Norderstedt

Der Schnee kommt: Wird es so heftig wie 2010?

| Lesedauer: 6 Minuten
Annabell Behrmann,Christopher Herbstund Wolfgang Klietz
Januar 2010 – der schneereichste Winter in diesem Jahrhundert in Norderstedt. Um festgefahrenen, vereisten Schnee von den Straßen zu bekommen, kamen Asphaltfräsen zum Einsatz.

Januar 2010 – der schneereichste Winter in diesem Jahrhundert in Norderstedt. Um festgefahrenen, vereisten Schnee von den Straßen zu bekommen, kamen Asphaltfräsen zum Einsatz.

Foto: Frank Knittermeier

Meteorologen sagen für das Wochenende ein ähnliches Szenario voraus wie vor elf Jahren. Rodelfans und Straßenmeistereien sind alarmiert.

Kreis Segeberg.  Wird es wieder so sein wie im Winter vor elf Jahren in Norderstedt? Als die Stadtverwaltung Straßenbaumaschinen als Eisfräsen anforderte, um den in den Straßen festgefahrenen Schnee vom Asphalt zu kratzen? Der Winter 2010 ging als der schneereichste der jüngeren Stadtgeschichte ein. Für das Wochenende sagen nun die Meteorologen für Norderstedt und ganz Norddeutschland jede Menge Neuschnee an und schließen nicht aus, dass sich die Wetterlage sogar zu einer ähnlichen Schneekatastrophe wie im Winter 1978/79 entwickeln könnte. Die Kinder und Winterfans sind voller Vorfreude. Die Straßenmeistereien und alle, die auf das Auto und eisfreie Straßen oder auf freie und geräumte Gehwege angewiesen sind, stöhnen.

Schlitten und Rodel sind jetzt die ganz heiße Ware

Die Vorfreude auf verschneite Hänge im Stadtgebiet zeigt sich im Internet. Dort suchen viele Menschen in diesen Tagen nach Schlitten. In einer Norderstedter Facebook-Gruppe tauschen sich Mitglieder über die besten Geschäfte für den schneetauglichen Untersatz aus. Der Baumarkt Obi meldet für die Ware bereits: Ausverkauft! Das führt offenbar schon zu Verzweiflungstaten: Eine Frau beklagt auf Facebook, dass der Holzschlitten ihrer Kinder aus dem Vorgarten in Garstedt gestohlen wurde. Auf einem Online-Kleinanzeigenportal werden Schlitten in der Region zu horrenden Preisen angeboten – für ein neues Gefährt verlangen die Besitzer bis zu 150 Euro.

Doch die Corona-Pandemie macht leider auch das Rodelvergnügen zu einem Problem. Schon am vergangenen Sonnabend, als die ersten Flocken im Norden fielen, musste die Polizei den Rodelberg an der Oadby-and-Wigston-Straße sperren. 100 bis 150 Menschen rodelten hier und hielten Abstände nicht ein. Dass Kommunen ihre Rodelberge von vornherein für die kommenden Tage abriegeln, ist der Polizeidirektion Bad Segeberg allerdings nicht bekannt. „Das ist Aufgabe der Ordnungsämter. Diese befinden sich derzeit in der Prüfung und setzen sich dann mit der Polizei in Verbindung“, sagt Polizeisprecherin Sandra Firsching. Das Ordnungsamt kontrolliere überall im Norderstedter Stadtgebiet, so Norderstedts Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek, ob die Corona-Regeln eingehalten werden. „Niemand wird vorschnell Rodelberge absperren. Wir können die Bürgerinnen und Bürger nur bitten, Abstände einzuhalten.“

Bei schönem Wetter ist auch der Norderstedter Stadtpark ein Publikumsmagnet. Schon am vergangenen Wochenende hat die Polizei die Lage vor Ort beobachtet. Die Zugänge des Geländes bleiben aber offen. „Wir sperren nichts ab. Wir appellieren an die Vernunft der Leute, Abstand zu halten“, sagt Kai Jörg Evers, Geschäftsführer der Stadtpark Norderstedt GmbH. Den großen Berg im Stadtpark abzusperren, wäre mit erheblichem Aufwand verbunden. „Außerdem würden wir damit den Druck auf die anderen wenigen Berge in Norderstedt erhöhen. Die Leute würden einfach woanders hingehen“, meint Evers. Lediglich der Zugang zum See ist abgeriegelt. „Das Eis ist nicht tragfähig. Die Fläche zu betreten, wäre lebensgefährlich.“

Während sich ganz Norderstedt aufs Rodeln vorbereitet, richten sich die Straßenmeistereien im Kreis auf ein mögliches Schneechaos vor.

Die Straßenmeistereien sitzen auf Salzbergen und sind bereit

„Das Salzsilo ist gut gefüllt und die Lkw schon beladen“, sagt Struppek. Bis zu 30 Mitarbeiter des Norderstedter Betriebsamtes stehen in Bereitschaft, um Straßen und Gehwege mit sieben kleinen Streufahrzeugen und fünf großen Lkw vom Schnee zu befreien. Priorität haben Hauptstraßen. Sollte der schneechaotische Ernstfall eintreten, könnte der Winterdienst um weitere 30 Personen aufgestockt werden. „Mit Blick auf das Wochenende hält sich eine zusätzliche Kolonne bereit, die sofort ausrücken könnte“, sagt Struppek.

Auch in Kaltenkirchen ist der städtische Baubetriebshof bereit für die potenziellen Schneeberge, wie der Sprecher der Stadtverwaltung, Ralf Köhler, sagt. Die Polizei werde mit Streifen im Freizeitpark unterwegs sein, um beim Rodeln Menschenansammlungen zu verhindern. Gravierende Verstöße habe die Polizei am vergangenen Wochenende nicht festgestellt. „Es wurde aber mehrmals auf die Abstandsregelung und auf die Haushalt-plus-eine-Person-Regelung hingewiesen und diverse Parkverstöße im Bereich des Naherholungsgebietes geahndet“, sagt Köhler.

In Henstedt-Ulzburg arbeitet der Baubetriebshof coronabedingt in zwei Schichten, für den Ernstfall stünden aber alle Mitarbeiter zur Verfügung, so der Leiter Arnim Steffens. „Streumittel sind vorhanden beziehungsweise werden in der Nacht auf Freitag angeliefert. Es zahlt sich jetzt aus, dass sich der Baubetriebshof bereits in den Sommermonaten Streugutmengen gesichert hat.“ Die per Vertrag im Winterdienst beschäftigten Fremdfirmen stünden rund um die Uhr mit ihren Einsatzkräften auf Abruf bereit. Steffens: „Ein Problem sind zugeparkte Straßen, in denen die Räumfahrzeuge nur sehr langsam und bereichsweise gar nicht passieren können.“

Beim Wege-Zweckverband (WZV) liegen 1200 Tonnen Streusalz bereit, um auf 560 Kilometern Länge die Kreisstraßen und Verbindungswege im Kreis Segeberg eisfrei zu halten. „Das ist mehr als genug, wir sitzen auf den Bergen der vergangenen Jahre“, sagt WZV-Sprecherin Julia Büttner. Sollte es zu schweren Schneefällen kommen, rücken um 4.15 Uhr die zwölf Streu- und Räumfahrzeuge aus. Bei Bedarf, zum Beispiel bei Schneeverwehungen, wird außerdem eine Schneefräse eingesetzt.

Beim WZV sind 24 Mitarbeiter für den Job auf den Fahrzeugen qualifiziert, sodass theoretisch ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb in Zwölf-Stunden-Schichten möglich ist. „Das ist selten geworden“, sagt Julia Büttner. „Das war zuletzt im Jahr 2010 der Fall.“ Deutet sich für den nächsten Tag eine Wetterlage an, die den Einsatz des Winterdienstes erfordert, fahren die WZV-Mitarbeiter mit den beladenen Fahrzeugen nach Hause und können dort frühmorgens ausrücken. „Glücklicherweise wohnen alle über das Kreisgebiet verteilt“, sagt Julia Büttner. Welche Abschnitte besonders gefährlich sind, wissen die Männer genau.

Auch die Autobahnmeisterei der Firma Via Solutions ist für alle Lagen zwischen der Hamburger Landesgrenze und dem Bordesholmer Dreieck auf der Autobahn 7 vorbereitet. „Wir verfolgen die Wetterlage stündlich“, sagt Sprecherin Claudia Fröbe. Bei größeren Einsätzen werden private Unternehmen um Unterstützung gebeten.

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