Kiel/Kaltenkirchen

Großbrand war Versehen – kein versuchter Mord

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Thomas Geyer
Der Angeklagte (26) vor dem Kieler Landgericht.

Der Angeklagte (26) vor dem Kieler Landgericht.

Foto: Thomas Geyer

Kieler Landgericht überrascht mit mildem Urteil gegen den 26-jähriger Brandstifter aus Kaltenkirchen.

Kiel/Kaltenkirchen.  Das Großfeuer, dem in der Nacht zum 13. November das Hotel-Restaurant Landhaus in Kaltenkirchen zum Opfer fiel und das für einen Schaden in Höhe von zwei Millionen Euro sorgte, war vom Angeklagten nicht gewollt. Diesen Schluss zog die Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts am Donnerstag aus einem „völlig atypischen Brandverlauf“ und überraschte mit einem milden Urteil.

Urteil: Viereinhalb Jahre Haft

Bei dem Großbrand am frühen Morgen gegen 2.30 Uhr konnten sich zehn Personen unverletzt aus dem Gebäude retten. Im Prozess rückte nach dreitägiger Beweisaufnahme auch die Staatsanwaltschaft vom Vorwurf des versuchten Mordes ab. Sie forderte sechs Jahre Haft wegen schwerer Brandstiftung.

Das Gericht blieb mit viereinhalb Jahren Haft wegen einer Kombination aus einfacher Brandstiftung und Fahrlässigkeit noch deutlich darunter. Tatmotiv sei ein heftiger Streit des Angeklagten mit einem Dauermieter im Obergeschoss des Hotels gewesen.

Vorsatz sah die Strafkammer nur beim Anzünden eines Müllsacks, den der 26-Jährige am Carport mit Grillanzünder angesteckt habe – in deutlichem Abstand zum bewohnten Gebäude auf der anderen Seite des Innenhofs. Im Carport-Schuppen lagerten auch Gasflaschen und ein Fass Frittierfett.

Gericht geht von fahrlässiger Brandstiftung aus

Mehrere Bewohner hörten zu Beginn des Brandes laute Explosionen. Laut Urteil ging wahrscheinlich das leicht entzündliche Speiseöl in die Luft, dann schlugen die Flammen haushoch bis zum Dach des Hotels, das von oben her abbrannte. „Mit einem derartigen Verlauf war nicht zu rechnen“, sagte der Vorsitzende Jörg Brommann in der Urteilsbegründung.

Beim Abbrennen des Landhauses ging die Kammer deshalb von fahrlässiger Brandstiftung aus. Der Angeklagte hatte zu den Vorwürfen geschwiegen, später aber noch ein Geständnis abgelegt. Zur Tatzeit hatte er 1,75 Promille und zudem Cannabis, Pilze und Amphetamine konsumiert. All dies hatte für den Gewohnheitstrinker trotz einer Persönlichkeitsstörung keine verminderte Schuldfähigkeit zur Folge, urteilte das Gericht.

Die Tat sei geplant gewesen: Der emotional instabile Mann, der schon als Kind stationäre Psychiatrieaufenthalte erlebte, habe voller Wut auf seinen Ex-Kollegen türschlagend das Hotel verlassen. Danach radelte er 1,2 Kilometer zu seiner Hochhauswohnung und holte Grillanzünder.

Gewalt gegen Sachen „typisches Reaktionsmuster“

Sein Gewaltausbruch gegen Sachen folgte laut Urteil einem typischen Reaktionsmuster. Unter Stress habe der zu Depressionen neigende Angeklagte schon seine Handys zertrümmert, seinen Fernseher aus dem Fenster geworfen und die eigene Wohneinrichtung demoliert.

Bei früheren Konflikten mit dem ehemals „besten Freund“ im Hotel habe er bereits ein Glasfenster eingeschlagen und Blumenkübel zertreten. Zum Zerwürfnis führte die Aufforderung der Hausverwaltung an den Angeklagten, einen von seinem Kumpel genutzten Keller zu räumen.

Dass der 26-Jährige den Verschlag ohne Rücksprache aufbrach und ausräumte, empörte den Ex-Kollegen, der seine Sachen nicht wiedergesehen haben will. In der Brandnacht wollte der Angeklagte den Konflikt im Gespräch klären, wurde aber harsch abgewiesen und vor die Tür gesetzt.

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