berufungskammer in der Warteschleife. Bis der Fall jetzt endlich doch noch in zweiter Instanz verhandelt wurde.

Angeklagte erhalten Geldstrafe auf Bewährung

Die seit Jahresbeginn zuständige 11. Kammer verständigte sich mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die Geldstrafen als Gegenleistung für die bisher ausgebliebenen Geständnisse wegen der extrem langen Verfahrensdauer unter die gesetzliche Mindeststrafe abzusenken.

Man einigte sich auf 6800 Euro (170 Tagessätze à 40 Euro). Begründung: Inzwischen sei es mehr als acht Jahre her, dass die ansonsten unbescholtenen Männer sich nach Ladenschluss im Handy-Shop bedienten. Zudem beschloss man, die verbliebenen Geldstrafen zur Bewährung auszusetzen.

Fazit: Wenn sich die Angeklagten weiterhin straffrei halten, ist die Sache für sie in zwölf Monaten erledigt. Ihr Führungszeugnis bleibt unbefleckt. Weil die Justiz das Verfahren jahrelang verschleppte, geht die Landeskasse vermutlich leer aus: Auf die 24.000 Euro Geldstrafe aus dem ersten Urteil muss sie ohnehin verzichten. Und wenn Sicherheitsmann und Handyverkäufer nicht doch noch rückfällig werden, bekommt sie auch von der verbliebenen Geldstrafe keinen Cent.

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