Kreis Segeberg

Autor Oliver Lück nimmt die Leser mit an die Küste

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Knittermeier
In seinem neuen Buch beschäftigt sich Oliver Lück aus Henstedt-Ulzburg mit Dingen, die an den Stränden von Nord- und Ostsee zu finden sind. Dazu gehören auch Flaschen, die mit Seepocken besetzt sind.

In seinem neuen Buch beschäftigt sich Oliver Lück aus Henstedt-Ulzburg mit Dingen, die an den Stränden von Nord- und Ostsee zu finden sind. Dazu gehören auch Flaschen, die mit Seepocken besetzt sind.

Foto: Frank Knittermeier

In seinem neuen Buch berichtet der Henstedt-Ulzburger Autor und Weltenbummler über Lebewesen und allerlei Seltsames am Meer.

Henstedt-Ulzburg.  Der kleine Stein am Strand. Wohlgeformt, von den Wellen geschliffen, vom Wind geglättet. Wer hat einen solchen Stein nicht schon mal in der Hand gehabt und sich überlegt, woher er wohl kommt, wie alt er ist, was er erlebt haben mag? Die Gedanken schweifen lassen, während das Meer rauscht und die Wolken ziehen – ziemlich genau dieses Gefühl hat Oliver Lück, Jahrgang 1973, in seinem neuen Buch eingefangen: „Der Strandsammler“, erschienen als sechster Band in der Reihe „Naturwunder“ bei Rowohlt.

Darin beschäftigt sich der Autor mit kleinen Wundern der Natur, die jeder erleben kann, der sich ins Auto oder in den Zug setzt, an Nord- oder Ostsee fährt und offenen Auges spazieren geht. Erleben ja, aber darüber sinnieren? Eher nicht. Oder nur manchmal. Queller, Quallen, Wattwürmer, Seepocken, Sand – das sind Themen, die Oliver Lück aufgegriffen hat.

Er schreibt aber auch über Menschen, die am und mit dem Meer leben, und über die Hinterlassenschaften von Menschen im Allgemeinen – den Müll im Meer.

Angesichts der gefühlten Unendlichkeit und der weiten Horizonte am Meer nimmt der Autor seine Leserinnen und Leser auch mit auf einen kleinen philosophischen Exkurs: Was wird wohl das letzte Wort sein, dass Frau oder Mann im Leben angesichts des Todes laut ausspricht? Das fragt er im Kapitel „Zeit“. „Hoppala Hoppsi“ vielleicht? Oliver Lück hält das für einen guten Abgesang im Augenblick des Kontrollverlustes. Er kennt das von einer Frau, die in höchster Aufregung genau diese Wort von sich gibt. Na ja, originell immerhin.

Nicht zu „Hoppala Hoppsi“, aber zu den großen und kleinen Strandthemen hat die Illustratorin Lena Steffinger zauberhafte Bilder gemalt.

Für den Henstedt-Ulzburger Autor kam der Auftrag des Rowohlt-Verlages gerade richtig. Die Corona-Zeit ist, wie für jeden Freischaffenden, auch für ihn eine Zeit des Verlustes. 120 bis 130 Lesungen stehen normalerweise pro Jahr in seinem Terminkalender – fast alles musste ausfallen. Ein paar Online-Lesungen, die vom jeweiligen Veranstalter bezahlt und organisiert werden, können das nicht kompensieren. Da schalten sich dann 600 bis 700 Interessierte zu, bei einer „Echt-Lesung“ sind es 100 bis 400. „Man bekommt durch die digitalen Medien schnell Aufmerksamkeit, aber es fühlt sich nicht echt an“, sagt Oliver Lück, der bei solchen, aus dem heimischen Arbeitszimmer gestarteten Aktionen, die Interaktionen mit dem Publikum vermisst. Immerhin musste er eine erhebliche Summe investieren, um technisch dafür gerüstet zu sein. Aber das betrachtet er als Investition in die Zukunft. Denn ohne die digitalen Medien, so glaubt er, wird es auch bei ihm nach den Pandemie-Beschränkungen nicht mehr gehen.

Dann also plötzlich der Auftrag für das Buch von seinem Stamm-Verlag. Zunächst war sein Interesse eher verhalten, aber irgendwann funkte es bei ihm. Innerhalb von zwei Monaten hatte er sich alles von der Seele geschrieben und ein druckreifes Manuskript abgeliefert. „Das Buch vermittelt Wissen, aber nicht mit dem Hammer“, sagt er. „Es vermittelt ein Nordgefühl, es zeigt, wie die Menschen, die am Meer leben, ticken.“ Beim Schreiben stellte sich bei ihm das Gefühl ein, auch in Henstedt-Ulzburg das Meer riechen zu können.

Ein weiterer Punkt hat ihn als Autor für das Buch begeistert: Vieles, was er auf seinen ausgedehnten Reisen bisher erlebt hat, konnte er verwenden. Manches, was er in seinen vorherigen Büchern („Flaschenpostgeschichten“, „Zeit als Ziel“, „Buntland“, „Neues vom Nachbarn“) verwendet hat, konnte er wieder aufgreifen und in einen neuen Kontext stellen. Die eigenen Bücher, das Internet, wissenschaftliche Bücher und Telefonate mit Wissenschaftlern, die seinen Namen schon kannten, vereinfachten die Recherche.

Natürlich denkt Oliver Lück immer über das jeweilige Ziel hinaus. Im nächsten Buch und der nächsten Vortragsreihe will er von einer Bahnfahrt in den hohen Norden berichten. Das ist außergewöhnlich, weil er, der Weltenbummler mit dem blauen VW-Bulli, sonst eher auf eigene Faust loszieht, um zu sehen, was so alles auf ihn zukommt. Interessante Menschen, die er unterwegs kennengelernt hat, werden wieder im Mittelpunkt stehen.

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