Rettungsdienst

Bessere Versorgung: Norderstedt hat eine neue Rettungswache

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Wolfgang Klietz
Die neue Rettungswache am Schützenwall liegt verkehrstechnisch erheblich günstiger als die alte Wache an der Ohechaussee.

Die neue Rettungswache am Schützenwall liegt verkehrstechnisch erheblich günstiger als die alte Wache an der Ohechaussee.

Foto: Wolfgang Klietz

Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge starten nun vom modernen Gebäude am Schützenwall aus. Ein Besuch vor Ort.

Norderstedt.  Die Leuchtbuchstaben mit dem Schriftzug „Rettungswache Norderstedt“ fehlen noch. Ansonsten ist der Neubau der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) komplett eingerichtet und ausgerüstet.

Von dem Gebäude am Schützenwall starten seit Beginn des Jahres die Besatzungen der Rettungswagen und des Notarzteinsatzfahrzeugs, um den Norderstedtern bei Erkrankungen und Unfällen zu helfen. Ihre alte Wache an der Ohechaussee haben die RKiSHler verlassen – sie freuen sich über den modernen Ersatz im Stadtteil Harksheide.

Neuer Standort liegt verkehrstechnisch erheblich günstiger

Der Umzug habe zu einer besseren Versorgung der Norderstedter geführt, sagt der Leiter der Wache, Dennis David. Der neue Standort liege verkehrstechnisch erheblich günstiger als der alte. Daher verkürzt sich die Fahrtzeit zum Patienten und damit auch die Frist zwischen dem Notruf und der Ankunft der Retter. „Das hat sich bereits nach kurzer Zeit deutlich bemerkbar gemacht“, sagt David. Über den nahen Langenharmer Weg, die Schleswig-Holstein-Straße und die Poppenbütteler Straße seien alle Einsatzorte in der Stadt schnell erreichbar.

Dennoch stehen bis auf Weiteres tagsüber zwei Rettungswagen einsatzbereit an der alten Wache in Garstedt. Die RKiSH bemüht sich, wegen der Corona-Pandemie den Rettungsdienst auf möglichst viele Standorte zu verteilen, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. Vor wenigen Wochen waren mehrere Norderstedter Mitarbeiter des Rettungsdienstes an Corona erkrankt.

74 Mitarbeiter der RKiSH arbeiten hier im Schichtdienst

Die neue Wache ist derzeit die größte ihrer Art im Kreis Segeberg. Auf 1000 Quadratmetern Nutzfläche steht Platz für acht Fahrzeuge zur Verfügung. 74 Retter der RKiSH arbeiten hier im Schichtdienst. Eigentlich wollten sie mit den Norderstedtern die Einweihung des Neubaus feiern, doch die Corona-Pandemie machte bislang alle Pläne zunichte. „Aber das holen wir nach“, verspricht David. Pro Jahr werden die Rettungswagen und das Notarzteinsatzfahrzeug der RKiSH in Norderstedt rund 13.000-mal gerufen. Rund 75 Prozent aller Fahrten sind Notfalleinsätze.

Auch in Norderstedt ist die RKiSH ihrem Konzept treu geblieben, einen Investor für den Bau zu suchen und die Wache zu mieten. Errichtet wurde das Gebäude auf dem Gelände der Druckerei Persiehl, die auch als Bauherr auftrat. Über die Höhe der Investitionen schweigt sich das Unternehmen aus, doch sie liegen mit Sicherheit im siebenstelligen Bereich.

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Bei der Planung konnten auch Wünsche der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen berücksichtigt werden, berichtet David. So legte das Retterteam Wert auf den Einbau eines Tresens zum Essen und Trinken statt einen Esstisch anzuschaffen.

Außerdem freuen sich Davids Kollegen, endlich genügend Platz zu haben und in einem ebenerdigen Gebäude zu arbeiten. „Hier gibt es keine Treppen, das reduziert die Unfallgefahr und dient dem Arbeitsschutz“, sagt der Wachenleiter, der an der Ohechaussee mit seinen Kollegen bei einem Alarm Wendeltreppen hinabsteigen musste.

Für die Autos steht ein eigener Waschplatz zur Verfügung

Auch die Sanitäranlagen sind auf dem neuesten Stand. Sind die Notfallsanitäter mit infizierten Patienten in Kontakt gekommen, können sie direkt nach dem Verlassen des Fahrzeugs in einem Nebenraum der Fahrzeughalle die kontaminierte Kleidung ablegen und duschen. Auch für die Autos steht ein eigener Waschplatz zur Verfügung. „Die Kollegen sind hier wirklich total zufrieden“, sagt Dennis David. „Es ist toll, hier zu sein.“

Er freut sich auch über die Nähe zum Feuerwehrtechnischen Zentrum, das um die Ecke liegt. „Das ist gut fürs Netzwerk“, sagt David. Die Kontaktpflege zwischen den Blaulichtorganisationen sei ebenso wichtig wie die gemeinsamen Gespräche nach größeren Einsätzen. Noch muss jede Organisation jedoch unter sich bleiben. Wegen der Pandemie sind Kontakte untersagt. Auch die neue Wache dürfen aus Infektionsschutzgründen nur die Retter betreten.

Neubau einer Rettungswache in Kaltenkirchen geplant

Nächstes großes Projekt der RKiSH im Kreis Segeberg wird der Neubau einer Rettungswache an der Kieler Straße in Kaltenkirchen sein. Das Gebäude, das den maroden Altbau auf dem einstigen Krankenhausgelände an der Alvesloher Straße ersetzen wird, fällt noch ein wenig größer als die Norderstedter Wache aus. Die RKiSH wartet auf die Baugenehmigung. Liegt sie vor, soll sofort mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bauzeit wird etwa ein Jahr betragen. Mittelfristig plant die Rettungsorganisation außerdem die Errichtung einer Akademie am Standort der neuen Wache.

Weitere Neubauten sind in Rickling und in Stuvenborn geplant. Dort will die RKiSH eine Lücke im Versorgungsnetz schließen und die weiten Anfahrten von Rettungswagen aus Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Bad Segeberg in diese Region beenden.

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