Geschichte

Oldesloe erinnert mit einem Film an Bombenangriff von 1945

| Lesedauer: 5 Minuten
Finn Fischer
Haben den Bombenangriff auf Bad Oldesloe in einem Film aufgearbeitet: Anna Plog (v. l.), Celina Höffgen und Benjamin Weber.

Haben den Bombenangriff auf Bad Oldesloe in einem Film aufgearbeitet: Anna Plog (v. l.), Celina Höffgen und Benjamin Weber.

Foto: Finn Fischer

Zeitzeugen schildern ihre Erinnerungen. Das Video soll an allen Schulen der Kreisstadt im Unterricht gezeigt werden.

Bad Oldesloe.  Es war ein strahlender Frühlingstag. Mit diesem Satz beginnt der Film über den verheerenden Bombenangriff auf Bad Oldesloe. Am 24. April 1945, um 10.30 Uhr, schrillte der Fliegeralarm in der heutigen Kreisstadt und läutete eine der dunkelsten Stunden in der Oldesloer Geschichte ein. Innerhalb weniger Minuten starben hunderte Frauen, Männer, Kinder. Getötet durch Bomben, herumfliegende Trümmerteile, zerquetscht in Luftschutzbunkern.

Eine der dunkelsten Stunden der Oldesloer Stadtgeschichte

Erstmals ist jetzt ein Film zu sehen, in dem auch Zeitzeugen das Grauen beschreiben. „Wir waren gerade in der Nähe des Bahnhofs angekommen, als erneut die Sirenen heulten. Schon wieder Fliegeralarm. Dazu ertönte aus Lautsprechern eine Stimme; Feindliche Flieger im Anflug auf Bad Oldesloe.“ So beschreibt Hans-Wolfgang Kehlert die letzten Minuten, bevor die Hölle über ihn und seine Freunde hereinbrach. Damals war der Mann, der jetzt bei Hannover lebt, 15 Jahre alt und als Flakhelfer im Kloster Nütschau untergebracht. Damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, schrieb der 90-Jährige der Oldesloer Stadtverwaltung vor einem Jahr einen Brief mit seinen Kriegserinnerungen. So fanden seine Erlebnisse den Weg in den Film.

Hans-Wolfgang Kehlert hatte Glück und blieb unversehrt

Kehlert war gerade mit einem Bollerwagen auf dem Weg zu einer Fleischfabrik, um zwei leere Milchkannen mit Brühe zu füllen. Verpflegung für ihn und seine ebenfalls im Kloster untergebrachten Kameraden. Dazu kam es nicht mehr. Bomben machten die Fabrik dem Erdboden gleich. Er, der Bollerwagen und die leeren Kannen blieben unversehrt. Der Rest der Stadt nicht. Überall schlugen die Bomben ein. In der Berufsschule, im Lazarett, im Bahnhof und zahlreichen weiteren Zielen, die eine mehr oder weniger große Bedeutung für die Infrastruktur hatten.

„Als die Sirenen losgingen, stürmten alle zu uns, weil wir einen großen Keller hatten“, erzählt Gerd Manzel. Zum Zeitpunkt des Angriffs war der Oldesloer gerade einmal fünf Jahre alt. Trotzdem erinnert er sich an eine Begegnung mit einer Nachbarin: „Da kam die Frau vom Friseur Grell mit ihrem Sohn. Meine Mutter sagte dann, ,kommen Sie zu uns in den Keller.’“ Das lehnte Frau Grell ab. Sie wollte mit ihrem Sohn lieber in den vermeintlich sicheren Bunker bei Kickbusch, einer Auto-Werkstatt. Frau Grell und ihr Sohn überlebten den Vormittag nicht. Der Keller, in dem sie und rund 50 andere Menschen Schutz suchten, wurde ausgebombt. Niemand überlebte.

Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung haben die Geschichten für den Film zusammengetragen

Ursula Dabelstein erlebte den Bombenangriff als Schülerin und beschreibt die Minuten, nach den Einschlägen: „Wir hörten das Jammern und Schreien von Menschen, die verwundet waren und wir weinten natürlich auch. Die Zeit kommt einem ja auch endlos vor und das Jammern und Schreien wurde leiser. Meine Freundin, die allein dort war, lag neben mir und stöhnte und weinte. Dann sagte sie plötzlich: ,Frau Dabelstein, bitte halten Sie meine Hand, mir ist so kalt. Und dann ist sie langsam neben mir gestorben.’“

Zusammengetragen wurden die herzzerreißenden Geschichten in dem 20-minütigen Filmdokument von Anna Plog und Celina Höffgen, beides Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, unterstützt von Höffgens Lebenspartner Benjamin Weber. Die Idee entstand im vergangenen Jahr. Eigentlich hatte die Stadtverwaltung 2020 eine große Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des Bombenangriffs geplant. „Die musste leider ausfallen und wir haben uns dann überlegt, was wir machen, sollte ein weiteres Mal keine Veranstaltung möglich sein“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke. Daher habe er dann den Film in Auftrag gegeben.

Das Video ist auch im Internet zu sehen

„Herausgekommen ist dabei viel mehr als ich erwartet habe“, freut sich der Oldesloer Verwaltungschef. Dieser Film sei gut geeignet, um die Erinnerungen der Zeitzeugen für die Nachwelt zu erhalten. Nicht jeder der Zeitzeugen konnte persönlich interviewt werden. Diese Stellen wurden zum Teil aufwendig illustriert und animiert. So ist der Film nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch gelungen.

Das Video soll auch im Unterricht an Oldesloer Schulen behandelt werden. Anna Plog: „Der Film wird von uns an alle Schulen weitergeleitet. Es ist uns wichtig, dass er gerade von der jüngeren Generation gesehen und besprochen wird.“

Das Video ist ab sofort auch auf der Internetseite (www.badoldesloe.de) und dem Youtube-Kanal der Oldesloer Stadtverwaltung zu sehen.

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