Nachhaltigkeit

Herber Dämpfer für die Fahrradstadt Norderstedt

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Michael Schick
Der Bedarf für eine neue Stellplatzanlage in Garstedt ist vorhanden – die Standortfrage aber wieder offen.

Der Bedarf für eine neue Stellplatzanlage in Garstedt ist vorhanden – die Standortfrage aber wieder offen.

Foto: Christopher Herbst

Politik legt Pläne für Fahrradparkhaus am Herold-Center auf Eis, da sich die Kosten für das Projekt verdoppelt haben.

Norderstedt.  Dämpfer für die Fahrradstadt: Auf dem Weg zu mehr Attraktivität für Radler muss Norderstedt Rückschläge verkraften. Die Pläne für das zweite Fahrradparkhaus liegen erstmal auf Eis. Und auch der Ausbau der Veloroute 1, die das Radeln von Norden nach Süden weitgehend entlang der Bahngleise zügiger und komfortabler machen soll, gerät ins Stocken.

Nachdem die Stadt die überdachten Stellplätze zwischen Rathaus und U-Bahn-Station Norderstedt-Mitte vor gut fünf Jahren eingeweiht hatte, war schnell klar: Eine zweite Parkgarage soll folgen, um die Mobilitätswende weg vom Auto hin zu Rad, Bus und Bahn zu beschleunigen. Und auch bei der Standortsuche gab es keine Probleme: Das neben Norderstedt-Mitte zweite Stadtzentrum rund ums Herold-Center sollte ein überdachtes Parkhaus für Räder bekommen, stellt der Bereich doch einen großen Verkehrsknotenpunkt mit der U-Bahn-Station Garstedt und dem Busbahnhof dar.

Bau auf dem Bahntunnel hat hohe Statik-Anforderungen

Doch nun erteilte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr den Plänen der Stadtverwaltung eine Abfuhr. Nur SPD und Grüne konnten sich mit den Vorschlägen anfreunden, alle anderen hatten Bedenken. Und die waren vor allem finanzieller Art, denn: Noch in der Machbarkeitsstudie war, angelehnt an die Kosten für den Piloten in Norderstedt-Mitte, von rund einer Million Euro die Rede. Doch jetzt bezifferte die Verwaltung die Investitionen auf 2,1 bis 2,3 Millionen Euro.

Als Gründe nannte Christine Haß, im Rathaus zuständig für den Radverkehr, zum einen gestiegene Baukosten, die sich um 25 Prozent erhöht hätten. Zum anderen ergäben sich besondere Anforderungen an das Gebäude. Da es einstöckig auf dem U-Bahn-Tunnel gebaut werden soll, sei mehr Fläche nötig, und die Statik müsse so ausgelegt werden, dass sie dem Zugverkehr standhält.

CDU kritisiert Kosten und Größe des Radparkhauses

„Es ist doch unmöglich und alles andere als transparent, dass sich die Kosten plötzlich verdoppelt haben“, sagte CDU-Fraktionschef Peter Holle. Mindestens merkwürdig sei zudem, dass die Planer offenbar erst jetzt festgestellt haben, dass dort eine U-Bahn fährt: „Das weiß man nun wirklich nicht erst seit heute.“ Zwar habe die Planerin Fördermittel in Höhe von 75 Prozent der Investitionen in Aussicht gestellt. Es sei aber fraglich, ob das Geld wirklich fließe.

Holle betont, dass die CDU dennoch grundsätzlich hinter einer Radgarage am Standort stehe. Angesichts der hohen Kosten sei es aber fraglich, ob das Fahrradparkhaus auf dem Tunnel entstehen muss oder nicht anderer Stelle, beispielsweise dort, wo das Bildungshaus geplant ist. Bei einem anderen Standort entfielen die hohen Ausgaben für die spezielle Statik.

Thema wird Verwaltung und Politik weiter beschäftigen

Auch über die Größe des Radparkhauses müsse gesprochen werden. Müssen es wirklich 445 Stellplätze und damit fast genau so viele wie in Norderstedt-Mitte sein? Um das beurteilen zu können, möchte die CDU auf Daten zum ersten Parkhaus zurückgreifen. Heinz Wiersbitzki, für die CDU als bürgerliches Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, hat dazu eine Anfrage gestellt.

Er will von der Verwaltung wissen, wie hoch die gesamten Investitionen waren, wie viele Stellplätze es im Erdgeschoss und im Obergeschoss gibt, wie hoch die städtischen Zuschüsse für den Betreiber sind und wie viele Tageskarten, Prepaid-Abos, Monatsabos und Jahresabos verkauft wurden. Außerdem würden an den Mauern am Radparkhaus Fahrräder abgestellt und angeschlossen. „Warum wird die Verwaltung nicht tätig, um das zu verhindern?“, lautet eine weitere Frage. So wird das Thema Verwaltung wie Politiker weiter beschäftigen.

Moorbek erweist sich als Hindernis für Veloroute 1

Das gilt auch für den Ausbau der Veloroute 1. Zwischen Waldstraße und Schulzentrum Nord überquert ein Weg die Moorbek und führt die Radler von der einen auf die andere Seite des Baches. Der Weg sollte auf etwa vier Meter verbreitert werden. Ursprünglich war geplant, die Böschung entsprechend aufzubauen, das Geländer, eine Leuchte und einen Mülleimer zu versetzen.

Für diese Maßnahme wäre keine gesonderte wasserrechtliche Genehmigung nötig gewesen. Als Kosten wurden 15.000 Euro kalkuliert. Doch bei der Detailplanung habe sich ergeben, dass sich dieser Plan nur mit deutlich mehr Aufwand und dann doch mit wasserrechtlicher Genehmigung hätte realisieren lassen.

Daher habe sich die Verwaltung für eine Alternative entschieden – eine Brücke an anderer Stelle, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr. Das Problem: Die Kosten belaufen sich auf rund 205.000 Euro, also ein Vielfaches der zunächst kalkulierten Ausgaben.

Nextbike: Fahrradbügel statt wildem Abstellen

Die Politiker nahmen das zur Kenntnis, und der zuständige Fachbereichsleiter Mario Kröska will die Sommerpause nutzen, um eine günstigere Alternative zu finden. Dann wird der Ausschuss erneut über das Thema beraten.

Und zum Schluss gibt es doch noch eine gute Nachricht für die Radler in Norderstedt: Entlang der Horst-Embacher-Allee will die Stadt rund 60 Fahrradbügel aufstellen. Die Straße ist Flexzone für das Norderstedter Fahrradverleihsystem Nextbike, die Nutzer können die Räder überall an der Straße abstellen. Doch bisher fehlten geeignete Stellplätze, die Räder lehnten an Hauswänden, wurden an private Ständer angeschlossen oder standen als Hindernisse auf dem Gehweg, denn: Die Leihräder werden in dem Bereich sehr stark genutzt.

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