Entsorgung

Land droht mit Deponie-Stilllegung

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Burkhard Fuchs
Die Mülldeponie des WZV Segeberg in Tensfeld.

Die Mülldeponie des WZV Segeberg in Tensfeld.

Foto: wzv / WZV

Die 16 Hektar große Abfalldeponie in Damsdorf/Tensfeld soll überfüllt sein. WZV will sie jetzt erweitern

Kreis Segeberg.  Die Abfalldeponie in Damsdorf/Tensfeld, in die der Wegezweckverband (WZV) seit drei Jahrzehnten seine Abfälle und Verbrennungsrückstände aus dem Kreis Segeberg ablagert, ist vorerst geschlossen.

Das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat jetzt angedroht, „dass die weitere Ablagerung gestoppt wird, weil das genehmigte Ablagerungsvolumen erreicht bzw. inzwischen überschritten ist.“, teilt Behördensprecher Martin Schmidt dazu auf Nachfrage mit. Er betont aber auch: „Da sich der Abfall ausschließlich im dafür vorgesehenen Ablagerungsbereich der Deponie befindet und die Deponie über alle erforderlichen Sicherungselemente nach dem Stand der Technik verfügt, besteht keine Umweltgefährdung.“

Der WZV, der jetzt einen Monat Zeit hat, darauf zu reagieren, hat nach Auskunft von Verbandsvorsteher Peter Axmann die seit 1992 betriebene Hausmülldeponie stillgelegt. „Wir haben vorsorglich die Annahme von Abfällen dort eingestellt.“

Bereits im September 2020 habe das Landesamt den WZV darauf hingewiesen, dass das genehmigte Ablagerungsvolumen der Deponie erreicht sei, die zwischen den Gemeinden Damsdorf, Tensfeld und Tarbek ganz im Norden des Kreises Segeberg liegt. Was „eine umgehende Stilllegung“ nach sich ziehen könnte, so Schmidt.

Laut Genehmigung von 2002 dürften dort bis zu 2,4 Millionen Kubikmeter Abfälle eingelagert werden. Dabei handele es sich neben Hausmüll vorwiegend um mineralische Abfälle wie Aschen, Schlacken und belastete Böden sowie Asbest und künstliche Mineralfasern (KMF). Um wie viele Mengen die Deponie bereits überfüllt sei, möchte Schmidt nicht sagen. „Konkrete Angaben können wir derzeit noch nicht veröffentlichen, da es sich um ein laufendes Verfahren, eine Anhörung handelt.“ Mit Stand vom Dezember 2016 verfügte die Deponie nach Landesangaben nur noch über ein Resteinlagerungsvolumen von etwa 300.000 Kubikmetern.

Die überfüllte Deponie wird für Gebührenzahler teuer werden

Wie voll die Abfalldeponie in Damsdorf bereits ist und vor allem wie teuer die Gebührenzahler des Kreises Segeberg die Nachsorge der bereits übervollen Deponie noch kommen wird, war schon ein großes Streitthema auf der Verbandsversammlung im August in Pronstorf. So wurde da von einigen Gemeindevertretern bemängelt, dass die Nachsorgekosten bei bislang angesparten rund 25 Millionen Euro eine Deckungslücke von 35 Millionen Euro bis 2030 aufwiesen. Verbandsvorsteher Axmann wollte dies nicht als „Finanzloch oder Deckungslücke“ verstanden wissen. Er sagte aber auch: „Wir haben hier Handlungsbedarf.“ Gleichwohl gebe es „keinen Entsorgungs-Notstand für den Kreis Segeberg, wenn wir keine eigene Deponie mehr hätten.“

Das versichert Axmann auch jetzt nach der angekündigten Verfügung durch das LLUR. In Damsdorf habe der WZV 2020 nur noch etwa 5000 Tonnen, 2019 noch 10.000 Tonnen Abfälle von Verbrennungsrückständen aus Neumünster abgelagert, während in den Jahren davor 30.000 bis über 100.000 Tonnen dorthin transportiert worden seien. „Unsere Nutzung dieser früheren Hausmülldeponie ist stark rückläufig.“

Der Streit mit der Landesbehörde drehe sich vor allem um die Frage, ob sich der dort aufgetürmte Müll noch um einige Meter absacke und so noch zusätzlichen Platz böte oder nicht. Notfalls könnte der WZV aber auch andere Deponien wie die in Großenaspe nutzen, so Axmann. Allerdings gibt es von den 19 zurzeit in Schleswig-Holstein genehmigten Abfalldeponien mit einem gesamten Restvolumen von 12,1 Millionen Kubikmetern nur noch vier andere Anlagen über die dort abzulagernden Abfallstoffe. Großenaspe gehört nicht dazu.

Für Axmann ist dieses behördliche Einschreiten dennoch „kein Drama“, wie er betont. Vielmehr mache es deutlich, dass der WZV die Deponie Damsdorf vergrößern sollte. Geplant sei dabei eine Vergrößerung des Abfallvolumens um 440.000 bis zu 1,2 Millionen Kubikmetern, je nachdem ob die Anlage noch zehn oder 20 weitere Jahre betrieben werden sollte. Damit würde der WZV Zeit gewinnen, um die fehlenden Gelder für die Nachsorge der Deponie aus den Abfallgebühren anzusparen. Denn von den 60 Millionen Euro Kosten dafür würde „der größte Teil“ sehr schnell nach Schließung der Deponie fällig werden, so Axmann. Weil die 16 Hektar große Deponie in den ersten beiden Jahren mit einem aufwendigen Kunststoffdeckel abgesichert werden müsste.

Für die geplante Deponieerweiterung muss der WZV ein Planfeststellungsverfahren einleiten, was er bisher noch nicht getan hat, wie LLUR-Sprecher Schmidt vermerkt. „Der Antrag auf Erweiterung ist bei uns noch nicht gestellt.“

WZV rechnet mit einer Zustimmung zur Erweiterung

Der WZV rechnet mit einer Genehmigung für eine Erweiterung der Deponie bereits Ende nächsten Jahres. Was andere Abfallexperten für eine allzu optimistische Einschätzung halten. Der Bau von Abfalldeponien, die dem Bundesimmissionsschutzgesetz unterliegen, sei mit den zahlreichen erforderlichen Gutachten und der Bürgerbeteiligung „mit die aufwendigsten Bauleitverfahren, die es in Deutschland gibt“, so die Einschätzung eines Fachmanns. Das könnte bis zu fünf Jahre dauern.

Für die Stadt Norderstedt und seine Abfallgebührenzahler, die 13.000 Tonnen Hausmüll im Jahr verursachen, hätte eine Stilllegung der Deponie Damsdorf keine Auswirkungen, heißt es aus dem Rathaus. Gemeindevertreterin Karin Honerlah aus Henstedt-Ulzburg, die zu den 107 Mitgliedern der WZV-Verbandsversammlung gehört, wundert sich, dass die Gremien des WZV bisher nicht über die Warnungen und das Einschreiten der Landesbehörden informiert worden seien. „Schade, dass die Informationspolitik weiterhin so intransparent ist.“

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