Schröters Wochenschau

Norderstedt: Salamitaktik beim Berg-Abbau

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Die Posse um die illegale Mülldeponie in Friedrichsgabe erinnert Jan Schröter an Diskussionen ums Kinderzimmeraufräumen.

Kreis Segeberg.  Jeder, der einst Nachwuchs großzog oder noch voll im „Aufzucht-und-Hege“-Programm steckt, kennt das Drama: Aufräumen im Kinderzimmer. Es gilt, einen halbwegs ordentlichen Grundzustand zu erreichen, der bei den Eltern als konsensfähig durchgeht. Bei Kindern geht in puncto Ordnung sowieso jeder Zustand durch. „Reicht das jetzt?“, kommt die genervte Anfrage bereits nach der Einsortierung des ersten, herumliegenden Gegenstandes ins dafür vorgesehene Behältnis. Nein, reicht noch lange nicht. Protest, Lamento, Schreikrampf. Und dann wird das nächste Teil weggeräumt. Eventuell.

Was sich seit geraumer Zeit um die skandalös geführte und dann von den Betreibern verlassene Mülldeponie Gieschen in Friedrichsgabe abspielt, erinnert stark an den Erziehungs-Klassiker aus dem Kinderzimmer. Jede Menge Leute haben mit jeder Menge Sachen gespielt, bis diese Gegenstände Schrott und uninteressant waren und auf einem Haufen landeten, den nun keiner wegräumen will. Mit dem kleinen, jedoch keineswegs unbedeutenden Unterschied, dass Spielzeughaufen im Kinderzimmer keinen gesundheitsgefährdenden Sondermüll enthalten (hoffentlich).

Dringender Handlungsbedarf fürs Umweltministerium

Im Dezember 2020 stellten vom Land beauftragte Gutachter fest: Auf dem Gieschen-Haufen liegen asbesthaltige Fasern, die, vom Winde verweht, eine große Gefahr für die Nachbarschaft sind. Also: dringender Handlungsbedarf fürs zuständige Umweltministerium. Nach dieser Ansage passiert fünf Monate lang erst mal nichts („Muss ich echt jetzt schon mein Kinderzimmer aufräumen? Mennooo…“). Dann erfolgt die glorreiche Ankündigung des Ministeriums, man werde jetzt die ganz oben auf dem Haufen frei herumliegenden Fasern absammeln, also quasi die obere Schicht abtragen – Gefahr gebannt, alles Weitere kann dann fürs Erste so bleiben („Reicht das jetzt?“ – Nein, reicht noch lange nicht. „Mennooo…“). Reicht schon deshalb nicht, weil, wie auch die Umweltschützer vom BUND monieren, nach Abtrag der oberen Müllschicht logischerweise der darunter befindliche Müll eine neue Oberschicht bildet – und in der stecken die gleichen Asbestfasern („Da liegt immer noch Lego herum – los, aufräumen!“).

Man darf gespannt sein, womit das Ministerium den BUND-Einwand kontert. Ich empfehle die kreative Idee meines damals fünfjährigen Sohnes, der kurzerhand eine bunte Wolldecke über seinem Chaos ausbreitete und diese Maßnahme charmant damit begründete, er fände Berge einfach schön.

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