Kreis Segeberg

14 neue Songs von den „Cowboys der Nation“

| Lesedauer: 5 Minuten
Frank Knittermeier
Der Tangstedter Uwe Lost (rechts) und Andreas Cisek aus Norderstedt freuen sich, dass trotz Corona das 45. Truck-Stop-Album erscheinen konnte.

Der Tangstedter Uwe Lost (rechts) und Andreas Cisek aus Norderstedt freuen sich, dass trotz Corona das 45. Truck-Stop-Album erscheinen konnte.

Foto: HA / DPA

Uwe Lost und Andreas Cisek von Truck Stop haben ein Jahr ohne Konzerte erlebt. Jetzt gibt es ein neues Album.

Tangstedt/Norderstedt . Ein richtig wildes Jahr war es nicht: Der Tangstedter Musiker Uwe Lost und der Norderstedter Musiker Andreas Cisek haben den Wilden Westen kaum gespürt. Die „Cowboys der Nation“ mussten zu Hause bleiben und ihre Fans vertrösten: Ihre Countryband Truck Stop musste, wie alle anderen Musikgruppen auch, die geplanten Auftritte wegen der Corona-Pandemie absagen.

„Gut 70 Konzerte sind ausgefallen“, sagt Uwe Lost, der zwar bald 72 wird, am liebsten aber immer noch die Bassgitarre umschnallen und so schnell wie möglich auf die Bühne möchte. Untätig sind er und seine Bandkollegen aber nicht gewesen: Am 1. April ist das 45. reguläre Truck-Stop-Album erschienen: „Liebe, Lust & Laster“ vereint alles, was die Fans erwarten. 14 Songs insgesamt, sechs von Andreas Cisek komponiert, fünf von Uwe Lost.

Musiker leben von einer „Mini-Rente“

Was macht ein Musiker, der nicht auftreten kann? Dessen Haupteinnahmequelle also versiegt ist, der nicht sagen kann, wann es wieder auf Tour geht. Uwe Lost, seit 43 Jahren festes Mitglied und Bürochef der 1973 gegründeten Band, ist ehrlich: „Ich lebe aus dem Sparstrumpf.“ In seinem Alter bekommt er eine „Mini-Rente“, aber es gibt noch andere laufende Einnahmen: Als Komponist vieler Truck-Stop-Songs bezieht er regelmäßig Tantieme, wobei besonders die Titelmelodie der ARD-Serie „Großstadtrevier“ ins Gewicht fällt.

„Große Haie, kleine Fische“ wird gespielt, seitdem die TV-Serie 1986 erstmals gesendet wurde. Auch das aktuelle Facelifting der Serie mit Beginn der 34. Staffel hat der Song unbeschadet überstanden. „Ich hatte schon befürchtet, mit der Modernisierung würde die Produktion auch eine neue Titelmelodie übernehmen“, sagt Uwe Lost. „So war es aber nicht.“

Der „Großstadtrevier“-Song von Komponist Uwe Lost und Texter Claus-Dieter Eckardt ist auf vielen Best-of- und Live-Alben von Truck Stop veröffentlicht worden.

Uwe Lost hat in seinem Alter nach einer langen Karriere als Profi-Musiker für schlechte Zeiten vorgesorgt und einiges an Geld zurückgelegt. Er weiß aber, dass jüngere Kollegen diese Möglichkeit noch nicht hatten und die Situation bei ihnen angespannter ist.

Die Hände in den Schoß gelegt haben Uwe Lost, Andreas Cisek, der seit 2012 Hauptsänger der Band ist, und die anderen Mitglieder deshalb auch im Corona-Jahr nicht. Zwar gab es keine Live-Konzerte mehr, dafür haben sie bereits im Frühjahr 2020 begonnen, ihr neues Album zu produzieren. Gesehen haben sich die Bandmitglieder persönlich aber kaum.

Eine Truck-Stop-Produktion funktioniert so: Neue Titel werden gesammelt, dann folgt ein Treffen im Studio, bei dem die Grundlagen der Songs live eingespielt werden, anschließend machen alle ihre „Hausaufgaben“ – jeder spielt seine Parts für sich ein. Entweder im eigenen Studio oder im Hauptstudio. Papa Uwe und Sohn Florian Lost aus Norderstedt zum Beispiel singen die Hintergrundchöre im Lostschen Tonstudio, das im Keller des Wilstedter Einfamilienhauses steht, ein. Chris Kaufmann, seit 2014 festes Bandmitglied, lebt in Südtirol und spielt seine Parts in seiner Musikschule in Bozen ein. Kein Problem im digitalen Zeitalter.

Uwe Lost hat auf YouTube einen eigenen Kanal

Beim nächsten kompletten Bandtreffen werden die Songs zusammengestellt und gemischt. Ein schwieriger Prozess: „Mit der Mischung ist man eigentlich nie zufrieden, aber irgendwann sagt man eben, diese Version ist es“, sagt Uwe Lost, der sich auch ein fertiges Lied immer noch höchst kritisch anhört. Aber egal: Für die Hörer klingt die Mischung ohnehin perfekt.

Auch sonst hat Uwe Lost die Zeit während der Pandemie genutzt: Er hat seinen Ellenbogen „repariert“, ist gejoggt, hat Tennis gespielt und hat sich erfolgreich in die Video-Technik eingearbeitet. Das Ergebnis ist auf YouTube zu sehen: Er hat dort inzwischen einen eigenen Kanal, auf dem er sich selbst und seine Band präsentiert. Das Video zum neuen Album „Liebe, Lust & Laster“ hat Uwe Lost selbst produziert.

Ganz von der Bühne verschwunden ist Truck Stop übrigens nicht: Bereits im Oktober konnten die Fans ein Live-Konzert streamen, Gründonnerstag wurde das neue Album per Live-Stream präsentiert. „Es ist für uns wichtig, mal wieder zusammen auf der Bühne zu stehen, auch wenn kein Publikum im Saal ist“, sagt Uwe Lost. Truck-Stop-Fans haben bei diesen Konzerten die Möglichkeit, per Zoom einen Klönschnack mit der Band zu halten. Ein namhafter Großsponsor hat diese Form der Live-Unterhaltung möglich gemacht.

Auf Tour geht es in diesem Jahr auch wieder. Vielleicht. Geplant sind viele Konzerte bis Juli 2022, welche davon stattfinden dürfen, steht allerdings in den Sternen.

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