Norderstedt

Belegungsdruck: Angespannte Lage in den Unterkünften

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Menschen stehen im Hofe einer Flüchtlingsunterkunft (Symbolbild).

Menschen stehen im Hofe einer Flüchtlingsunterkunft (Symbolbild).

Foto: Holger Hollemann / dpa

Die 16 Notunterkünfte in Norderstedt sind voll, weiterhin kommen neue Menschen und freie Wohnungen fehlen.

Norderstedt.  Die Stadt Norderstedt rechnet in diesem Jahr mit einer weiteren Zuspitzung der Unterbringungssituation in den 16 Notunterkünften. Das teilt das Sozialamt in seinem Halbjahresbericht dem Sozialausschuss mit. Nach Auskunft der Ausländerbehörde des Kreises Segeberg müsse die Stadt in diesem Jahr mit 260 bis 280 Geflüchteten rechnen, die ein Dach über dem Kopf benötigten.

Für zusätzlichen Druck würden Zuweisungen von Flüchtlingen aus dem freiwilligen Landesaufnahmeprogramm Schleswig-Holstein sorgen, das die landesweite Aufnahme von 500 besonders schutzwürdigen Geflüchteten vorsieht, bedingt durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 aber nur zu einem geringen Anteil umgesetzt werden konnte und nun nachgeholt werde.

2020 hatte die Stadt Norderstedt ihr Aufnahmesoll nur zu 50 bis 60 Prozent erfüllt. Entsprechend wird dieses Soll nun auf 2021 aufgeschlagen. In den Unterkünften und 13 durch die Stadt angemieteten Wohnungen bleibt die Lage konstant angespannt. Seit Ende 2016 stagniere die Belegung auf sehr hohem Niveau. Aktuell leben hier 1088 Menschen, davon haben 100 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft, die restlichen 988 einen ausländerrechtlichen Status, sie sind also in der Regel Geflüchtete oder Asylsuchende.

Die eigene Wohnung – ein nahezu unerfüllbarer Wunsch

Auch die Anzahl der Neuzugänge und der Abgänge hielten sich seit vier Jahren in etwa die Waage. Nur wenige Familien konnten eine eigene Wohnung finden, manche städtische Wohnung sei auf private Mieter umgeschrieben worden. Doch den Belegungsdruck in den Einrichtungen konnte dies nicht mindern. Es mangelt an freien Plätzen für die Zuweisung neuer Obdachloser.

In der Beantwortung einer Anfrage der CDU betont das Sozialamt, dass die überwiegende Anzahl der Bewohnerinnen und -bewohner permanent, mit viel Engagement und seit langem auf der Suche nach einer eigenen Wohnung sei. Doch nur in wenigen Einzelfällen gelinge der Zugang zum regulären Mietwohnungsmarkt. Der Wunsch der Menschen nach den eigenen vier Wänden sei riesengroß. Exemplarisch für die Unterbringungssituation in den Unterkünften verweist das Sozialamt auf aktuelle Beispiele. So würde derzeit eine sechsköpfige Familie, Eltern und vier Kinder, in einer 60 Quadratmeter großen Wohneinheit mit drei Zimmern, kleiner Küche und kleinem Duschbad leben. In der Unterkunft Fadens Tannen, einem alten Schulgebäude, gebe es nur drei gemeinschaftlich zu nutzende Küchen für 90 Personen, und die Sanitärräume befinden sich in einem Container auf dem ehemaligen Schulhof. Alleinstehende Personen werden derzeit in Doppelzimmern von zwölf bis 15 Quadratmeter Größe, gemeinsam mit einer in der Regel völlig fremden anderen Person untergebracht.

( abm )

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