Kiel/Norderstedt

Dreifache Mutter stiehlt EC-Karte und plündert Konto

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Aufgepasst beim Zahlen mit EC-Karte: Die Täterin hatte ihre Opfer offenbar an der Kasse ausgespäht (Symbolbild).

Aufgepasst beim Zahlen mit EC-Karte: Die Täterin hatte ihre Opfer offenbar an der Kasse ausgespäht (Symbolbild).

Foto: Oliver Berg / dpa

Ehepaar aus Norderstedt verlor 2000 Euro, Bank zahlt nichts zurück – Angeklagte zu Geldstrafe verurteilt.

Kiel/Norderstedt.  Weil sie mit einer gestohlenen EC-Karte an einem Geldautomaten 2000 Euro abgehoben hatte, muss eine Mutter von drei Kindern jetzt 750 Euro Geldstrafe in 50 Tagessätze á 15 Euro zahlen. Wegen Computerbetrugs hatte das Amtsgericht Norderstedt die 28-Jährige bereits im Oktober vergangenen Jahres verurteilt. Die Angeklagte legte Berufung gegen das Urteil ein, das jetzt vom Kieler Landgericht bestätigt wurde.

Nach dem nun rechtskräftigen Urteil muss die von Sozialhilfe lebende Frau die erschlichene Summe an die Geschädigten zurückzahlen, ein Ehepaar aus Norderstedt. Dieses hatte den Verlust der EC-Karte kurz nach dem Einkaufen in einem Einrichtungsgeschäft in Norderstedt bemerkt. Dort hatten sich die Eheleute kurz vor Ostern für 20 Euro mit Deko-Artikeln zur Verschönerung ihrer Wohnung eingedeckt.

Die Zeugen ließen die Karte sofort sperren, doch es war zu spät: Das Konto war geplündert, es fehlten 2000 Euro. Die gelernte Dekorateurin (59) und der pensionierte Feuerwehrmann (65) glauben, dass die Angeklagte ihnen das Portemonnaie samt EC-Karte gestohlen hat. Zuvor müsse die Frau beim Bezahlvorgang die PIN ausgespäht haben.

Ein Spickzettel mit der Geheimzahl lag nicht im Portemonnaie, beteuerten die Zeugen vor Gericht. Von einem Polizeibeamten hatten sie gehört, professionelle Kartendiebe seien durch Beobachtungstraining in der Lage, die Geheimzahl nur aus den Gesten der Karteninhaber beim Eintippen der vierstelligen Zahlenfolge zu erschließen – auch ohne direkten Blick auf die Tasten.

Laut Urteilsbegründung hatte die Angeklagte mit der Karte vor laufender Überwachungskamera der Bank zwei Mal kurz hintereinander die Höchstsumme von je 1000 Euro abgehoben. Vor Gericht bestritt sie den Vorwurf, das Konto der Zeugen geplündert zu haben, schwieg jedoch auf Anraten ihrer Verteidigerin.

Geld ist futsch, die Bank zahlt den Opfern nichts zurück

Nach Aktenlage hat die kleine schlanke Frau mit der Figur einer Balletttänzerin keinen Schulabschluss und keine Ausbildung. Sie ist verheiratet, ihr jüngstes Kind ist vier Monate alt. Die in Hamburg lebende Angeklagte ist nicht vorbestraft, stand jedoch bereits im Fokus der Polizei. Wie ein als Zeuge gehörter Beamter berichtete, geriet sie schon früher unter Diebstahlsverdacht.

Dass sie die EC-Karte selbst gestohlen hatte, war ihr nicht nachzuweisen. Die Kieler Staatsanwaltschaft warf ihr lediglich Computerbetrug vor. Überführt wurde die Angeklagte durch die Bilder der Überwachungskamera. Obwohl sie beim Geldabheben eine große Sonnenbrille trug, war eine Sachverständige für Gesichtserkennung von ihrer Identität überzeugt. Nach dem Gutachten der Anthropologin stimmten zahlreiche individuelle Gesichtsmerkmale der Angeklagten mit den Fotos überein.

Die geschädigten Eheleute hofften vergebens auf Rückzahlung durch die Bank: Die 2000 Euro bekämen sie nicht wieder, berichteten sie auf Nachfrage. Die Sparkasse begründe dies mit einem Urteil des Bundesgerichtshofes, teilte der Ehemann mit. Demnach müssten die EC-Kartenbesitzer nachweisen, dass sie die Geheimnummer nicht im Portemonnaie bei sich hatten und sich beim Eintippen nicht ausspähen ließen.

( gey )

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