Inzidenz über 100

Der Kreis Segeberg zieht die Corona-Notbremse

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Christopher Herbst
Auch über die Ostertage ist das Norderstedter Impfzentrum in Betrieb und voll ausgelastet. Derzeit können hier täglich 256 Menschen gegen Covid-19 geimpft werden.

Auch über die Ostertage ist das Norderstedter Impfzentrum in Betrieb und voll ausgelastet. Derzeit können hier täglich 256 Menschen gegen Covid-19 geimpft werden.

Foto: Christopher Herbst

Vorerst vom 1. bis 11. April gelten verschärfte Einschränkungen. 119 neue Infektionen über das Wochenende.

Kreis Segeberg.  Was in den letzten Tagen befürchtet wurde, ist jetzt amtlich: Für die Menschen im Kreis Segeberg gelten ab Gründonnerstag (1. April) bis einschließlich 11. April weitreichende Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben. Das haben die Segeberger Kreisverwaltung und die schleswig-holsteinische Landesregierung beschlossen, nachdem im Kreis an drei Tagen in Folge der Schwellenwert einer Sieben-Tages-Inzidenz von 100 überschritten worden ist. Am Montagfrüh lag der Wert bei 114,4 – am Dienstag dürfte dieser angesichts von insgesamt 119 Neuinfektionen seit vergangenem Freitag weiter auf ungefähr 120 steigen.

„Die Zahl der Neuinfizierten nimmt leider im gesamten Kreisgebiet weiter zu. Zunehmend können wir nicht mehr ermitteln, wo sich eine Person angesteckt hat. Wir sprechen daher von einem diffusen Infektionsgeschehen. Ein Abwärtstrend dieser Entwicklungen ist im Moment nicht erkennbar“, sagte Landrat Jan Peter Schröder.

Daher werde der Kreis einen Erlass des Landes umsetzen. Die entsprechende Allgemeinverfügung gelte dann auch für die gesamte nächste Woche.

Treffen: Personen eines gemeinsamen Haushalts dürfen sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum nur mit einer weiteren Person treffen, wobei Kinder unter 14 ausgenommen sind.

Bildung: Kitas gehen in die Notbetreuung, dabei dürfen nicht mehr als zehn Kinder pro Gruppe gleichzeitig betreut werden. Schulen und schulische Betreuungsangebote bieten Distanzlernen an, für die Jahrgangsstufen eins bis sechs wird eine Notbetreuung eingerichtet. Betreuungsangebote gibt es auch für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie – bei besonderem Bedarf – für Schüler ab Jahrgangsstufe sieben an allgemeinbildenden Schulen. Für Abschlussjahrgänge kann Präsenzunterricht stattfinden, Prüfungen finden in Schulen statt. Auch berufsbildende Schulen wechseln in den Distanzunterricht. Hier muss aber jeweils angemerkt werden, dass vom 1. bis 16. April sowieso Osterferien sind.

Einzelhandel: Nur eine Person pro Haushalt darf Supermärkte, Discounter, Wochenmärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Poststellen, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Tierbedarfsmärkte, Zeitungskioske, Blumenläden, Gartencenter, Baumärkte, Buchläden sowie die Lebensmittel-Tafeln betreten. Alle weiteren Bereiche des Einzelhandels müssen zum Modell „Click & Collect“ wechseln, vorbestellte Waren dürfen also abgeholt werden. Betreiber sind verantwortlich dafür, dass wartende Kunden die Abstände einhalten.

Körperpflege: Dienstleistungen mit Körperkontakt, also zum Beispiel Kosmetik, sind nur zulässig, wenn eine Kundin ein negatives Testergebnis vom selben Tag oder dem Vortag vorlegt oder vor Ort einen Test macht. Ausgenommen hiervon sind medizinisch notwendige Dienstleistungen, Friseursalons und Nagelstudios.

Sport darf nur allein, zusammen mit Personen des selben Haushalts oder mit einer anderen Person betrieben werden. Außerhalb geschlossener Räume ist dies zudem in festen Gruppen mit bis zu fünf Kindern unter 14 unter Anleitung einer Trainerin/eines Trainers erlaubt. Fahrschulen dürfen Theoriestunden nur als Fernunterricht anbieten. Und Hundeausbildung ist nur in Gruppen bis zu fünf Personen möglich.

Situation in Krankenhäusern verschärft sich

„Ich weiß, dass diese Verschärfungen viele Bürgerinnen und Bürger hart treffen werden“, so der Landrat. „Aber ich sehe leider derzeit keine andere Möglichkeit. Oberste Priorität haben nach wie vor jene, die dem Virus schutzlos ausgeliefert sind. Und wir müssen verhindern, dass unser Gesundheitssystem zusammenbricht. Trotz Coronamüdigkeit und Genervtheit appelliere ich daher ein weiteres Mal an alle Segeberger, sich vorsichtig und umsichtig zu verhalten, und ich hoffe sehr, dass dieser Appell auch gehört und umgesetzt wird.“

Die Situation in den Krankenhäusern verschärft sich unterdessen. Nachdem vor dem Wochenende noch 27 Personen klinisch versorgt worden waren, sind es nun bereits 38. Sieben liegen mit Covid-19 auf einer Intensivstation, das sind vier mehr als am Freitag. Und ein 78 Jahre alter Mann ist verstorben, er ist das 142. Todesopfer im Kreis. Aktuell infiziert sind 836 Segebergerinnen und Segeberger, in Quarantäne befinden sich 2204 Personen. Bei 272 der Infektionen handelt es sich um die britische Variante B.1.1.7. – 50 mehr als am Freitag.

Immerhin: Während anderswo in Deutschland nach Medienberichten die Impfzentren über Ostern teilweise schließen, läuft im Kreis Segeberg der Betrieb weiter. In Kaltenkirchen gibt es 236 Termine pro Tag, in Norderstedt 256, in Wahlstedt 384. Laut Gesundheitsministerium sind alle Einrichtungen ausgebucht.

Jeweils wird von 9 bis 12 Uhr auf zwei bis drei Impflinien der Wirkstoff von Astrazeneca gespritzt, nachmittags dann Biontech oder Moderna. Mit Stand 28. März hat es in den drei Zentren insgesamt 21.570 Erst- und 2213 Zweitimpfungen gegeben. Allerdings waren 2209 dieser Zweittermine in Kaltenkirchen, das bekanntlich rund zwei Monate vor Norderstedt und Wahlstedt eröffnet hatte. Noch vor Ostern soll es dazu nähere Informationen über den für 6. April vorgesehenen Impfstart in den Hausarztpraxen geben.

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