Denksport-Rätsel

Schauriges Werkzeug der Revolution

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel geht es um eine Erfindung, die viele Menschen das Leben kostete.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne. Los geht’s!


Als im Terror der Französischen Revolution immer mehr Köpfe rollten, erschien am 30. April 1791 vor der Nationalversammlung ein gewisser Dr. Guillotin. Zeitgemäß vom Fortschrittsglauben und von Humanitätsidealen beseelt, empfahl er den interessiert aufmerkenden Zuhörern ein Gerät zur ökonomischen Exekution: „Diese Maschine verursacht bei der Hinrichtung keine langen Leiden. Der Delinquent wird lediglich ein Gefühl von Kälte auf dem Hals verspüren...“ Und dann äußerte der Doktor, Auge in Auge mit der Nationalversammlung, eine äußerst hellsichtige Vision: „Mit dieser Maschine will ich Ihnen in einer Sekunde das Haupt von den Schultern tanzen lassen, ohne dass Sie das Geringste spüren.“

Dr. Guillotin hatte das Gerät keineswegs selbst erfunden. Der Konstrukteur war ein deutscher Mechaniker namens Schmidt, ein Freund von Henri Sanson – seines Zeichens schwer beschäftigter Henker von Paris mit Hang zu feingeistigem Freizeitvergnügen. Schmidt und Sanson pflegten zusammen zu musizieren – Violine und Violoncello – und danach technische Exekutionsprobleme zu diskutieren, wobei Schmidt eines Tages die schneidige Idee mit dem Fallbeil hatte. Die einschlägig sachkundige Nationalversammlung war von den Argumenten Dr. Guillotins schnell überzeugt und beauftragte Schmidt mit der Serienproduktion der neuen „Guillotinen“ für sämtliche Departements.

Am 25 April 1792 hatte ein Mann namens Nicolas-Jaques Pelletier die zweifelhafte Ehre, die Premiere der Guillotine in Paris zu er, wenn auch nicht zu überleben. Die Zuschauer fühlten sich zunächst um das gewohnte Hinrichtungsspektakel betrogen – es ging einfach zu schnell. Aber die Menge der Exekutionen machte die neue Maschine rasch populär. Die trendige Pariserin trug Ohrgehänge in Form abgeschnittener Köpfe und Guillotine-Broschen. Auf festlich gedeckten Tafeln galten Modell-Guillotinen zum Enthaupten von Geflügel und Fisch als letzter Schrei. Das ultimative Kindervergnügen der Saison waren Spielzeugguillotinen, die Puppenköpfe abschlugen.

Später fraß die Revolution bekanntlich viele ihrer Kinder, und es darf bezweifelt werden, ob die Betroffenen, wie einst von Dr. Guillotin versprochen, tatsächlich nicht das Geringste dabei verspürt haben, als „das Haupt von den Schultern herab tanzte“. Da stand die Guillotine längst auf der Place de la Concorde.

Auf welchem Platz stand die Guillotine bei ihrer schauerlichen Einweihung?

Die Antwort steht in der Wochenendausgabe des Hamburger Abendblatts. In der Donnerstagausgabe fragten wir nach der Bezeichnung für einen modischen Dauerbrenner, den Coco Chanell einst erfand: Gemeint ist das „Kleine Schwarze“.

( jasch )

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