Landgericht

Haftstrafe – nach 22 Jahren ohne Führerschein am Steuer

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Thomas Geyer
Der 39-Jährige musste sich vor dem Landgericht in Kiel verantworten.

Der 39-Jährige musste sich vor dem Landgericht in Kiel verantworten.

Foto: Thomas Geyer

Der 39-Jährige aus Norderstedt ist ein unverbesserlicher Wiederholungstäter – schon als Minderjähriger wurde er erwischt.

Norderstedt.  22 Jahre Fahren ohne Fahrerlaubnis: Für die Beharrlichkeit, mit der sich ein 39-jähriger Norderstedter ohne Führerschein trotz zahlreicher Vorstrafen immer wieder „schwarz“ ans Steuer setzte, muss er jetzt für vier Monate hinter Gitter.

Zwar ließ das Kieler Landgericht gestern im Berufungsprozess um die jüngste polizeibekannte Autobahnfahrt des Wiederholungstäters auf der A 7 „zum letzten Mal“ Milde walten: Der in erster Instanz vom Amtsgericht Norderstedt zu fünf Monaten „Haft pur“ verurteilte Mann kam am Ende doch noch mit der erhofften Bewährung davon. Doch der Vorsitzende Gunther Döhring betonte in der Urteilsbegründung, man habe ihn nur deshalb mit Bewährung ziehen lassen, weil bereits im Januar eine frühere Strafaussetzung in einem ähnlichen Verfahren widerrufen wurde. Somit muss der Angeklagte demnächst eine viermonatige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Lübeck antreten.

Mit 17 Jahren wurde der seit 1993 in Deutschland lebende Armenier erstmals von der Polizei am Steuer eines Autos erwischt. Weil die Behörden ihm danach eine Sperrfrist auferlegten, machte der Angeklagte in Tschechien den Führerschein. Doch der tschechische „Lappen“ wurde hierzulande nicht anerkannt. Trotzdem setzte sich der Gelegenheitsarbeiter ohne Schulabschluss immer wieder ans Steuer. Das gestrige Urteil kommt als 10. Fall ins Register. Weitere zehn Voreintragungen seit 1997 stehen für Diebstahl und Erschleichen von Leistungen, aber auch für gefährliche Körperverletzung und schwere Raubtaten. Knapp vier Jahre Haft brummte ihm das Kieler Landgericht im Jahr 2003 auf. Danach folgten nur noch Verkehrsdelikte.

Beim Überführen eines Auto flog er zuletzt auf

Das gestrige Urteil ahndet die Überführungsfahrt eines Gebrauchtwagens, den der Hartz IV-Empfänger am 12. Juni 2020 von Flensburg nach Norderstedt bringen wollte. Der Auftrag platzte beim Tankstopp des Angeklagten auf einer Raststätte bei Neumünster. Dort bemerkte eine Polizeistreife, dass das Kennzeichen des überführten Autos zu einem anderen Fahrzeug gehörte. Für die Justiz ein Fall von Urkundenfälschung.

Den Widerruf der Bewährung in anderer Sache kassierte der Angeklagte übrigens nicht wegen eines Rückfalls am Steuer. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er die 50 Stunden gemeinnützige Arbeit, die ihm das Amtsgericht als Bewährungsauflage auferlegt hatte, auch acht Monate nach dem Urteil noch nicht absolviert hatte. Diese Arbeitsstunden muss der Norderstedter nach der Haftentlassung nachliefern. Sonst droht auch für die gestern gewährte Bewährungschance ein Widerruf.

„Tut mir leid und ich danke euch allen“, verabschiedete sich der Vater von drei Kindern dennoch sichtlich erleichtert von den Prozessbeteiligten. Sein Führerschein ist allerdings in weite Ferne gerückt: Das Landgericht verhängte eine weitere Sperrfrist von 18 Monaten. Und dann muss der Angeklagte auch noch mit dem Widerruf einer Strafaussetzung in einem Hamburger Verfahren rechnen. Während seiner illegalen Autobahnfahrt stand er nämlich doppelt unter Bewährung. Deshalb sind aus dem Jahr 2018 noch weitere sechs Monate „Nachsitzen“ fällig.

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