Kreis Segeberg

Schon wieder ein Müll-Skandal in Norderstedt

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Jörg Riefenstahl
Das Privatgrundstück im Wohngebiet an der Poppenbütteler Straße in Norderstedt gleicht einer Müllhalde.

Das Privatgrundstück im Wohngebiet an der Poppenbütteler Straße in Norderstedt gleicht einer Müllhalde.

Foto: Privat / privat

Nicht nur die illegale Gieschen-Deponie sorgt für Ärger – ebenso ein verwahrlostes Grundstück in Glashütte. Anwohner in Sorge.

Norderstedt.  Meterhoch stapelt sich der Müll an der Poppenbütteler Straße in Norderstedt. Ein wildes Durcheinander aus Bauschutt, Sperrmüll, Farbresten, Paletten, Polstern und Dämmplatten verteilt sich rings um eine verwaiste Fahrzeughalle und zieht die Blicke auf sich. Den Anwohnern der Wohnstraße ist der Zustand schon lange ein Dorn im Auge. Genauer gesagt: seit Jahren.

So schlimm wie in diesen Tagen habe es auf dem Gelände allerdings noch nie ausgesehen, berichten Anwohner und gehen auf die Barrikaden. ,,Überall fliegt der Müll herum. Südwestwind treibt die Fetzen auf die Straße. Styroporkügelchen fliegen durch die Gegend und landen auf Nachbargrundstücken oder mitten in der Landschaft und gelangen so ins Erdreich“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Mehrfach habe sie sich bei der Ordnungsbehörde und dem Bauamt der Stadt Norderstedt über die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände auf dem Grundstück beschwert, berichtet eine weitere Anwohnerin. Geändert habe sich nichts. ,,Die Antwort lautete, es sei ein Privatgelände. Da könne man leider nichts machen.“ Das reicht den Anwohnern nicht mehr. Sie wandten sich in ihrer Sorge ans Abendblatt. ,,Der ganze Gammel, die verfaulte Couchgarnitur, das alles zieht doch auch Ratten und Ungeziefer an. Man schämt sich, wie es dort aussieht“, sagt die Anwohnerin.

Müll-Skandal in Norderstedt

Rückblick. Zu dem Grundstück gibt es eine Vorgeschichte: Nach dem Krieg hatte zunächst ein Behelfsheim auf der Fläche gestanden, berichten langjährige Anwohner. Später, in den 1960er-Jahren, war dann auf dem Grundstück eine Halle errichtet worden. Eine Baugenehmigung hat es damals dafür nach Angaben aus informierten Kreisen allerdings nicht gegeben.

Willy D., ehemaliger Eigentümer des Grundstücks, habe in der Halle ,,jahrelang alte Landrover repariert“, heißt es. ,,Er hat so vor sich hingewurschtelt“, berichtet eine andere Anwohnerin. Mit den Umweltvorschriften nahm es der Landrover-Autofreak offenbar nicht immer so genau. ,,Er hat aus einem Tankwasserwagen einen Ofen gebaut“, erzählt die Frau.

Angeblich habe er auch Altöl und alte Kabel darin verbrannt. Was die Polizei auf den Plan rief, die ihn daraufhin verwarnt habe. Es stehe zu befürchten, dass durch den Müll auf dem Grundstück das Grundwasser im Wasserschutzgebiet gefährdet sei, meint eine Anwohnerin.

Nach dem Tod des Grundstückseigentümers vor wenigen Jahren hat sich der Zustand auf dem Gelände weiter verschlechtert. Die Halle, die angeblich vor Jahren illegal errichtet worden war und eigentlich längst hätte abgerissen werden sollen, steht immer noch. Und obwohl es sich um keine Gewerbefläche handeln soll, werden nach Angaben von Anwohnern auf der Fläche nach wie vor Autos repariert.

Ordnungsamt und Polizei prüfen das Grundstück

Seltsam: Die neue mutmaßliche Eigentümerin des Müll-Grundstücks an der Poppenbütteler Straße wirbt im Internet unter der Adresse ausgerechnet für eine Firma für ,,Garten- und Landschaftsbau“, Sichtschutzwände und Landschaftspflege in Norderstedt. Passender Slogan: Galabau und Dienstleistungen im und ums Haus. Für eine Erklärung war die Firma (Name ist der Redaktion bekannt) für das Abendblatt telefonisch nicht zu erreichen.

Und was macht die Stadt? ,,Den Kolleginnen und Kollegen aus dem Norderstedter Ordnungsamt ist das genannte Grundstück bekannt, weil es dort in der Vergangenheit aus verschiedenen Anlässen mehrere Ortstermine gegeben hatte“, teilte Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek zunächst auf Anfrage des Abendblattes mit. Nach bisheriger Einschätzung des Ordnungsamtes sei von dort abgestellten Gegenständen und Fahrzeugen jedoch keine akute Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ausgegangen.

Es habe nach Inansichtnahme bisher auch keine Hinweise für eine akute Gefährdung von Natur und Umwelt gegeben, so der Sprecher. Ausgelöst durch die aktuellen Recherchen des Abendblatts gibt es jetzt allerdings einen neuen Sachstand. ,,Eine tagesaktuelle Inansichtnahme hat ergeben, dass sich die Zustände hinsichtlich der Vermüllung in negativer Form verändert haben“, teilte Bernd-Olaf Struppek mit.

,,Das Ordnungsamt wird mithin, vor allem auch in Zusammenarbeit mit der Polizei, Überprüfungen in die Wege leiten.“ Zu allen Fragen des Bau- und Gewerberechts könne ad hoc keine Stellungnahme abgegeben werden. Die Anfrage sei an das Bauamt und die Bauaufsicht weitergeleitet worden.

Das lässt hoffen. Alles in allem also eine gute Nachricht für die genervten Anwohner und Anwohnerinnen an der Poppenbütteler Straße.

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