Pandemie

Schleswig-Holstein schaltet 65.000 neue Impftermine frei

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Eine elektronische Anzeigetafel mit dem Wort "Impfzentrum" und ein Plakat mit der Abbildung einer Spritze (Symbolbild).

Eine elektronische Anzeigetafel mit dem Wort "Impfzentrum" und ein Plakat mit der Abbildung einer Spritze (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Erstmals können auch Menschen der dritten Prioritätsgruppe Termine buchen: Ab wann es Termine gibt, wann – und was – geimpft wird.

Kiel/Kreis Segeberg.  Schleswig-Holstein weitet die Corona-Schutzimpfungen aus. Am Donnerstag, 6. Mai, werden über das Portal www.impfen-sh.de 65.000 Termine für die Impfzentren vergeben, es geht um den Zeitraum vom 10. bis 23. Mai. Und erstmals wird dann auch die dritte Prioritätsgruppe (unter anderem alle Menschen ab 60) berechtigt sein, Buchungen zu vereinbaren. Hierbei geht es ausschließlich um MRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna) – Astrazeneca wird mittlerweile, Zweitimpfungen ausgenommen, komplett an die Arztpraxen geliefert.

Praxen bekommen mehr als doppelt so viele Impfdosen

Die Terminvergabe beginnt um 17 Uhr, der „Wartebereich“ ist ab 16 Uhr offen. Wie gehabt, werden alle Nutzer per Zufallsgenerator in eine Reihenfolge gebracht. Das bedeutet auch: Wer es mit mehreren Geräten versucht, etwa parallel mit Computer und Smartphone, erhöht die Wahrscheinlichkeit, vergleichsweise schneller zum Zuge zu kommen.

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Weiterhin gilt aber: Zunehmend wird sich die Kampagne auf die Arztpraxen verlagern. Diese sollen, sofern noch Bedarf besteht, vorrangig Personen aus den ersten beiden Prioritätsgruppen impfen. Vom 10. bis 23. Mai sollen mindestens 165.565 Impfdosen an Ärztinnen und Ärzte gehen. „Die Wahrscheinlichkeit, einen Termin bei einem Haus- oder Facharzt zu erhalten, ist deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit, online einen Termin für eine Impfung in einem Impfzentrum zu erhalten“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Allerdings gebe es keinen Anspruch auf eine sofortige Impfung, da nur eine begrenzte Menge an Impfstoff zur Verfügung stehe.

Diese Corona-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen

  • Biontech/Pfizer: Der erste weltweit zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt. Der mRNA-Impfstoff, der unter dem Namen Comirnaty vertrieben wird, entwickelt den vollen Impfschutz nach zwei Dosen und ist für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat er eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um den genannten Wert. Ebenfalls von Biontech stammt der erste für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassene Impfstoff in Deutschland.
  • Astrazeneca: Der Vektorimpfstoff des britischen Pharmaunternehmens wird unter dem Namen Vaxzevria vertrieben. Aufgrund von seltenen schweren Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), den Impfstoff nur für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Offiziell zugelassen ist der Impfstoff aber für Menschen ab 18 Jahren. Vaxzevria weist laut BMG nach zwei Impfdosen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen auf.
  • Moderna: Der von dem US-Unternehmen entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Vertriebsnamen Spikevax ist für alle ab 12 Jahren zugelassen, die Stiko empfiehlt aufgrund eines erhöhten Risikos schwerer Nebenwirkungen aber, ihn auf die Altersgruppe der über 30-Jährigen zu beschränken. Der Moderna-Impfstoff hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen, wenn der volle Impfschutz nach zwei Impfdosen erreicht worden ist.
  • Johnson&Johnson: Das US-Unternehmen hat einen Vektorimpfstoff entwickelt, der bereits nach einer Impfdosis Schutz vor dem Coronavirus entwickelt. Er wird unter dem Namen Covid-19 Vaccine Janssen vertrieben. Das Präparat hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent bezogen auf schwere Erkrankungen – zudem ist die Zahl der Impfdurchbrüche im Vergleich zu den anderen Impfstoffen erhöht, daher empfiehlt die Stiko für mit Johnson&Johnson Geimpfte schon nach vier Wochen eine zusätzliche Impfdosis mit Comirnaty oder Spikevax, um den vollständigen Impfschutz zu gewährleisten.
  • Novavax: Das US-Unternehmen hat den Impfstoff Nuvaxovid entwickelt. der mitunter zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt wird. Er enthält das Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich aber genau genommen nicht um abgetötete Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden. Das Protein wird stattdessen künstlich hergestellt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein. Der Impfstoff wird vermutlich ab Ende Februar in Deutschland eingesetzt und soll laut BMG in bis zu 90 Prozent der Fälle vor Erkrankung schützen.
  • Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung: Weltweit befinden sich diverse Vakzine in verschiedenen Phasen der Zulassung. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit das umstrittene russische Präparat Sputnik V sowie die Impfstoffe der Hersteller Sinovac, Sanofi und Valneva. Der deutsche Hersteller CureVac hat seinen Impfstoff vorerst aus dem Zulassungsverfahren zurückgezogen.

Die dritte Prioritätsgruppe ist umfangreich. Sie umfasst etwa Angehörige von Verfassungsorganen wie dem Landtag, Regierungen, Feuerwehr, Zoll, THW, Justiz und Rechtspflege, Wahlhelfer, Apotheken, Pharmabranche, Bestattungswesen, Ernährungswirtschaft, Wasser- und Energieversorgung, Transport- und Verkehrswesen sowie Informationstechnik und Telekommunikation. Ebenso berechtigt: Lebenseinzelhandel, Lehrkräfte an weiterführenden Schulen, Kinder- und Jugendhilfe.

Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Segeberg steht bei 53,4

Im Kreis Segeberg wurde in der vergangenen Woche am meisten im Wahlstedter Impfzentrum geimpft (1034 Erst-/1496 Zweittermine). In Norderstedt fanden 788 Erst- und 1115 Zweitimpfungen statt, in Kaltenkirchen 439 bzw. 1429. Das Infektionsgeschehen ist momentan moderat. Über das Wochenende wurden 52 weitere Fälle registriert, darunter waren 28 Kontaktpersonen. Die Inzidenz lag am Montagmorgen bei 53,4, aktuell hat das Gesundheitsamt Kenntnis von 513 infizierten Menschen, 1056 halten sich in Quarantäne auf. In einem Krankenhaus werden 23 Covid-19-Erkrankte versorgt, neun davon auf einer Intensivstation.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).
( che )

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