Denksport-Rätsel

Glänzendes Bauwerk für den Kopf

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel suchen wir heute ein berühmtes Modell eines Hutmachers.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne. Los geht’s!

Mr. Hetherington, seines Zeichens Hutmacher in London, gab sich nicht mit der Reproduktion althergebrachter Modelle zufrieden. In des Wortes wahrstem Sinne strebte er nach Höherem, fabrizierte sich eine Kopfbedeckung von noch nie dagewesenem Ausmaß und trat am 15. Januar 1797 selbstbewusst mit der gewagten Kreation ins Licht der Öffentlichkeit.

Tags darauf zitierte die „Times“ den Polizeibericht: „Hetherington erschien auf der Straße mit einem glänzenden Bauwerk auf dem Kopf, das geeignet war, ängstliche Leute in Furcht zu versetzen. Bei dem ungewöhnlichen Anblick fielen verschiedene Frauen in Ohnmacht, während Kinder aufschrien, Hunde bellten und ein kleiner Junge von der Menschenmenge, die sich angesammelt hatte, umgeworfen wurde, wobei er sich den Arm brach.“ Der Skandal war perfekt, der schräge Hutmacher wurde umgehend verhaftet und musste sich vor dem Lord Mayor verantworten. Dort argumentierte er wie ein wackerer Demokrat: In einem freien Land stünde einem freien Bürger die freie Wahl seiner Kopfbedeckung zu.

Die Obrigkeit war da anderer Ansicht und ihrerseits so frei, Hetherington wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zu einer Geldstrafe von 500 Pfund zu verdonnern.

Nach diesem harten Urteil zeigte sich die Öffentlichkeit jedoch erst recht erregt. Den traditionellen Dreispitz auf gepuderter Perücke hielt die modisch ambitionierte Jugend längst für „mega-out“, selbst konservative Kreise trugen derlei Deckel nur noch zu hochoffiziellen Anlässen.

In ganz Europa dominierte dank Goethes Bestseller der „Werther-Look“ – englischer country-style mit winklig geschnittenem Reitfrack, Hosen aus gelben Wildleder, bequemen Stiefeln und weichen Rundhüten mit Krempe.

Hetheringtons Hut jedoch, steif gebaut und mit glänzender Seide überzogen, ließ niemanden kalt. „Dieser Hut ist ein Schlupfwinkel für die Verworfenheit und Schande, und er sollte auch schon deswegen nicht zur Geltung kommen, weil er die Gesichts- und Körperformen entstellt“, geiferte ein „Times“-Leserbriefschreiber.

Das Blatt selbst ergriff dagegen vehement Hetheringtons Partei: „Ein bedeutender Fortschritt in der Bekleidung, dazu bestimmt, eines Tages für die Allgemeinheit charakteristisch zu werden.“

Wie meistens, behielt die „Times“ wieder mal recht – Hetheringtons Hut wurde zum Klassiker.

Wie nennt man das Hutmodell, das vor mehr als 200 Jahren die Gemüter erregte?
Die Antwort lesen Sie am Mittwoch im Hamburger Abendblatt. In der Montagausgabe suchten wir die Farbe der Siegermedaillen der Olympischen Spiele von 1896: Es war nicht etwa Gold, sondern „nur“ Silber.

( jasch )

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