Tangstedt

Costa Kiesa soll "gastronomische Inseln" bekommen

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Christopher Herbst
Mit ihrer Lage und dem naturbelassenen Gewässer ist die „Kiesa“ sehr beliebt in der Region. Für die Gemeinde Tangstedt stehen Aufwand und Nutzen aber in keinem Verhältnis.

Mit ihrer Lage und dem naturbelassenen Gewässer ist die „Kiesa“ sehr beliebt in der Region. Für die Gemeinde Tangstedt stehen Aufwand und Nutzen aber in keinem Verhältnis.

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf / TA Caps

Veranstaltungsspezialist Japp und Firma Eggers stellen Konzept für Gastronomie und Badebetrieb in Tangstedt vor. Das sind die Pläne.

Tangstedt.  „Die Costa Kiesa ist eine Quadratur des Kreises!“ So beschrieb ein alteingesessener Tangstedter die Situation rund um den Baggersee, als der Planungs- und Umweltausschuss seine ausführliche Debatte abgeschlossen hatte.

Ja, das Problem wäre tatsächlich unlösbar, wollte man sowohl die Kosten auf ein Minimum reduzieren und zugleich eine maximale Sicherheit ohne jegliche Besucher am Gewässer. Doch es scheint vielmehr auf einen überraschenden Kompromiss hinauszulaufen.

Kosten sind 2020 um 441 Prozent gestiegen

Denn was der Norderstedter Veranstaltungsspezialist und Caterer Heino Japp den Politikern vorstellte, hat Charme. So könnte der Badebetrieb weitergehen, dazu sogar ein kleines gastronomisches Angebot etabliert werden, und das Unternehmen Eggers würde sich maßgeblich einbringen. Das wäre eine 180-Grad-Wende zum letzten Jahr, als die „Kiesa“ coronabedingt zum Sperrgebiet wurde und die Gemeinde rund 300.000 Euro – ein Zuwachs von 441 Prozent gegenüber 2019 – ausgeben musste, damit ein Sicherheitsdienst während des Sommers Patrouille laufen konnte.

Niemand will, dass sich das wiederholt. Die von mehreren Fraktionen geäußerte Vorstellung, man könne sich aus allen Verträgen zurückziehen, ist nach Auskunft der Itzstedter Amtsverwaltung zu kurz gedacht. Zwar gehört das Gebiet weitestgehend Eggers, ein Flurstück aber der Gemeinde – die also immer noch haften müsste.

Die Alternative: „Es wäre ein Konzept, mit dem wir zumindest einen großen Teil der Zeit abdecken – von Freitag bis Sonntag, 12 bis 20 Uhr, vielleicht darüber hinaus.“ Heino Japp spricht von einer „gastronomischen Insel“ mit mobilem Imbisswagen. Der Müll-Problematik würde er mit „nachhaltigen Einweg-Materialien – kein Plastik, kein Glas, keine Dosen“ Herr werden wollen. „Ich hoffe, dass die DLRG mit im Boot bleibt, sodass wir gemeinsam den See im Griff haben. Der See sollte weiter für die Menschen zur Verfügung stehen. Es wäre erstmal eine Lösung für diesen Sommer. Es muss relativ schnell beschlossen werden.“

Japp sprach explizit im Namen von Ralf Eggers. Der Firmenchef hat die Vorschläge mit erarbeitet. Er und Japp sind Weggefährten, die beiden Familienbetriebe arbeiten seit langer Zeit zusammen. Fast das gesamte Areal – immerhin größer als der Stadtpark Norderstedt – gehört Eggers, zudem wird im nordöstlichen Bereich des Sees sogar noch Kies abgebaut. Dort ist Baden strikt untersagt, doch der Sicherheitsdienst der Firma – ein anderer als jener der Gemeinde – muss hier in jeder Saison Unbefugte aufspüren. Beobachter berichten sogar von waghalsigen Sprüngen von Kränen ins Wasser.

Logisch, dass Ralf Eggers lieber einen geordneten Betrieb ein paar Meter weiter sehen möchte. „Ihm ist es wichtig, zu unterstützen, damit es weitergeht“, sagte Japp. Perspektivisch soll das Gebiet zwischen Kringel und Wilstedt-Siedlung sowieso Bestandteil eines Zukunftskonzepts sein – aber das käme erst, wenn der Kiesabbau beendet worden ist.

Bürgermeister forderte Beschluss noch vor Ostern

Gemäß der geltenden Benutzungsordnung läuft die Saison vom 15. Mai bis 30. September. Wie sich die Pandemie in eineinhalb Monaten darstellen wird, weiß keiner, allerdings geht bekanntlich in Schleswig-Holstein die Tendenz dorthin, Inlands-Tourismus zu ermöglichen. Der Tangstedter See wäre auf lokaler Ebene ein solches Angebot.

Die Zeit drängt aber. Bürgermeister Jürgen Lamp hatte einen politischen Beschluss vor Ostern gefordert. Eckhard Harder (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, hat ebenso mit Ralf Eggers gesprochen. Er nennt das mögliche Konzept „nicht mehr als einen Versuch“, ist aber aufgeschlossen. „Für ein Hygienekonzept muss eine Wasserversorgung für WCs und Duschen da sein. Das würde die Firma Eggers herstellen.“

Schrittweise müssten sich die Bedingungen jenen im Freibad Itzstedt annähern, das im Sommer 2020 dank einer ausgeklügelten Corona-Strategie offen hatte. „Wir haben im letzten Jahr für Itzstedt ein Konzept genehmigt bekommen und umgesetzt“, sagte Ina Rathje, im Amt zuständig für den Badebetrieb. Aus ihrer Sicht könne man das Itzstedter Modell grob auf Tangstedt übertragen. Getrennte Ein- und Ausgänge, ein System mit Wertechips und verschiedenen Liegebereichen, „ein Zaun ist zwingend erforderlich“, so Rathje.

Sie rechnet vor: Am Strand könnten sich zeitgleich sogar 1100 Leute aufhalten, dafür bräuchte man 700 Meter Zaun, der 60.000 Euro kosten würde. „Ich denke, dass wir da über eine Kostenbeteiligung von Eggers reden können.“ Dazu käme ein „kleines Entgelt“, wie sie es nannte, gezahlt an zwei Kassenhäuschen, „um die Kosten zu minimieren“. In Itzstedt gibt es einen hauptamtlichen Bademeister, die DLRG ist fest in die Abläufe integriert. Vielleicht wäre das auch in Tangstedt machbar. „An Wochenende und in den Ferien müssten wir vielleicht über einen Sicherheitsdienst nachdenken. Und dann könnten wir es unter Umständen betreiben. Aber wir brauchen eine Planung.“

Finanzierung könnte auf mehreren Schultern liegen

Und – neben Goodwill – eine Finanzierung. Wie ein Kostenmodell aussehen könnte, ist noch offen. Positiv aus Sicht von Tangstedt: Der Badestättenausschuss im Amt Itzstedt hat grundsätzlich zugestimmt, dass die „Kiesa“ auch anteilig von den weiteren Amtsgemeinden finanziert werden könnte – genauso, wie Tangstedt auch für das Itzstedter Freibad zahlt.

„Es geht um eine vernünftige Kostenbeteiligung“, sagte der leitende Beamte der Verwaltung, Torge Sommerkorn. „Das müssen wir noch näher definieren.“ Er wiederholte: Einfach per Schild ein striktes Zutritts- und Badeverbot zu verhängen, würde Tangstedt nicht von der Haftungsverpflichtung ausschließen. „Wir müssen versuchen, mit der Firma Eggers eine Lösung zu entwickeln. Und gegebenenfalls auf die Itzstedter Expertise zurückgreifen.“

Ausschuss stimmt knapp für einen Badebetrieb

Die Tangstedter Politik reagierte abwartend. „Es geht nicht darum, dass wir das Baden verbieten. Es ist wichtig, eine hohe Haushaltsbelastung zu vermeiden, wenn aufgrund von Corona nicht gebadet werden kann“, sagte Stefan Mauel von den Grünen. „Das Dichtmachen ist ja auch nicht kostenneutral“, entgegnete Christoph Ahrens (CDU). Japp stimmte dem zu.

„Bei einer Schließung, bei einer Einzäunung entstehen hohe Kosten. Und ein Zaun allein verhindert nicht, dass etwas nicht passiert.“ Johannes Kahlke (SPD) stellte eine rhetorische Frage. „Können wir unserer Bevölkerung noch einmal zumuten, 300.000 Euro zu zahlen?“

Eckhard Harder ließ letztlich über folgende Grundsatzfrage abstimmen: Badebetrieb, ja oder nein? Vier Ausschussmitglieder stimmten zu, die weiteren drei enthielten sich. Auch das ist ein Indiz, wie schwer sich Tangstedt mit dem Thema tut. In der Gemeindevertretung am morgigen Dienstag (19.30 Uhr, Turnhalle) müsste diese Ausschuss-Empfehlung bestätigt werden, dann könnten die Gespräche zwischen der Gemeinde, dem Amt, Heino Japp und Ralf Eggers konkreter werden.

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