Ortsentwicklung

Tangstedts Ortsmitte soll lebendiger werden

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Christopher Herbst
Ihnen liegt die Entwicklung Tangstedts sehr am Herzen: Maren Klammer (von links), Tanja van den Eijnde-Pieper, Bettina Skirde, Stefanie Raschke, Nicole Singer, Ariane Mauel und Stefanie Linke.

Ihnen liegt die Entwicklung Tangstedts sehr am Herzen: Maren Klammer (von links), Tanja van den Eijnde-Pieper, Bettina Skirde, Stefanie Raschke, Nicole Singer, Ariane Mauel und Stefanie Linke.

Foto: Christopher Herbst

Initiative begrüßt Planungswettbewerb für das Areal rund um die alte Mühle und hofft auf rege Bürgerbeteiligung.

Tangstedt.  Für viele Menschen in Tangstedt ist es eine Gelegenheit, auf die sie lange gewartet haben. Das triste, seit über zehn Jahren brach liegende Gelände rund um die alte Mühle an der Hauptstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus (und nicht zu verwechseln mit dem Restaurant auf der anderen Straßenseite), wird Bestandteil eines öffentlichen Planungswettbewerbs, an dessen Ende ein Investor gefunden sein soll. Das hatten die Fraktionen in der Gemeindevertretung kürzlich beschlossen (das Abendblatt berichtete).

Die Bürgerinitiative „Lebendige Ortsmitte“ verbucht das als Erfolg und Bestätigung für die eigene Hartnäckigkeit. „Diese Idee mit dem Planungswettbewerb ist die Idee des Bürgerbegehrens gewesen. Diese 1000 Stimmen, die wir gesammelt haben, haben letztlich dazu geführt, dass so etwas erstmalig in Tangstedt durchgeführt wird – und auch mit Bürgerbeteiligung“, sagt Nicole Singer, eine der Sprecherinnen des Zusammenschlusses.

Im Herbst 2019 hatte sich die Initiative formiert und forderte damals explizit, dass das betreffende Areal im Zuge eines Wettbewerbs entwickelt werden müsse – mit dem Ziel der besagten „lebendigen Ortsmitte“ für alle Generationen. Es ging um kleine Geschäfte, ein Café, mehr Aufenthaltsqualität, dazu auch Wohnungen.

Die nötigen Unterschriften kamen zusammen, theoretisch wäre ein Bürgerentscheid möglich gewesen, allerdings wurde das Thema politisch von den Grünen aufgegriffen, deren damaliger erfolgreicher Antrag zielte auf einen sogenannten Realisierungswettbewerb inklusive einer Bürgerwerkstatt ab.

Dieser Beschluss ist ähnlich dem, was nun umgesetzt wird. Das gewählte Investorenauswahlverfahren bedeutet: Gemeinschaften aus Investoren und Architekten sollen umsetzungsfähige Planungskonzepte entwickeln und diese zusammen mit einem Kaufpreisangebot anonym einreichen. Ein Auswahlgremium wählt die qualifiziertesten Bewerbungen aus, das Gewinnerteam wiederum wird durch eine Fachjury gekürt. In die Bewertung sollen zu 70 Prozent die städtebauliche Qualität und zu 30 Prozent der finanzielle Faktor einfließen. Nach Aussage des Büros Baum/Schwormstede/Stellmacher, das diesen Wettbewerb betreut, könnten Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung über Workshops, auch digital, integriert werden.

„Es hat Hand und Fuß. Wir haben einen sehr guten Eindruck von dem Büro“, sagt Nicole Singer. „Und die Tangstedter Einwohner haben dazu beigetragen.“ Das soll auch weiterhin so sein. Aus Sicht der Initiative sollten die Bürger stets ein Mitspracherecht haben, also auch die exakte Aufgabenstellung mit erarbeiten. Diese wird in eine der nächsten Sitzungen des Planungsausschusses Thema sein. „Wir müssen wachsam sein, damit die Bürger tatsächlich beteiligt werden“, sagt Anja Mauel, die zu den Initiatorinnen gehört. „Durch ein transparentes Verfahren erhoffen wir ein gutes Ergebnis.“ Aus ihrer Sicht sollten in der Jury nicht nur Experten und Mitglieder der Politik oder Verwaltung sitzen, sondern auch einfache Bürgerinnen und Bürger. „Wir hoffen, dass die Entwicklung der Ortsmitte vielen Tangstedtern am Herzen liegt und sich viele an der Bürgerwerkstatt beteiligen.“ Wer möchte, kann der Initiative per Mail (lebendigeortsmitte@web.de) schon jetzt Ideen schicken, die dann gesammelt werden.

Für die Jugend gibt es nur das Gemeindezentrum

Das wurde schon einmal versucht mit einem Ortsentwicklungskonzept, das in der Gemeinde vor einigen Jahren – ebenso unter öffentlicher Beteiligung – aufwendig erstellt worden war. Und seitdem in der Schublade liegt. „Das Konzept hat den politischen Prozess nicht beeinflusst, aber es hat uns beeinflusst. Wir haben uns berufen gefühlt, etwas ins Leben zu rufen“, sagt Nicole Singer. Das Mühlengebäude ist da auch ein Symbol gewesen. „Das Gebäude ist uns aufgefallen, und wir dachten, man könnte daraus etwas Tolles machen.“ Doch sollte es keine Chance geben, das marode Bauwerk zu restaurieren, dann könnte es vielleicht einen adäquaten Ersatz geben. „Es geht um die Stilelemente. Aber im Vordergrund steht ein Treffpunkt. Wir haben von Senioren gehört, die sich gerne mal zum Kaffee zusammensetzen würden. Und für die Jugend haben wir nichts außer dem Gemeindezentrum – und da gehen 18-Jährige nicht mehr hin.“

Ein schneller Verkauf des Areals wäre uneffektiv

Dass die Grünen die Initiative unterstützen, ist kein Geheimnis – die Ehemänner von Anja Mauel und Nicole Singer sind Gemeindevertreter. Als Fraktionsvorsitzender erinnert Stefan Mauel daran, dass seine Partei den Plan, das Mühlen-Grundstück möglichst schnell zu verkaufen ohne vorheriges Konzept, stets abgelehnt hatte. „Wir konnten dann in vielen Gesprächen eine kleine politische Mehrheit für einen Wettbewerb gewinnen. Vom ursprünglichen Schnellverkauf mit Mühlenabriss war dann nur noch der Mühlenabriss übrig.“ Je nach Betrachtung sei entweder ein Neubau einer vergleichbaren Gewerbefläche oder die Sanierung teurer. „Mit dem schnellen Verkauf die defizitäre Gemeindekasse zu füllen, ist uneffektiv.“ Denn man habe ja nur die Differenz zwischen Buchwert und Verkaufspreis.

Laut Mauel gebe es noch mehr Entwicklungspotenzial, etwa mit einer Überplanung des Straßenabschnitts für neue Fuß- und Radwege. „Nun sind wir neugierig auf interessante Entwürfe der Architekturbüros und die Diskussion mit den Bürgern darüber. Nach 15 Jahren Stillstand sollte es ein Jahr längerer Planungszeit wert sein, um einem optimalen Plan unter Mitsprache der Bürger zu bekommen.“

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