Corona-Pandemie

So läuft die Schnelltest-Offensive in Norderstedt

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Christopher Herbst
Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Mitarbeiter vom Amt für Katastrophenschutz – die Stadt unterstützt Apotheker mittlerweile logistisch.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Mitarbeiter vom Amt für Katastrophenschutz – die Stadt unterstützt Apotheker mittlerweile logistisch.

Foto: Stadt Norderstedt

Apotheken sind am Limit. Stadt Norderstedt stellt Fahrzeug als mobilen Testwagen zur Verfügung. Auch 17 Hausärzte testen Kita- und Schulpersonal.

Norderstedt.  Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ist in dieser Woche in der ganzen Region das umfassende Corona-Schnelltestprogramm für Kitas, Schulen und Tagespflegepersonen gestartet. Und nachdem es zu Wochenbeginn noch ein wenig an der Kommunikation zwischen Apotheken und Verwaltung haperte, scheint sich nun langsam ein Netzwerk zu etablieren. Jüngstes Beispiel: Vor der Kita Tannenhof in Garstedt fuhr am Donnerstagmorgen das Amt für Katastrophenschutz mit einem Fahrzeug der Stadtfeuerwehr vor, um Lotte Schuhr, Inhaberin der Spitzweg-Apotheke, logistisch zu unterstützen.

Ein rollendes Testmobil also, sodass Schuhr rund 30 Abstriche nehmen konnte. Laut Kita-Leiterin Uta Thien sei das Angebot von den meisten Beschäftigten angenommen worden. „Der Wagen ist ideal“, sagte Schuhr, auch Mitarbeiter anderer Kitas seien hinzugekommen. Längst betreut sie nicht nur Einrichtungen aus der näheren Umgebung ihrer Apotheke in Glashütte. Am Dienstag nahm sie 92 Tests vor, am Donnerstag 50. Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder machte sich in der Tannenhofstraße ein Bild von der Aktion, sie sprach mit Lotte Schuhr darüber, eine Art „Untervertrag“ abzuschließen, um die Zusammenarbeit auf eine feste Basis zu stellen. Die Belastung für die Apotheken – bisher bieten nur drei in Norderstedt die Schnelltests an – ist hoch. „Wir haben ja in der Apotheke auch nicht weniger zu tun als sonst, wir versorgen die Heime, haben die Masken, und Menschen brauchen Mittel gegen Bluthochdruck“, so Schuhr.

Testzentrum? Machbarkeit gilt weiterhin als schwierig

Christoph Steinhart, Inhaber der Vitalhus-Apotheke, hat zwei Kitas übernommen, „und auch das Gymnasium Harksheide werden wir testen“. Pro Kita oder Schule sei das aber nur einmal wöchentlich möglich. „Bei der Kita Buntes Haus, die gut vorbereitet war, lief alles perfekt, da haben wir 30 bis 40 Leute in drei Stunden geschafft.“ Die Nachfrage sei sehr hoch. Steinhart sagt, er habe geschluckt, als er sah, dass 18 von 21 Norderstedter Apotheken nicht auf der Liste seien. „Ich sehe das als Dienst an der Gesellschaft. Und ich verzichte auf meinen Urlaub“, er könne aber nachvollziehen, dass sich andere Kolleginnen und Kollegen dagegen entscheiden. „Allein als Apotheken können wir das nicht bewerkstelligen. Ich fände ein Testzentrum sehr sinnvoll.“ Ob eine solche stationäre Einrichtung tatsächlich kommt, ist unklar. Bekannt ist, dass die Machbarkeit im Rathaus geprüft wird. Ein Problem: Anders als in anderen Regionen ist das Deutsche Rote Kreuz im Kreis Segeberg nach eigenen Angaben personell nicht in der Lage, ein Testzentrum zu betreiben.

Christoph Steinhart hat noch eine weitere Idee: „Wenn jede Schule zwei, drei geschulte Leute hätte, könnten sie auch selbst testen. Aber sie können es nicht abrechnen.“ Das dürfen bisher nur Apotheken, das Deutsche Rote Kreuz und Ärzte. Stephanie Suhrbier, Inhaberin der Erlen-Apotheke, berichtet, dass nach jedem Einsatz die Abrechnungsbögen abgestempelt würden und dann an die Apothekerkammer gingen. Dort wird die Abrechnung geregelt, dazu die Zahl der Tests statistisch erfasst. „Es ist ganz gut angelaufen“, sagt Suhrbier, „mein Team von drei Leuten ist unterwegs, wir sind aber am Limit.“ Sie spricht von einer „logistischen Meisterleistung“, ihre Apotheke betreut drei Grundschulen, das Lise-Meitner-Gymnasium, dazu fünf Kitas und zwei Tagesmütter. „In Friedrichsgabe haben wir um 7.30 Uhr angefangen, diejenigen Lehrer mit Unterricht in der ersten Stunde hatten Vorrang.“

Parallel weist die Liste auf arztsuche.kvsh.de mittlerweile 17 Praxen aus, die Tests vornehmen. Darunter ist auch die von Hausarzt Guido Reisewitz. „Man muss das gut planen. Auf Zuruf funktioniert es nicht, und man muss das Material zum entsprechenden Zeitpunkt vor Ort haben“, sagt er. So habe er mit dem Rektor einer Grundschule gesprochen, „es geht um die Lehrer, um die Nachmittagsbetreuung. Das muss ich in unsere Abläufe integrieren. Es geht nicht während meiner ärztlichen Sprechstunde und nicht während des Unterrichts.“ Also fährt er zu der Schule. „Ein positiver Test wird vor Ort mit einem PCR-Test verifiziert. Das ist vom Abstrich her das Gleiche.“

Auch das Schnelltestzentrum der Firma „First & Safe“ in Henstedt-Ulzburg – hier gibt es eine Kooperation mit den Pharmazeutix-Apotheken – hat mittlerweile Kunden aus der gesamten Umgebung. „Wir machen etliche Kitas, die Grundschule in Tangstedt, die Olzeborchschule, ein Großteil der fast 100 Lehrerinnen und Lehrer des Alstergymnasiums kommt zu uns. Der Bedarf ist groß. Gerade für Norderstedt ist es ein großer Aufwand. Die Apotheken kommen nicht hinterher. Wir haben mehrere mobile Teams im Einsatz. Aber wir haben noch Kapazitäten“, sagt Geschäftsführer Christian Leder. Als ein Team in dieser Woche bei der Kita Wichtelhöhle in Norderstedt-Mitte war, entstand kurzzeitig ein Testzentrum im Kleinformat, weil auch Erzieherinnen und Erzieher aus drei weiteren, nahe gelegenen Einrichtungen vorbeikamen.

Corona-Infektion bei einem Schnelltest entdeckt

In einer Viertelstunde würde man zehn bis 15 Tests schaffen, sagt Leder. Dass die Abstriche unangenehm sind, verhehlt er nicht. „Es sind viele Menschen dabei, die noch nie einen solchen Test gemacht haben, da muss man sensibel sein.“

Laut Gesundheitsamt hatte es bis Freitagvormittag einen per PCR-Test nachgewiesenen Corona-Fall gegeben, der bei den Schnelltests entdeckt wurde. Bis 2. April sind diese in Schleswig-Holstein zunächst geplant, doch von einer Fortsetzung wird ausgegangen, zumal weiterführende Schulen ausgenommen der Abschlussklassen noch gar nicht in Präsenz unterrichten. „Ich hoffe auf einen Sommereffekt“, sagt Christoph Steinhart, also rückläufige Infektionszahlen ab dem Frühling. Inwieweit die nun für den privaten Gebrauch zugelassenen drei Tests Einflüsse auf die Abläufe haben werden, könne er noch nicht abschätzen. „Die Laientests werden aber nicht gratis sein“, betont er.

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