Kreis Segeberg

Tierhotel hofft, dass Tierbesitzer bald wieder reisen können

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Zoe Gaimann
Nicht zu übersehen: das drei Tonnen schwere und acht Meter breite rote Sofa an der Autobahn 7  bei Großenaspe.

Nicht zu übersehen: das drei Tonnen schwere und acht Meter breite rote Sofa an der Autobahn 7 bei Großenaspe.

Foto: Jens van Yperen

In der Pension für Hunde und Katzen an der Autobahn 7 ist es seit Beginn der Corona-Pandemie sehr ruhig geworden.

Grossenaspe.  Direkt an der A7 machen ein großes Schild und ein überdimensionales rotes Sofa auf das Tierhotel aufmerksam. Wer schon mal hier war, kennt das rote Sofa, auf dem Hund und Katze sitzen. Seit 20 Jahren ist das drei Tonnen schwere und acht Meter breite Kunstwerk das Markenzeichen des Tierhotels. Ein Künstler hat es eigens für Jens van Yperen angefertigt.

Während die Besitzer im Strand- oder Skiurlaub sind, kümmern sich Jens van Yperen und sein Team um die Tiere. „Vor allem zu Ferienzeiten ist hier normalerweise viel los“, sagt er. Doch zu Pandemie-Zeiten verreist kaum jemand. Das Gras auf den Auslaufflächen ist unberührt, die Fressnäpfe leer, und die Gehege sehen verlassen aus.

Tierhotel: Zurzeit kein Hundebellen wegen Corona

Das erste Mal seit mehr als vierzig Jahren ist es auf dem Gelände des Tierhotels im Ortsteil Brokenlande so still. Sonst ist hier vor allem Hundebellen zu hören. Für 90 bis 100 Hunde reicht der Platz. Aber auch Katzen, Papageien, Frettchen, Ratten und sogar Ziegen und Reptilien können hier unterkommen.

Jens van Yperen hat den Betrieb von seinem Vater übernommen, der ihn 1976 in Niedersachsen gegründet hatte. Auf der Suche nach einem abgelegenen Ort war van Yperen senior 1978 auf das Haus in Brokenlande gestoßen. Hier stört sich niemand an bellenden Hunden und maunzenden Katzen. Auf 8000 Quadratmetern ist Platz für Hundehäuser, Auslaufflächen und Gehege für alle Tiere.

Das Geschäft lief eigentlich gut, van Yperen kann sich über zufriedene Tierliebhaber freuen. „Unser Hund kommt von dort bestens gelaunt und gepflegt zurück. Auch für ihn fühlt es sich dort wie ein Urlaub an“, lautet eine der Bewertungen im Internet. Doch momentan reist kaum jemand. Auch zu Ferienzeiten, wenn der Ansturm sonst groß ist, bleiben die Tiere fern.

„Normalerweise haben wir zu Silvester und Weihnachten 50 bis 60 Hunde hier. Diesmal waren es nur 15“, erinnert sich van Yperen. In der Silvesternacht waren immer besonders viele Hunde in der Pension. Hier sind die lärmempfindlichen Vierbeiner nämlich vor dem Feuerwerkslärm geschützt. Aber dieses Jahr fiel auch das weg, Böllern war ja verboten.

Menschen können Virus auch auf Tiere übertragen

Trotzdem hat das Tierhotel weiter geöffnet. Wer an Corona erkrankt ist, kann sein Tier kontaktlos an die Pfleger übergeben oder abholen lassen. „Wir haben einen Pfahl direkt vor dem Büro. Da können die Besitzer ihre Hunde nach Vereinbarung anbinden – wir übernehmen sie dann“, sagt van Yperen.

Tierbesitzer, die sich in Isolation befinden, sollten wenn möglich eine Person außerhalb des eigenen Haushalts um Hilfe bei der Pflege des Tieres bitten, empfiehlt das Friedrich-Löffler-Institut. Man gehe momentan davon aus, dass Menschen das Virus auf ihre Tiere übertragen können.

Es konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden, dass Hunde, die sich mit dem Coronavirus ansteckten, mit Symptomen erkrankten. Anders verhalte es sich dagegen mit Katzen, die im Zusammenhang mit einem positiven Corona-Test durchaus Symptome wie trockenen Husten zeigten. Derzeit gäbe es aber keine Hinweise darauf, dass die Tiere das Virus auf den Menschen übertragen.

„Ich vertraue auf diese Einschätzungen“, sagt van Yperen. Momentan sind nur er und seine Frau Mona im Tierhotel. Sie kümmern sich um die fünf bis sechs Hunde, die gerade dort sind. Die zehn Mitarbeiter musste er fast alle in Kurzarbeit schicken. Zwei machen gerade eine Ausbildung zum Tierpfleger. Sie werden vorerst die letzten Azubis bleiben, sagt van Yperen.

Der Betreiber schaut in eine unsichere Zukunft. „Mit dem Kurzarbeitergeld kommen wir vielleicht noch bis Mai oder Juni hin. Danach wird es schwierig“, sagt er. Er hofft, dass die Menschen bald wieder in den Urlaub fahren.

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