Norderstedt

Stolperfalle Rathausmarkt – wie lange noch?

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Burkhard Fuchs
Ein Provisorium für den Rathausplatz Norderstedt für 250.000 Euro? Geldverschwendung, urteilt CDU-Fraktionschef Peter Holle.

Ein Provisorium für den Rathausplatz Norderstedt für 250.000 Euro? Geldverschwendung, urteilt CDU-Fraktionschef Peter Holle.

Foto: Burkhard Fuchs

Die Sanierung steht nicht vor 2025 an. Nun will die Stadt 250.000 Euro für ein Provisorium ausgeben – die Politik ist uneins.

Norderstedt.  Das unebene und zum Teil lückenhafte Kopfsteinpflaster auf dem Rathausmarkt in Norderstedt ist seit Jahrzehnten ein Ärgernis und eine Stolpergefahr – gerade für ältere und gehbehinderte Menschen. Die Pläne für die komplette Entfernung des Pflasters und die Umgestaltung des Rathausmarktes liegen in den Schubladen der Verwaltung.

In zwei oder drei Jahren sollen sie umgesetzt werden. Überraschend schlägt die Verwaltung nun eine Teilsanierung als „Zwischenlösung“ vor, die noch in diesem Jahr realisiert werden könnte. Dafür soll auf einer Fläche von 2300 Quadratmetern das Kopfsteinpflaster durch ein graues rechteckiges Pflaster ersetzt werden – für eine Viertelmillion Euro.

In den politischen Fraktionen der Stadtvertretung wird zurzeit heftig darüber diskutiert, ob sich dieses 250.000 Euro teure Provisorium lohnt. „Jetzt haben wir 50 Jahre mit dem Marktplatz in dieser Form gelebt. Da sehe ich keinen Sinn darin, für zwei Jahre diese Hauruck-Aktion zu realisieren“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Holle. Für ihn ist die Zwischenlösung rausgeschmissenes Geld.

SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl sieht das ganz anders und befürwortet die Pflasterung. „Wir gucken uns das schon so lange an. Da macht es Sinn, jetzt noch einmal in den sauren Apfel zu beißen“, sagt er. Zumal die große Lösung vermutlich doch wieder länger als noch drei Jahre auf sich warten lassen werde und das eingesetzte Pflaster dann zum Beispiel für den Bau von Radwegen wiederverwendet werden könnte.

Stolperfalle Rathausmarkt: "Zwischenlösung ist sinnvoll"

Als Gegenfinanzierung sollen die Spielplätze am Astrid-Lindgren-Park und im Rathauspark erst 2022 erneuert werden. Für das Bauamt ist die Sache klar. „Die Zwischenlösung wurde von der Verwaltung vorgeschlagen, weil diese sinnvoll ist“, teilt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek mit. Primär gelte es, die mögliche Unfallgefahr für Fußgänger und Radfahrer zu beseitigen. „Dieses ist eine Pflicht der öffentlichen Hand“. Das Kopfsteinpflaster befinde sich teils in sehr schlechtem Zustand. Es bestünde Unfallgefahr für Kinder, Senioren, sehbehinderte- und mobilitätsbeeinträchtige Menschen, sagt Struppek.

Die Pflasterung mache die gefahrlose Nutzung des Marktplatzes für Benutzer von Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen wieder möglich. Aus heutiger Sicht würde der Baubeginn für die Umsetzung der großen Lösung frühestens Anfang 2025 realistisch erscheinen, sagt der Stadtsprecher. Wegen der ungewissen Entwicklung der Corona-Pandemie könne zurzeit nicht verbindlich eingeschätzt werden, ob und inwieweit dieser Terminplan eingehalten werden kann.

Ausgetauscht werden soll das Kopfsteinpflaster weitgehend in der Mitte des Platzes. Das neu einzusetzende Rechteckpflaster soll keine Muster und Farbeffekte aufweisen, so das Bauamt. Eine komplette Umgestaltung des Rathausplatzes würde je nach Aufwand, Umfang und Material nach bisherigen Entwürfen bis zu 2,8 Millionen Euro netto kosten, so die Verwaltung.

Auch Tiefgarage ist Sanierungsfall

Geplant sei dabei „die vollständige Neugestaltung des Rathausmarktplatzes“, einschließlich einer Neuverlegung und Farbgestaltung aller Oberflächen entlang des Rathauses, also von den Arkaden an der „Hopfenliebe“ über den Rathauseingang bis zum Standesamt. Es ist eine neue Beleuchtung des Platzes geplant und die Treppenniedergänge sollen umgestaltet werden. Die Freiflächen sollen Platz und Aufenthaltsraum für Gastronomie und die Ladenzeile mit Buchhandlung und Verbraucherzentrale bieten. Und auch die Bänke, Poller, Verteilerschränke, Fahrradabstellplätze, Sitzgelegenheiten, Brunnen, Fahnen und Beete würden ausgetauscht.

Grünen-Fraktionschef Marc Muckelberg begrüßt die Zwischenlösung, weil sie Eltern mit Kinderwagen und Menschen in Rollstühlen endlich helfen würde. „Der jetzige Zustand ist nicht okay.“ FDP-Fraktionschef Tobias Mährlein warnt: „Manchmal dauert ein Provisorium ja länger als gedacht.“ Für nur zwei Jahre wären diese 250.000 Euro „zu heftig“. Wenn sie fünf Jahre halten sollte, „sind wir sofort dabei“.

Linken-Fraktionschef Miro Berbig sagt: „Das muss natürlich gemacht werden.“ Aber damit allein sei es nicht getan. Vielmehr müsste jetzt endlich auch der fehlende Platzbedarf im Rathaus für die vielen Mitarbeiter gelöst werden, die sich schon vor Corona-Zeiten in den Büros zum Teil „gestapelt“ hätten. Diese Räume könnten in einem Anbau oder auch irgendwo anders im Stadtgebiet geschaffen werden, so Berbig. „Dafür brauchen wir ein Konzept. Aber das ist weit weg.“

Ein Sanierungsfall ist auch die Tiefgarage unter dem Rathausmarkt. Bei der Präsentation der Zwischenlösung für die Pflasterung gab die Verwaltung bekannt, dass ein Wasserschaden in der Decke des Garage festgestellt wurde. 150 Meter Bewegungsfuge und Abdichtung müssten getauscht, 1100 Quadratmeter Beton gesichtet und saniert werden. Kostenpunkt: Zwischen 650.00o bis 900.00 Euro – je nach Ausmaß des Schadens. Geplant wird die Sanierung in diesem Jahr, 2022 soll sie starten

Was halten Sie von der Zwischenlösung auf dem Rathausmarkt? Pflastern oder nicht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an norderstedt@abendblatt.de.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr berät am Donnerstag, 18. März, und der Hauptausschuss der Stadtvertretung am Montag, 22. März, darüber.

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