Grossenaspe

Wilder Spieltrieb im Eekholter Wolfsgehege

| Lesedauer: 4 Minuten
Christopher Herbst
Die Interaktionen zwischen den Tieren ist faszinierend. Vorne ist der neue Leitwolf Alexander, die abgeknickten Ohren sind Kampfspuren.

Die Interaktionen zwischen den Tieren ist faszinierend. Vorne ist der neue Leitwolf Alexander, die abgeknickten Ohren sind Kampfspuren.

Foto: Christopher Herbst

Im Wildpark Eekholt können Besucher derzeit live erleben, wie der junge Wolfsrüde Jascha seine Scheu ablegt.

Grossenaspe.  Wohl keine Tiere stehen so sehr als Symbol für den Wildpark Eekholtwie die Wölfe. Und weil die Besucher seit jeher faszinierend sind von den Raubtieren, die ja auch in freier Wildbahn längst wieder in Norddeutschland heimisch geworden sind, hat es viele Menschen mitgenommen, was sich Anfang des Jahres im Gehege abspielte. Wie berichtet, kam es zum Bruderkampf zwischen Janosch – dem Leitwolf – und Alexander.

Der eigentlich als stärker eingeschätzte Janosch erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass er letztlich eingeschläfert werden musste. Zurück blieben ein lädierter Alexander – und die Wölfin Mascha mit ihrem Jungtier, das der Wildpark als Hommage an den mutmaßlichen Vater Jascha taufte.

Wer heute das Treiben im Gehege verfolgt, bekommt oftmals über Stunden spektakuläre Bilder zu sehen. Man mag fast denken, dass die drei Wölfe aufgewacht sind, da nach Ende der Corona-Einschränkungen endlich wieder Gäste in den Wildpark gehen dürfen. Aus dem im letzten Jahr sehr scheuen, nur selten sichtbaren, kleinen Rüden Jascha ist ein Kraftpaket geworden, das permanent durch sein „Revier“ streift.

Jascha ist ein Einzelkind, das die Welt entdecken will

„Jetzt ist es so, dass ihn seine Mutter nicht mehr zurückschickt. Er ist ein Jungtier, die sind sehr verspielt, er ist fit und neugierig, er entdeckt die Welt. Aber er hat keine Geschwister, die seine Spielkameraden sein könnten“, sagt Heide Kröger von der Parkleitung. „Jetzt müssen die anderen Wölfe ran.“ Beziehungsweise: die Mutter. Wenn der Sohn mit aufgerissenem Maul und flinken Bewegungen auf sie zustürmt, sieht das auf den ersten Blick dramatisch aus. Aber das Toben gehört dazu, Jascha entdeckt sozusagen die Wolfswelt, testet Grenzen aus. Doch die Körpersprache verdeutlicht: Er ordnet sich unter. Kröger erinnert sich: Als 2013 Mascha, Janosch und Alexander – alle noch als Jungwölfe – nach Eekholt kamen, war es sehr ähnlich.

Die Neugier steckt an. Laufen zum Beispiel kleine Kinder am Gehege entlang, kommt es durchaus vor, dass Jascha sie begleitet. Das sorgt natürlich für Begeisterung. Auch Kameras nimmt er längst wahr – sehr zur Freude der Fotografen.

Zudem hat das anliegende Wildschweingehege seine Aufmerksamkeit. „Wir haben gerade Frischlinge“, sagt Tierpflegerin Lara Reinhold, „das bekommt er mit.“ Und gräbt fleißig. Eine Lücke wird er dabei nicht finden, die Frischlinge sind in Sicherheit. „Unser Zaun hat einen Untergrundschutz. Da können die Wölfe buddeln, bis der Arzt kommt.“

Mutter und Sohn sind sich optisch sehr ähnlich

Die Herausforderung ist allerdings, Mutter und Sohn zu unterscheiden. Je nach Lichteinfall scheint es kaum prägnante Merkmale zu geben. Lara Reinhold hat aber ein paar Tipps. „Mascha hat einen dunkleren Sattel“ – der Bereich rund um das Schulterblatt –, „und in der Farbe ist sie ein bisschen rötlicher. Jascha kommt von der Farbe zunehmend Janosch näher.“

Auch der etwas deutlichere schwarze Strich auf der Stirn zeichnet den Rüden aus. Doch was die beiden Tiere unterscheidet, ist weiterhin das Verhalten. „Eigentlich ist Mascha vom Charakter sehr vorsichtig. Von Natur aus sind Wölfe zurückhaltend.“ Das dürfte sie an Jascha weitergegeben haben. Bis er irgendwann eben nicht mehr zu bremsen war. „Das Futter gibt sie ihm nicht mehr direkt ins Maul.“ Jetzt muss Mascha selbst schauen, dass sie etwas abbekommt.

Übrigens weiß niemand genau, wann Jascha im Frühjahr 2020 zur Welt kam, also ist auch nicht klar, wann Jascha Geburtstag hat. Dass er männlich ist, wusste der Wildpark auch erst im Winter zu bestimmen, nachdem Fotos eindeutliche Hinweise gaben. Man wollte eben ganz sicher sein.

Alexander hält sich derweil bei dem Trubel merklich zurück. Sein rechter Hinterlauf scheint noch etwas nachzuziehen. Mit dem Futter bekommt er noch Medikamente. „Aber er hat sich richtig gut erholt von den Strapazen“, sagt Lara Reinhold.

Ob der Wildpark Eekholt einen weiteren Wolf zu dem Trio dazu holt – vergleichbare Einrichtungen in Deutschland sprechen regelmäßig über derartige Umsiedlungen –, steht noch nicht fest. Allerdings könnte es mit Risiken verbunden sein, ein fremdes Tier in das mittlerweile recht eingespielte Rudel integrieren zu wollen.

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