Kreis Segeberg

Nagelbrett gegen illegales Motocross-Fahren

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Immer wieder zu beobachten im Naturschutzgebiet Kaltenkirchener Heide: Illegale Motocross-Fahrer mit ihrenMaschinen.

Immer wieder zu beobachten im Naturschutzgebiet Kaltenkirchener Heide: Illegale Motocross-Fahrer mit ihrenMaschinen.

Foto: Privat

Im Naturschutzgebiet Kaltenkirchener Heide waren offenbar wehrhafte Umweltschützer am Werk.

Kaltenkirchen.  Die Kaltenkirchener Heide – ein wichtiges Naturschutzgebiet im Kreis Segeberg. Doch manche kümmert das offenbar wenig: Immer wieder erreichen die Polizei Mitteilungen über Motocross-Motorradfahrer, die durch die Heide brettern und dabei Pflanzen zerstören und Tiere aufschrecken. Das Befahren mit Gefährten jeglicher Art ist auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes nicht erlaubt. Und trotzdem befahren wiederholt Motocross-Fahrer mit ihren Maschinen sowohl Wälder als auch Naturschutzgebiete.

Bei Eintreffen der Polizei entziehen sich die Fahrer regelmäßig durch Flucht den Kontrollen. Häufig sind an den Motorrädern keine Kennzeichenschilder angebracht. Würden die Fahrer geschnappt, hätten sie auch empfindliche Bußgelder zu befürchten: bis zu 50.000 Euro könnten fällig werden. Zudem kann die Polizei den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt sehen, da ein Großteil des ehemaligen Standortübungsplatzes im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben steht.

Gegen die rücksichtlosen Motorradfahrer wollten sich nun offenbar Unbekannte zur Wehr setzen. Am Mittwochvormittag fand ein Zeuge im Bereich der Barmstedter Straße ein Nagelbrett Marke Eigenbau. Das Brett war im Bereich des Überganges eines Fußweges zu einem Pfad ins Unterholz ausgelegt, über den viele Motocross-Maschinen in die Heide gelangen. Es handelte sich laut Polizei um ein etwa 25 Zentimeter langes Brett, das mit mehreren nach oben weisenden Schrauben versehen war. Zudem waren weitere Schrauben durch das Brett ins Erdreich versenkt, augenscheinlich um es am Umfallen zu hindern. Der Spaziergänger gab das Nagelbrett am Donnerstag beim Polizeirevier Kaltenkirchen ab. Die Beamten haben die Ermittlungen wegen Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung gegen Unbekannt eingeleitet. Sie appelliert an die Täter, keine Form der Selbstjustiz zu betreiben. Durch derartige Gegenstände könnten sich Mensch und Tier nicht unerheblich verletzen.

Vom Truppenübungsplatz zum Landschaftsbiotop

Wald, Heide, Moor – das sind die drei typischen Geest-Landschaften, die das Fauna-Flora-Habitat Kaltenkirchener Heide auf einer Fläche von 458 Hektar vereint. Eine ökologisch kostbare Fläche, die in Zukunft noch weiter aufgewertet werden soll. Schon jetzt gehört die Heide zum Nationalen Naturerbe Deutschlands. Im Biotopverbund ist sie Bestandteil der Nützener Heide. Die Bundeswehr hinterließ ein Gelände, das viele Lebensräume für Fauna und Flora bietet. 80 Prozent der gesamten Flächen sind im vergangenen Jahrhundert durch Aufschüttungen verändert worden: Erst baute die Wehrmacht dort einen Flugplatz, dann kam die Bundeswehr. Die Waldflächen, die zu 80 Prozent aus Nadelhölzern bestehen, hat die Bundeswehr angepflanzt, die bis zum Jahr 2009 das Areal als Übungsplatz genutzt hat.

Gefährdet wird die Heide aber auch durch Gassigeher. Die Heide verträgt keine Nährstoffeinträge, ganz besonders keinen Hundekot. Noch schlimmer ist jedoch die Unsitte mancher Hundefreunde, die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners in einer Plastiktüte aufzunehmen und sie dann ins Grüne zu werfen. Auch für Spaziergänger, Jogger und Radfahrer gibt es Regeln im Naturschutzgebiet: Sie dürfen die Wege nicht verlassen, Hunde gehören grundsätzlich an die Leine, Schafe und Ziegen dürfen nicht gefüttert werden.

( abm )

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