Agenda 2021

Das planen Tangstedt und das Amt Itzstedt

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Christopher Herbst
Sechsstellige Mehrkosten verursachte der Baggersee Costa Kiesa im vergangenen Jahr. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch in diesem Sommer der Badebetrieb wieder untersagt wird.

Sechsstellige Mehrkosten verursachte der Baggersee Costa Kiesa im vergangenen Jahr. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch in diesem Sommer der Badebetrieb wieder untersagt wird.

Foto: Annabell Behrmann

In der Gemeinde stehen mögliche Neubaugebiete im Fokus. Im Amtsbereich diskutieren Nahe und Itzstedt eine Fusion beider Orte.

Tangstedt.  Die wohl wichtigste Frage für die Gemeinde Tangstedt betrifft den möglichen Fortschritt bei den geplanten Neubaugebieten, wo die Politik seit Jahren nicht vorankommt. Sowohl am Funkturm und bei der „Kuhteich-Wiese“ gibt es Hoffnung auf erfolgreiche Zusammenarbeit mit Investoren. Einnahmen durch Grundstücksverkäufe wären elementar, um den Haushalt zu entlasten. Kontrovers dürfte weiterhin die Debatte über die Entwicklung der Dorfmitte rund um das Rathaus verlaufen.

1 Prekäre Finanzlage
Die Gemeinde soll und muss sparen, das Haushaltsdefizit beträgt für 2021 mehr als 1,2 Millionen Euro. „Einsparmöglichkeiten sehe ich nicht, wir sind am Limit“, sagt Bürgermeister Jürgen Lamp, der gegen Steuererhöhungen ist. Einnahmen könnten durch den Verkauf gemeindeeigener Flächen für Wohn- und Gewerbequartiere geschaffen werden, perspektivisch so auch durch mehr Gewerbesteuer und höhere Einkommenssteueranteile.

2 Costa Kiesa
Sechsstellige Mehrkosten verursachte der Baggersee im vergangenen Jahr, da die aus Gründen des Infektionsschutzes verhängte Sperrung des Areals mit erheblichem Personal-Mehraufwand an Security überwacht werden musste. Erneut gab es daher Stimmen in der Politik, die Verantwortung per Vertragskündigung abzugeben. Rechtlich gilt das als schwierig, zumal will man auch nicht dem Unternehmen Eggers die komplette Last aufbürden. Im Frühjahr soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Nicht ausgeschlossen: Auch im nächsten Sommer wird der Badebetrieb wieder untersagt. Nur vage ist dagegen die Hoffnung, dass sich ein Investor für das Areal findet.

3 Wohnungsbau
Zwei Areale, die der Gemeinde gehören, sollen in diesem Jahr an Investorenverkauft werden: die „Kuhteich-Wiese“ sowie die Fläche am Funkturm. Gespräche mit Interessenten laufen, der Bedarf insbesondere an günstigen Wohnungen ist hoch. Gemäß der politisch beschlossenen Reihenfolge stehen die Fläche südlich des Dorfteichs (Wilstedt) und das Grundstück an der Lindenallee an dritter und vierter Stelle der Priorisierung.

4 Dorfmitte
Für die Entwicklung der Ortsmitte, also rund um Rathaus und alte Mühle, müssen noch die Bedingungen für einen Realisierungswettbewerb festgelegt werden. Erwünscht ist ein Konzept mit Wohnungsbau und kleinem Gewerbe im Sinne der Nahversorgung. Kernfrage: Soll das historische, jedoch marode Mühlengebäude erhalten und in ein neues Quartier integriert werden? Ein Gutachten hatte im Herbst ergeben, dass sowohl eine Sanierung als auch ein Neubau zwischen 900.000 und 1 Million Euro kosten würden. Die Alternative: ein ersatzloser Abriss.

5 Freiwillige Feuerwehr
Nur langsam kommen die Planungen für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus an der Dorfstraße voran. Rund zwei Millionen Euro würde das Vorhaben kosten, doch die Finanzierung ist noch nicht geklärt. Für den im Ortsentwicklungskonzept als Schlüsselprojekt ausgewiesenen Neubau könnte die Gemeinde maximal 750.000 Euro vom Land bekommen, dazu weitere 155.000 Euro vom Landesfeuerwehrverband.

6 Schule
Sanierung, Erweiterung – oder gleich ein Neubau? In den nächsten Monaten könnte es eine Grundsatzdebatte über die Zukunft der Neuen Betreuten Grundschule geben. Für 100.000 Euro wird hier kurzfristig die Kapazität mittels eines Containers erweitert, für eine Gebäudesanierung sind 460.000 Euro vorgesehen, dazu weitere rund 230.000 Euro für verschiedene Posten, darunter 70.000 Euro für Belüftungsgeräte.

7 Neues Altenheim
Das Bauleitverfahren, das auch das Grundstück des insolventen Hauses Sommer umfasst, wird fortgeführt. Ein Investor, die GWK (Gesellschaft für Wohnkonzepte), ist bereit, in den nächsten Jahren eine neue Alten- und Pflegeeinrichtung für dann rund 80 (zuvor 40) Personen zu bauen. Eine knappe politische Mehrheit ist nach monatelanger Debatte mittlerweile dafür, allerdings gibt es aus der Nachbarschaft Kritik an der Dimension des Projektes.

8 Verkehrsberuhigung
Fast schon rituell versucht die Gemeinde, beim Kreis Stormarn mit ihren Argumenten für mehr Tempo 30 im Ort durchzukommen – meist vergeblich. Gerade auf dem Dorfring und auf der Hauptstraße wünschen das viele Bürger. Am liebsten wäre vielen, der Durchgangsverkehr, darunter viele Lkw, würde erheblich reduziert, doch Gespräche mit den Nachbarkommunen und dem Land über eine Umgehungsstraße verharren in einem frühen Stadium. Grundsätzlich gilt zudem in der Kieler Regierung aktuell eher die Maxime: weniger neu bauen, mehr sanieren. Bürgermeister Jürgen Lamp würde zu diesem Thema gerne eine Einwohnerversammlung machen, doch Corona lässt eine solche Veranstaltung auf absehbare Zeit nicht zu.

9 Kita Wilstedt
Im Ortsteil Wilstedt soll die Planung für eine neue Kindertagesstätte vorankommen. Die bestehende Einrichtung (Kita „Kunterbunt“) gilt als baulich nicht mehr angemessen für eine moderne Betreuung. Eine Bewertung von zunächst zehn Grundstücken ergab, dass eine Fläche südlich des Dorfrings, die aber in privater Hand ist, am besten geeignet wäre. Ein endgültiger Beschluss könnte im Frühjahr erfolgen.

10 Amt Itzstedt
Für den Neubau der Amtsverwaltung stehen drei Grundstücke zur Auswahl, die detailliert untersucht werden – im Bereich der Tennisplätze in Itzstedt sowohl am Birkenhof und nahe des Aldi-Marktes in Nahe. Als Planungskosten stehen zunächst 350.000 Euro zur Verfügung. Beim Wasserwerk ist ein neues Notstromaggregat fällig (200.000 Euro), dazu kommen 250.000 Euro für Leitungssanierungen.

11 Itzstedt
Die mögliche Fusion mit der Gemeinde Nahe wird das Jahr prägen. Beide Gemeindevertretungen haben 2020 einen Bürgerentscheid beschlossen, dieser wird voraussichtlich am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, stattfinden. Zunächst ist aber ein informelles Vorgespräch mit der Kommunalaufsicht geplant. Das weitere Vorgehen, speziell auch öffentliche Veranstaltungen, hängen nicht zuletzt von der Pandemie-Situation ab. Geld gibt die Gemeinde für die Sanierung des Seerings (200.000 Euro) und einen Teil des Geh- und Radwegs an der B 432 (60.000 Euro) aus.

12 Kayhude
Die Gemeinde wird die Straßenbeleuchtung an der Bundesstraße erneuern – das kostet 12.000 Euro.

13 Nahe
Die Gemeinde plant eine Reihe an Investitionen für insgesamt fast drei Millionen Euro. So wird das Dachgeschoss der neuen Polizeistation, die in diesem Jahr in Betrieb geht, ausgebaut (200.000 Euro). Am Rodelberg wird ein weiteres Grundstück angekauft (400.000 Euro). Der Kindergarten Birkenhof wird erweitert (160.000 Euro), weitere 150.000 Euro sind für Maßnahmen in der Sporthalle vorgesehen. Für Straßensanierungen stehen 315.000 Euro im Etat, entlang der B 432 werden die Bushaltestellen/Fahrgastunterstände erneuert (336.000 Euro). Für Kanalsanierungen stehen 399.000 Euro zur Verfügung, für Skateranlage und –halle 150.000 Euro, für den Spielplatz Hüttkahlen 50.000 Euro und den Ausbau der Strohhalle am Birkenhof 90.000 Euro.

14 Oering
Die neue Ortsmitte mit Mehrgenerationenhaus, Bürgerhaus und Sporthalle, ein Projekt mit einem Volumen von mehr als 4 Millionen Euro, soll 2021 fertiggestellt und eröffnet werden. Weitere Arbeiten an der Außenanlage der Kita werden 20.000 Euro kosten, in die Feuerwehr werden 40.000 Euro investiert.

15 Seth
Die Gemeinde plant den Neubau eines Kindergartens neben der Kirche. Eine Bürgerinitiative erwägt allerdings, hiergegen mit einem Bürgerbegehren vorzugehen – sie wollen erreichen, dass der Standort im Ortskern an der Alten Schule bleibt. Unabhängig hiervon sind vorerst Planungskosten in Höhe von 300.000 Euro veranschlagt. In Richtung Stuvenborn entsteht ein neuer Radweg (500.000 Euro), die Hälfte bezahlt das Land. Für 80.000 Euro sollen zwei neue E-Ladesäulen installiert werden, dies bezuschusst der Kreis mit 22.000 Euro. Und für Sanierung von Schmutzwasserkanälen sind 350.000 Euro eingeplant.

16 Sülfeld
Die Sanierung des Jugendraums in der Sporthalle kostet 140.000 Euro, wird aber gefördert über die Aktivregion. Auf dem Sportplatz an der Wildkoppel wird das Flutlicht erneuert (45.000 Euro), je ein Drittel tragen Gemeinde, Kreissportverband und das Land. Und die Planung für ein neues Feuerwehrhaus wird mit 80.000 Euro kalkuliert.

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