Norderstedt

Corona-Tests: 65 Nasenabstriche in 25 Minuten

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Die Tische in der Mensa der Grundschule Immenhorst wurden zu Abstrich-Stationen umfunktioniert.

Die Tische in der Mensa der Grundschule Immenhorst wurden zu Abstrich-Stationen umfunktioniert.

Foto: Christopher Herbst

An der Grundschule Immenhorst haben Eltern in Eigenregie eine Corona-Selbsttest-Straße aufgebaut.

Norderstedt.  So hat an der Grundschule Immenhorst in Glashütte noch nie ein Tag begonnen. „Hallo, ich bin Johanna. Gut, dass du mitmachst! Popelst du gerne?“, sagt eine Frau zu einem kleinen Jungen, der an einem Tisch in der Mensa Platz genommen hat. Vor ihm liegt bereits ein handelsüblicher Antigen-Schnelltest. Zum ersten Mal nehmen an diesem Morgen Mädchen und Jungen der ersten bis vierten Klassen an einer gemeinsamen Corona-Abstrichaktion teil. Möglichst spielerisch soll die unangenehme Prozedur absolviert werden – ein Stäbchen muss behutsam, aber eben auch möglichst tief, in die Nase gesteckt werden.

Viele Erwachsene kennen so etwas längst, seit einigen Wochen werden beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig getestet. Doch auch die Kinder haben den ernsten Hintergrund verstanden. Denn das Infektionsgeschehen macht eben nicht vor Schulen halt, sodass über das Kieler Bildungsministerium allen Einrichtungen die Möglichkeit gegeben wurde, dass sich Kinder und Jugendliche einmal pro Woche selbst testen.

Auch die Aufsichtspersonen wurden vorher getestet

Alles geschieht freiwillig. Und vorgeschrieben ist auch, dass der Abstrich von Schülerinnen und Schülern persönlich durchgeführt werden muss. „Viele haben geübt, haben gesagt, dass sie wissen, was zu tun ist. Wir erklären, was sie machen müssen, dass sie mit dem Wattebausch in jedes Nasenloch gehen und viermal drehen müssen. Wichtig ist, dass sie tief genug gehen. Aber gerade bei den Erstklässlern sind die Nasen auch noch kleiner“, sagt Katrin Linkenbach, die Vorsitzende des Schulvereins.

Als Krankenschwester bringt sie, genauso wie zwei weitere Mütter, nötige medizinische Vorkenntnisse mit, die weiteren Helferinnen werden geschult – und das gesamte Team morgens noch einmal getestet. Man wolle die Kinder ermutigen, so Linkenbach. „Aber wichtig war auch, dass es Spaß machen soll, dass es nicht darum geht, das Stäbchen bis ganz nach oben zu schieben, sondern dass man locker darangeht. Denn viele Kinder haben doch noch Berührungsängste.“

Auch Schulleiterin Elisabeth Bauer-Plambeck betont: „Uns ist wichtig, dass die Kinder ein positives Erlebnis haben. Es ist freiwillig, auch nur eine Momentaufnahme. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen, wir lernen jede Woche dazu.“ Sie wolle es nicht zu hoch hängen. Sämtliche Tests müssen von der Schulverwaltung dokumentiert werden, „wir müssen mit Namen aufschreiben, wer wann getestet wurde, sodass es jederzeit nachverfolgt werden kann.“

Bei einem positiven Test werden die Eltern informiert

Verwendet wird ein Verfahren des gleichen Herstellers, der auch in dem Schnelltestzentrum im Kulturwerk genutzt wird, also mit sehr hoher Spezifität und Sensitivität – die Quote falsch negativer oder falsch positiver Abstriche ist sehr gering. Bis zu den Osterferien stellt das Land den Schulen in Schleswig-Holstein über 600.000 Tests zur Verfügung. Bauer-Plambeck: „Das Material wurde am Montag geliefert. Die Stadt Norderstedt hat es zentral abgeholt, dann in die Schule gebracht. Es war pünktlich da.“

Sollte ein Abstrich positiv ausfallen, wird Kontakt zu den Eltern aufgenommen – diese haben eine Einwilligungserklärung unterschrieben, darin eine Notfallnummer angegeben. Das betroffene Kind muss nach Hause, das Gesundheitsamt wird informiert, ein PCR-Test muss gemacht werden. Aus Sicherheitsgründen gehen die Klassen daher erst in den Unterricht, wenn jeweils alle Ergebnisse vorliegen.

Beim ersten Mal haben 65 Kinder mitgemacht, das sind knapp 50 Prozent, die Aktion dauerte 25 Minuten – die Grundschule ist im Wechselunterricht, sodass heute die zweite Gruppe an der Reihe ist. „Der erste Versuch hat super geklappt“, sagt Katrin Linkenbach. Alle Ergebnisse sind negativ. „Ich denke, das spricht sich rum, wenn die Kinder jetzt in die Klassen gehen und sagen, dass es nicht schlimm war, werden es nächste Woche vielleicht schon mehr sein.“

Abschlussklassen befürchten Probleme bei den Prüfungen

Parallel starten auch die Selbsttests an den weiterführenden Schulen. So wie bei den Abschlussklassen der Gemeinschaftsschule Harksheide. Allerdings mit verhaltener Resonanz. Lediglich 20 von 90 Schülerinnen und Schülern, die in dieser Woche mit ihren Abschlussprüfungen begonnen haben, nutzten am Montag die freiwilligen Selbsttests. Die Gründe sind vielfältig: „Einige Schüler hatten einfach die nötige Einverständniserklärung der Eltern vergessen. Andere wollten sich nicht einen Tag vor der Prüfung verunsichern lassen und womöglich von der Prüfung ausgeschlossen werden, wenn es tatsächlich mal ein positives Ergebnis gibt“, so Schulleiter Rainer Bülck. Er geht davon aus, dass künftig mehr Schüler das Angebot nutzen werden. Bisher gab es kein positives Testergebnis.

Dass diese Form der Tests irgendwann verpflichtend sein wird, davon ist nicht auszugehen. „Das Bildungsministerium hat gesagt, dass es ein Angebot auf freiwilliger Basis ist. Die Schulen übernahmen das in Eigenregie“, sagt Odert Schwarz, Schulrat im Kreis Segeberg. Die unterschiedliche Beteiligung bewertet er so: „Es mag auch Schulen geben, wo die Tests von Lehrkräften beworben werden und es hohe Quoten gibt.“

Grundsätzlich habe das Schulamt keine gesammelten Erkenntnisse, wie viel an welcher Schule pro Tag getestet werde. Hier bekomme man nur auszugsweise Informationen aus einzelnen Gesprächen mit den Schulleitungen. Dass Jugendliche Angst vor einem positiven Corona-Test zur Prüfungszeit haben, ist Schwarz bewusst. Er stellt aber klar: „Es gibt einen offiziellen Prüfungstag, daran müssen die Schüler teilnehmen.“ Ein positiver Test, dann durch einen PCR-Nachweis verifiziert, würde jedoch automatisch dazu führen, dass jemand am Nachschreibetermin schreiben muss.

Derzeit Infektionen an 20 Schulen und 14 Kitas im Kreis

Basierend auf Angaben des Gesundheitsamts steigt die Zahl der von Infektionen betroffenen Bildungseinrichtungen an. Am vergangenen Mittwoch (17. März) waren 13 Schulen und zehn Kitas betroffen, dort waren 45 Kinder und 13 Beschäftigte infiziert. Mit Stand Montagabend nannte der Kreis 20 Schulen und 14 Kitas, dabei 50 Kinder und 20 Beschäftigte. „Nach wie vor gibt es nur ein größeres Ausbruchgeschehen in der Südstadt-Kita in Bad Segeberg“, sagte Kreissprecherin Sabrina Müller. Dort seien aktuell 21 Kinder sowie acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv. „Ansonsten handelt es sich um Einzelfälle.“

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