Norderstedt

Stadtpark: Halteverbot soll Party-Volk vertreiben

| Lesedauer: 6 Minuten
Andreas Burgmayer
Qualm steht über dem Parkplatz am Kulturwerk: Ein Autofahrer hat gerade die Reifen bei einem Burnout durchdrehen lassen.

Qualm steht über dem Parkplatz am Kulturwerk: Ein Autofahrer hat gerade die Reifen bei einem Burnout durchdrehen lassen.

Foto: Privat

Beschwerden über Autoposer, Lärm und Müll auf Parkplatz vor Kulturwerk in Norderstedt häufen sich. Nun scheint eine Lösung in Sicht.

Norderstedt.  Der große Parkplatz vor dem Kulturwerk am Stadtpark – nachts wird er seit Monaten zur Party-Zone. Junge Leute feiern bei lauter Musik und leider mit jeder Menge Müll als Hinterlassenschaft. Und die Auto-Poser-Szene kommt regelmäßig vorbei, rast mit hochmotorisierten Limousinen über den Parkplatz, lässt Reifen durchdrehen, bis es so qualmt, dass der gesamte Platz eingenebelt ist („Burnout“) oder beweist beim sogenannten „Driften“ zweifelhafte Meisterschaft am Steuer mit waghalsigen Fahrmanövern.

Anwohner am Kulturwerk sind frustriert

Das Abendblatt berichtete unlängst über die frustrierten Anwohnerinnen und Anwohner, die seit Monaten die Lärmbelästigung und den Müll auf dem Platz ertragen. Schon seit Längerem beraten die für den Parkplatz zuständige Stadtverwaltung, die Polizei und die Geschäftsführung der Stadtpark GmbH, wie sie dem Problem Herr werden könnten. Nun ist die Lösung da. Und sie wirkt bereits.

„Am vergangenen Wochenende war hier alles ruhig“, sagt Stadtpark-Geschäftsführer Kai Jörg Evers, der sich selbst ein Bild von der Lage gemacht hatte. Denn von Freitag, 23 Uhr an, standen in den Zufahrten des großen Parkplatzes sogenannte Schrammborde. Sperren, die es Autos unmöglich machen, auf die Fläche zu kommen. Und das soll jetzt an jedem Wochenende so sein.

„Es wurde in Absprache mit dem Ordnungsamt und der Polizei ein Halteverbot auf der Parkfläche verordnet“, sagt Evers. Es gelte Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils von 23 bis 6 Uhr am Folgetag. Tagsüber ist das Parken weiterhin erlaubt. „Wer dann in dieser Zeit noch auf der Fläche parkt, muss damit rechnen, ein Bußgeld von der Polizei zu bekommen“, sagt Evers.

Rechtsgrundlage für die Polizei

Die Polizei hatte im Vorfeld der Entscheidung berichtet, dass Beamte des Streifendienstes zwar regelmäßig den Parkplatz kontrolliert, dabei auch Platzverweise ausgesprochen und die Fläche geräumt hatten, es jedoch für die grundsätzliche Vergrämung des ungeliebten Party-Volks am Stadtpark keine Rechtsgrundlage gab. Die ist jetzt da. „Die Schilder sollen noch an diesem Wochenende aufgehängt werden“, sagt Evers.

Heißt aber auch, dass alle anderen Besucherinnen und Besucher des Stadtparks, des Strandhauses, der Musikschule oder des Kulturwerkes spätestens um 23 Uhr mit ihren Autos die Fläche zu verlassen haben. „Wenn wir Veranstaltungen im Park haben, die länger als 23 Uhr dauern – etwa das Parkfunkeln – dann wird die Parkplatzregelung natürlich ausgesetzt“, sagt Evers. Das Halteverbot soll schließlich die Richtigen treffen.

Doch wenn man die an der einen Stelle vertreibt, dann tauchen sie in der Regel an einer anderen Stelle wieder auf. Denn das Bedürfnis junger Leute, sich zu treffen, zu feiern und dabei über die Stränge zu schlagen, lässt sich ja nicht durch ein paar Schilder abstellen.

Feiernde weichen auf Famila-Parkplatz aus

So war das offenbar auch am vergangenen Wochenende. Als die Leute anrückten, um wie immer auf dem Parkplatz zu feiern und plötzlich vor dem Schrammborden Halt machten, pilgerten sie einfach 100 Meter zurück und versammelten sich auf dem Parkplatz des Famila-Supermarktes an der Stormarnstraße.

„Wir haben davon sogar Videos“, sagt Gonda Klug von der Filialleitung des Marktes. „Da standen sechs, sieben Autos. Die hatten sogar ein aufblasbares Sofa dabei. Die trinken, hören Musik und lassen die Sau raus – gerade jetzt, weil die Corona-Lage das Feiern ja wieder zulässt“, sagt Klug. Hinterher fänden sich dann jede Menge Müll und leere Flaschen auf dem Parkplatz, den Mitarbeiter von Famila dann abräumen dürfen.

Auf die Sperrung des Parkplatzes am Stadtpark muss der Supermarkt nun natürlich reagieren. „Aber wir können bei uns nicht einfach alles dicht machen“, sagt Klug. „Der Bäcker in unserem Markt hat ja auch am Sonntag geöffnet.“ Entsprechend wird es Famila mit dem verstärkten Einsatz von Security-Mitarbeitern versuchen, die Leute von der Fläche fernzuhalten. „Die Anwohner in unserer Nähe beschweren sich, die sind sauer. Vor allem, weil das ja nicht erst seit gestern so geht“, sagt Klug.

Die Stadt lehnt bauliche Veränderung kategorisch ab

Die CDU-Stadtvertreterin Petra Müller-Schönemann hatte das Thema für die Kommunalpolitik in den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr getragen. Sie hatte die Stadt aufgefordert, auch über bauliche Maßnahmen auf dem Platz nachzudenken, etwa den Einbau von Schwellern auf der Fläche oder Schranken an den Zugängen.

Doch das lehnte die Stadt ab und bezeichnete dies als ungeeignet „aus finanziellen, haftungsrechtlichen, gesundheitlichen und lärmtechnischen Gründen“. Der Parkplatz sei „mit erheblichem Planungsaufwand, mit hohen städtebaulichen Gestaltungsansprüchen“ kostenintensiv realisiert worden. Sie sei sicher und übersichtlich.

Bauliche Umgestaltungen, wie von Müller-Schönemann gefordert, seien allenfalls in sensiblen Wohnbereichen angebracht. Auf dem Parkplatz würde das zwischen 60.000 und 200.000 Euro kosten und am Ende würden die Hindernisse zu Stolperfallen für Fußgänger, sie würden die Rettungsdienste behindern und durch das Überfahren für nur noch mehr Lärm sorgen.

Auto-Poser auch in anderen Stadtteilen aktiv

Das Problem nächtlicher Partys und die Umtriebe von Auto-Posern bewertet die Stadt mit Blick auf das gesamte Stadtgebiet anders, als die Anwohner des Stadtparks vor Ort. Die Polizei habe in ihrer Unfalldokumentation berichtet, dass es Straßenabschnitte mit wesentlich mehr Konfliktpotenzial in Norderstedt gebe. „Quietschen und Driften“ käme in der ganzen Stadt vor.

Und: „Für Geschwindigkeitsübertretungen zum Zwecke der privaten Unterhaltungssteigerung sind in der Regel nicht ortsfremde Kraftfahrzeugführer verantwortlich, sondern diese werden überwiegend von ortsnah ansässigen Bürgern (oder deren Besuchern) mit guten Kenntnissen der jeweiligen Stadtteile selbst verursacht.“

Nun dürfen die Anwohnerinnen und Anwohner am Falkenried und sonstigen Bereichen des Stadtparks darauf hoffen, dass die Halteverbots-Schilder weiter Wirkung zeigen. Evers kündigt darüber hinaus an, dass die Stadtpark-Security regelmäßig die anderen Parkplätze des Stadtparks überwache – nicht dass sich die Party-Szene hier erneut verfestigt.

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