Prozess

Sechs Jahre Haft für Hammer-Attacke gefordert

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: Peter Steffen / dpa

Staatsanwältin wirft Pfleger Mordversuch vor und beantragt Unterbringung in Psychiatrie. Urteil wird am Freitag erwartet.

Kiel/Wahlstedt.  Im Prozess um die Hammer-Attacke eines Altenpflegers (24) auf eine jüngere Kollegin im „Haus Wahlstedt“ hat Staatsanwältin Gesine Ohst sechs Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes für den psychisch auffälligen Angeklagten gefordert. Gleichzeitig beantragte sie seine Unterbringung in der forensischen Psychiatrie. Das Urteil des Kieler Landgerichts wird am Freitag erwartet.

Dass der laut Gutachten eines Sachverständigen unberechenbare Täter auch künftig eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, sieht auch Strafverteidiger Ralf Stelling so. Er befürwortet die Unterbringung seines Mandanten in der geschlossenen Einrichtung in Neustadt, hält ihm jedoch einen freiwilligen Rücktritt vom Tötungsversuch zugute. Weil der Angeklagte rechtzeitig von der schwer am Kopf verletzten 21-Jährigen abgelassen habe, sei er nur wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen, folgerte Stelling. Ein konkretes Strafmaß schlug er nicht vor. Die Schwurgerichtskammer folgte seinem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit während des psychiatrischen Gutachtens und der Plädoyers. Zur Urteilsverkündung ist die Öffentlichkeit zugelassen.

Der Angeklagte schwieg während der dreitägigen Beweisaufnahme. Der bis dahin unauffällige Mann hatte sich kurz nach dem Vorfall der Polizei gestellt und zur Tat bekannt. Wie berichtet, schlug er während der Dienstzeit plötzlich mit einem 440 Gramm schweren Hammer wuchtig auf den Hinterkopf seiner Kollegin ein. Zuvor soll er sie im Internet hundertfach gegoogelt und in sozialen Medien ausgespäht haben.

Der Altenpfleger hatte seit Herbst 2015 in der Einrichtung gearbeitet. Zum Tatmotiv äußerte er sich nicht. Ein Gutachter bescheinigte ihm eine gestörte Persönlichkeit mit autistischen und schizoiden Zügen. Der Angeklagte selbst will sich zur Tatzeit „wie in Rage gefühlt und in den Augen des Opfers wiedererkannt“ haben, offenbarte er kurz nach dem Vorfall einem Polizeibeamten.

Staatsanwältin und Verteidiger sind sich einig, dass der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit handelte. Jetzt muss die Schwurgerichtskammer entscheiden, ob er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Kurz nach dem Vorfall wurde er vorläufig in einer geschlossenen Abteilung der Ameos-Klinik in Neustadt untergebracht.

( gey )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt