Corona-Pandemie

Ab jetzt wird auch in Norderstedt geimpft

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Annabell Behrmann und Christopher Herbst
Die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann (links), Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Landrat Jan Peter Schröder verfolgten den Impf-Start in der Stadt.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann (links), Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Landrat Jan Peter Schröder verfolgten den Impf-Start in der Stadt.

Foto: Christopher Herbst

Am Montag bekamen 96 Menschen in der „TriBühne“ den AstraZeneca-Wirkstoff. Mitte März soll mit der zweiten Prioritätengruppe begonnen werden.

Norderstedt. Seit Wochen weisen Straßenschilder im gesamten Stadtgebiet auf das Impfzentrum in Norderstedt-Mitte hin. Der Standort, der bereits seit mehr als zwei Monaten fertig eingerichtet und betriebsbereit ist, blieb jedoch verwaist, weil der Impfstoff fehlte. Bis jetzt. Erstmals bildete sich am Montagmorgen, um kurz vor 9 Uhr, eine längere Schlange aus Impflingen vor dem Eingang zur „TriBühne“. Sie warteten geduldig, bis ein Bundeswehrsoldat ihre Temperatur gemessen und ihre Impfberechtigung kontrolliert hatte. Dann wurden sie eingelassen. Zum Start war das Norderstedter Impfzentrum komplett ausgebucht.

„Das ist ein ganz besonderer Augenblick für Norderstedt und den Kreis Segeberg“, sagte Katja Rathje-Hoffmann zur Eröffnung. Die Landtagsabgeordnete der CDU war maßgeblich daran beteiligt, dass Norderstedt überhaupt ein Impfzentrum bekommen hat. Zunächst wollte Schleswig-Holstein nur zwei Standorte im Kreis Segeberg errichten – in Kaltenkirchen und Wahlstedt, nicht aber in Norderstedt, der mit 80.000 Einwohnern größten Stadt im Kreis. „Mir ist es gelungen, Gesundheitsminister Heiner Garg und Staatssekretär Matthias Badenhop in einer Telefonkonferenz davon zu überzeugen, dass Norderstedt nicht unversorgt bleiben darf. Nun stehen wir hier. Ein bisschen Stolz kommt schon hoch“, sagte Rathje-Hoffmann, zu deren Wahlkreis auch Norderstedt gehört.

„Wir haben alle drei gerungen, gekämpft und gestritten“, betonte Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und warf dabei Rathje-Hoffmann und Landrat Jan Peter Schröder, der ebenfalls zum Impfstart gekommen war, vielsagende Blicke zu. Norderstedt war zunächst empört gewesen, dass die Stadt nicht von Anfang an vom Kreis als Standort eingeplant worden war. Nun, nach einem harten Kampf und der Einigung auf ein länderübergreifendes Impfzentrum für Schleswig-Holstein und den Norden Hamburgs, hätten sich alle Parteien wieder vertragen. „Ich möchte alle Beteiligten loben. Es ist nicht unser tägliches Geschäft, solche Hallen aus dem Boden zu stampfen“, so der Landrat.

Geimpft wird in Norderstedt derzeit täglich von 9 bis 12 Uhr und ausschließlich mit dem AstraZeneca-Stoff. Da dieses Vakzin nur für Menschen bis zu einem Alter von 65 Jahren zugelassen ist und in Schleswig-Holstein bisher nur die Gruppe eins mit höchster Priorität mit dem Impfen an der Reihe ist, wurde am Montag hauptsächlich Personal aus medizinischen Einrichtungen immunisiert. Zwei von drei möglichen Impflinien sind in Norderstedt derzeit geöffnet. Pro Linie und Stunde werden 16 Termine vergeben. Am ersten Tag bekamen 96 Menschen ihre erste Impfdosis gespritzt.

Psychologe Philip Brysch ist froh über das Impfangebot

Einer von ihnen war Philip Brysch. Der 29-Jährige arbeitet als Psychologe in einer Norderstedter Tagesklinik. „Es war kurz und schmerzlos“, sagte er. Bedenken wegen des Wirkstoffes AstraZeneca, dem einige wegen einer vermeintlich geringen Wirksamkeit – Studien belegen mittlerweile das Gegenteil – skeptisch gegenüberstehen, hatte er nicht. „Ich bin froh, dass ich dieses Impfangebot bekommen habe. Ich habe mich über den Wirkstoff informiert, und für mich war die logische Schlussfolgerung, mich impfen zu lassen.“

Ab dem 15. März, in der Zeit von 13 bis 18 Uhr, wird in Norderstedt auch der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft. Heißt: Für diesen Zeitraum können auch Menschen über 80 Termine vereinbaren. „Die Impftermine sind gut gebucht“, sagte Tabea Ketzner, Koordinatorin der Impfzentren im Kreis. Vormittags bekommen weiterhin jüngere berechtigte Menschen AstraZeneca. Voraussichtlich Mitte März, so Katja Rathje-Hoffmann, soll mit dem Impfen der Prioritätengruppe zwei begonnen werden. Zu dieser zählen unter anderem Über-70-Jährige, Menschen mit Behinderung wie Trisomie 21, Personen mit schweren chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Polizei- und Ordnungskräfte. Lehrer und Erzieherinnen wurden wegen des erhöhten Infektionsrisikos ebenfalls in diese Gruppe vorgezogen.

Noch immer haben aber nicht alle Bürgerinnen und Bürger, die über 80 Jahre alt sind, per Post ein Schreiben vom Land mit einer Telefonnummer und einem persönlichen PIN-Code erhalten. Auf diese Weise sollen sie sich ohne Zeitdruck für einen Impftermin registrieren können. „Auch diese Telefonhotline war gut gefordert bei rund 10.000 Schreiben, die pro Tag verschickt wurden“, erklärte Tabea Ketzner. Die letzten Schreiben an die Ü-80-Gruppe sollen in diesen Tagen rausgehen. Bei den Personen über 70 soll dieses Verfahren – Stand jetzt – nicht angewendet werden. Sie müssen sich Termine über das Internet-Portal www.impfen-sh.de oder per Telefon unter 0800/455 655 0 sowie 116 117 buchen. Vor Ort im Impfzentrum können keine Impftermine vereinbart werden – einige Menschen waren am Montag extra zur „TriBühne“ gekommen. Vergeblich. Sie wurden wieder weggeschickt.

Auch Hamburger können sich in Norderstedt impfen lassen. Das hat Oberbürgermeisterin Roeder noch einmal bestätigt: „Es sollen möglichst viele Menschen schnell geimpft werden. Es darf nicht darauf ankommen, ob die Menschen im Grenzgebiet leben.“ Sollte am Ende des Tages Wirkstoff übrigbleiben, telefoniert das Impfzentrum eine Liste von Menschen ab, die ebenfalls der priorisierten Gruppe angehören. Sie müssen sich dann innerhalb einer halben Stunde in der „TriBühne“ einfinden.

In Wahlstedt hat das Impfzentrum ebenfalls seinen Betrieb mit drei von vier Impflinien aufgenommen. 147 Menschen haben den AstraZeneca-Stoff bekommen.

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