Kreis Segeberg

Corona: Kaltenkirchen hat den höchsten Inzidenzwert

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Christopher Herbst
Der Kreis Segeberg nennt erstmals lokale Zahlen zum Corona-Infektionsgeschehen. Norderstedt ist zurzeit kein „Hot Spot“. (Symbolfoto)

Der Kreis Segeberg nennt erstmals lokale Zahlen zum Corona-Infektionsgeschehen. Norderstedt ist zurzeit kein „Hot Spot“. (Symbolfoto)

Foto: picture alliance / NurPhoto

Kreis Segeberg nennt erstmals lokale Zahlen zum Corona-Infektionsgeschehen. Norderstedt ist zurzeit kein „Hot Spot“.

Kreis Segeberg.  Die Menschen in den größten Städten und Gemeinden des Kreises beziehungsweise den Ämtern bekommen ab sofort einmal pro Woche – immer mittwochs – ein Update zum Infektionsgeschehen mit den Sieben-Tage-Inzidenzen auf lokaler Ebene. Die Segeberger Verwaltung, allen voran Landrat Jan Peter Schröder, hat sich dazu entschieden, die Daten zu veröffentlichen.

Über Monate, und das schon seit 2020, hatten nicht nur Politiker insbesondere aus Norderstedt, sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger nachdrücklich genau das gefordert. Auch das Hamburger Abendblatt hatte, wie auch weitere Medien, wiederholt unter Berufung auf das Landespressegesetz erfolglos Anfragen gestellt. Eine rechtliche Verpflichtung gab es allerdings nie, es lag stets im Ermessen des Kreises. Und der sah keinen Mehrwert, befürchtete vielmehr „Stigmatisierungen“ in kleineren Orten.

Die Zahlen schwanken wöchentlich stark

Jetzt ist die Bewertung teilweise eine andere. „Wir beabsichtigen, die Zahlen einmal wöchentlich auf unserer Internetseite zu veröffentlichen“, sagte der Landrat am Donnerstagabend im Hauptausschuss des Kreistages, als er die Neuerung erstmals mitteilte. Man habe festgestellt, dass sich das „emotionale Bedürfnis“, die Zahlen zu erfahren, erhöht habe. Und dem trägt der Kreis nun Rechnung. Ebenso verwies Schröder auf andere Kreise – etwa Stormarn – und kreisfreie Städte, die ihre Zahlen ähnlich veröffentlichen. Einzeln ausgewiesen werden alle Städte sowie die amtsfreien Gemeinden, dazu werden die acht Ämter erfasst, es gibt also keine Auskunft für jedes Dorf.

Schon der erste Blick sowohl auf die Inzidenzen mit Stand 19. April als auch deren Verläufe seit Januar verdeutlicht, wie schwankend die Pandemiesituation in der Region ist. Landrat Schröder betont: „Es ist sehr unterschiedlich. Es ist keinesfalls so, dass Norderstedt ganz oben stünde, sondern eher im Mittelfeld ist. Spannend ist, dass es unterschiedliche Entwicklungen gibt. Wahlstedt stand am Montag bei 100, war auch im Februar mal bei null. Norderstedt ist jetzt bei 86, war aber auch schon bei 177. Es schwankt sehr stark.“ Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Norderstedts von knapp über 80.000 wären das knapp 144 Neuinfektionen in der Woche bis zum 5. April (Inzidenz: 177,7). Am 19. April stand Norderstedt bei 86,9, also ungefähr 70 neuen Fällen.

Je weniger Einwohner also eine Gemeinde, eine Stadt, ein Amt hat, desto schneller sind sprunghafte Inzidenzverschiebungen möglich. Zwei größere Ausbrüche in Unternehmen – oder wie im Herbst und Winter in Altenheimen hätten erheblichen Einfluss auf die Zahlen. Das erklärt auch, warum das vergleichsweise kleine Ellerau plötzlich bei 142,4 steht – eine Woche vorher lag die Inzidenz noch bei 15,8. Die höchsten Werte, die seit Jahresbeginn im Kreis erfasst worden sind, betrafen übrigens Wahlstedt (5. April, 194,9) und Bad Bramstedt (5. April, 182,8).

144 Neuinfektionen in Norderstedt Anfang April

Auf der anderen Seite zeigt sich: Bleiben Firmen, Schulen, Kitas oder andere größere Einrichtungen verschont, beziehungsweise sind Bewohner durch Impfungen geschützt, bleiben meist Übertragungen im privaten Bereich. Hierauf verwies der Landrat – und warnte vor der nachweislich hohen Infektiosität der britischen Virusvariante. „Es ist ein sehr diffuses Bild.“ Die Erfahrung zuletzt zeige: Ist ein Familienmitglied infiziert, steckt sich auch der übrige Haushalt an. Das war im Vorjahr, als noch der ursprüngliche Wildtyp von Sars-CoV-2 dominierte, nicht immer der Fall.

Noch höher als in Ellerau ist die Inzidenz derzeit lediglich in Kaltenkirchen (167,4). „Das überrascht mich“, sagte Bürgermeister Hanno Krause. Er betont aber: Es handele sich um rund 40 Fälle, sofern man die Inzidenz auf die Einwohnerzahl (23.273) umrechne. „Und diese Personen sind festgestellt und in Quarantäne.“ Krause ergänzt: „Wir sind mit unseren Maßnahmen gut dabei, wir haben an einigen Stellen in der Stadt ein öffentliches Alkoholverbot und eine Maskenpflicht. Und wir wollen weitere Testungen ermöglichen.“ So sei man in Gesprächen mit Dodenhof, um dort einen Standort für Schnelltests zu schaffen.

Norderstedt begrüßte die Entscheidung des Kreises. „Die Stadtverwaltung, vertreten durch Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, und Norderstedter Politikerinnen und Politiker hatten sich bekanntlich seit geraumer Zeit in Gesprächen mit dem Kreis immer wieder dafür eingesetzt, auf einzelne Kommunen aufgeschlüsselte Corona-Infektions-Zahlen zu nennen“, sagte Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. „In einer Vielzahl von Fällen war dies auch durch Bürgerinnen und Bürger der Stadt bei der Politik und vor allem auch bei der Verwaltung abgefragt beziehungsweise eingefordert worden.“ Nur eine fachliche Interpretation der Zahlen könne man nicht vornehmen, da die Stadt bekanntlich kein Gesundheitsamt habe.

Regelungen werden weiterhin für den gesamtem Kreis gelten

Eines wird sich trotz der neuen Transparenz nicht ändern: Regelungen gelten weiterhin für den gesamten Kreis – im Guten wie im Schlechten. „Unabhängig der Zahlen vor Ort. Und egal, ob das die Außengastronomie, den Einzelhandel oder die Mund-Nase-Bedeckung betrifft“, sagt Jan Peter Schröder.

Allgemein scheint der Kreis momentan vorsichtig optimistisch zu sein. Die Inzidenz war zuletzt am 15. April dreistellig (106,4), nunmehr beträgt sie 67,5. Am Freitag wurden 32 weitere Infektionen vermeldet. Schröder: „Die Entwicklung ist sehr positiv. Ich hoffe, dass es so bleibt und wir nicht zurückschwingen müssen wie der Kreis Stormarn.“

In Tangstedt greift die „Corona-Notbremse“

Norderstedts Nachbargemeinde Tangstedt liegt auf Stormarner Gebiet. Und dort greift, da die Inzidenz seit mehr als drei Tagen über 100 liegt (aktuell: 106,5), ab diesem Sonnabend die „Corona-Notbremse“ auf Grundlage des neuen Bundesinfektionsschutzgesetzes. Das bedeutet: Es gilt eine Ausgangsbeschränkung von 22 bis 5 Uhr, ausgenommen ist sportliche Betätigung, die bis Mitternacht möglich ist.

Ein Haushalt darf sich nur mit maximal einer weiteren Person treffen. Und die Außengastronomie bleibt geschlossen. Ebenso können die Kitas lediglich eine Notbetreuung anbieten, die Grundschule wechselt zum Distanzunterricht – auch hier gibt es eine Notbetreuung. All das gilt für Tangstedt, auch wenn die Gemeinde verglichen mit anderen Orten in Stormarn nur wenige Infektionen hat (Stand 20. April: acht).

Eine detaillierte Übersicht über die Infektionszahlen in den einzelnen Städten und Gemeinden im Kreis Segeberg finden Sie in der Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.

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