Schröters Wochenschau

Ein Rathaus zum hundertsten Geburtstag

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Eigentlich sollte das Norderstedter Rathaus schon 2020 erneuert sein. Dabei ist das Gebäude grad erst 40 Jahre alt.

Das Norderstedter Rathaus ist ein Sanierungsfall. Völlig marode. Es regnet durchs Dach, die Verkabelung ist mit den Ansprüchen zeitgemäßer Bürokommunikation restlos überfordert, das Brandschutzkonzept muss überarbeitet werden. Fenster müssten ebenso ausgetauscht werden wie Sprinkleranlagen und Bodenbeläge.

Zu klein für die Anzahl der hier Beschäftigten ist es sowieso. Die Mängelliste ist noch nicht vollzählig, aber ich möchte Sie nicht mit ellenlangen Aufzählungen langweilen. Kurz zusammengefasst: als Lebewesen wäre das Norderstedter Rathaus, Baujahr 1984, ein Pflegefall mit unguter Prognose.

Eigentlich liegt das Jahr 1984 doch noch gar nicht so furchtbar weit zurück. Na schön, es sind fast 40 Jahre. Aber andernorts stehen Rathäuser aus dem 16. Jahrhundert, die immer noch ganz gut zu sein scheinen. Vielleicht waren damals die Handwerker mehr auf Zack oder das Material war besser oder beides. Im Fachwerk bohrte höchstens der Holzwurm, während heutzutage alle paar Monate technische Modernisierungen die Perforation etlicher Gebäudeteile erzwingen, um weitere Kilometer Kabel durch die Hütte zu verlegen.

Fakt ist, das Norderstedter Rathaus muss saniert werden. Man erwog das bereits vor fünf Jahren und plante ein runderneuertes Rathaus zum 50. Stadtgeburtstag in 2020. Hat nicht ganz geklappt. Doch jetzt startet immerhin die Ermittlung des exakten Sanierungsbedarfs. In diesem bemerkenswerten Tempo liegt bestimmt Kalkül: fällt das Gebäude vor Beginn der Reparaturen in sich zusammen, spart man sich die Abrisskosten.

Und nach Bedarfsermittlung, Beschlussfassung, Ausschreibung und Vergabe der einzelnen Baumaßnahmen sowie der tatsächlichen Bauphase inklusive Pannen, Pech und Insolvenzen haben wir dann ein nagelneues Rathaus als prima Bürgergeschenk zum 100. Norderstedter Gründungsjubiläums.

Nein, so lange wird’s natürlich nicht dauern. Die Planer rechnen mit einer Sanierungsdauer von 48 Monaten. Falls man währenddessen sämtliche Rathausmitarbeiter in Container umquartiert, wäre für diese Bürokisten eine Gesamtmiete von sieben Millionen Euro fällig. Leider weiß man noch gar nicht, wo dieser Haufen Blech stehen sollte.

Lösungsvorschlag: alle Rathauscontainer auf ein Frachtschiff verladen, welches vier Jahre lang auf dem Nordostseekanal hin- und her fährt. Anständige Kombüse fürs Catering, gemäßigter Publikumsverkehr, schöne Aussicht.

Aber bitte, bitte: kein Schleusentor schrotten, weil die Amts-Weihnachtsfeier aus dem Ruder läuft.

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