Corona-Pandemie

Das lange Warten auf den Impfstart in Norderstedt

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Christopher Herbst
Das Impfzentrum in der „TriBühne“ war schon vor Weihnachten betriebsbereit. Theoretisch könnten hier täglich mehrere Hundert Menschen immunisiert werden.

Das Impfzentrum in der „TriBühne“ war schon vor Weihnachten betriebsbereit. Theoretisch könnten hier täglich mehrere Hundert Menschen immunisiert werden.

Foto: Christopher Herbst

Wann das Norderstedter Impfzentrum in Betrieb genommen wird, steht weiterhin nicht fest. Hoffnung könnte das neue Serum bringen.

Norderstedt.  Leerstehende, inaktive Impfzentren sind in diesen Wochen ein Symbol für die Verzögerungen bei den von so vielen Menschen ersehnten Immunisierungen gegen Covid-19. Norderstedt ist und bleibt vorerst ein treffendes Beispiel hierfür. Seit kurz vor Weihnachten ist der Standort am Rathausmarkt startbereit, seit einiger Zeit auch weiträumig bestens sichtbar ausgeschildert, aber in der teilweise umfunktionierten „TriBühne“ selbst läuft weiterhin nichts.

Vor Wochen schon hatte der Kreis den zeitweise – aber auch unter Vorbehalt – genannten Starttermin (1. Februar) einkassieren müssen, weil auf Sicht eben bei Weitem nicht genug Impfstoff verfügbar gewesen wäre. Wann in Norderstedt endlich die Türen geöffnet werden? „Wir warten nur ab“, sagt Bernd-Olaf Struppek, Sprecher der Norderstedter Stadtverwaltung. Und verweist auf den Kreis. Dessen Sprecherin Sabrina Müller ist ähnlich einsilbig. „Wir wissen gar nichts. Wir müssen auf das Land warten. Das gibt vor, wann wie viel Impfstoff geliefert werden kann.“

Stadt und Kreis verweisen auf Kieler Landesregierung

Die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann hat kürzlich mit Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder über das Problem gesprochen, die beiden Frauen hatten sich im vergangenen Jahr maßgeblich dafür eingesetzt, dass die größte Stadt des Kreises überhaupt ein eigenes Impfzentrum bekommt. Und zwar als länderübergreifender Standort, also theoretisch auch für Hamburger. Doch so weit ist man noch gar nicht. „Noch ist die Situation so, dass es nur in Kaltenkirchen läuft, und dort auch nur in einer von sieben Impflinien“, so Rathje-Hoffmann.

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Sie setzt nun Hoffnungen in den dritten zugelassenen Impfstoff, jenen von Astrazeneca, der ab nächster Woche EU-weit ausgeliefert werden soll. Ein Teil wird letztlich auch dem Kreisgebiet zugeteilt werden. Vielleicht könne es ab Mitte Februar in Norderstedt losgehen, so die Sozialpolitikerin. „Es wäre schön, wenn sich etwas tun würde, wenn hier vielleicht vulnerable Gruppen und jüngere Gruppen geimpft würden.“

Eine Variante: Da das Serum von Astrazeneca in Deutschland gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission zumindest anfangs nur für Menschen unter 65 zugelassen ist, könnten diese Impfungen nicht zuletzt aus logistischen Gründen in Norderstedt stattfinden. Entscheiden muss dies aber das Gesundheitsministerium. Gibt es kaum Impfstoff, macht es keinen Sinn, weitere Zentren hochzufahren, wo dann täglich nur wenige Menschen versorgt werden können.

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Für die Bevölkerung, oder zumindest diejenigen, die erstens wegen ihres Alters oder aus beruflichen Gründen zur Gruppe der höchsten Priorität zählen und zweitens auch geimpft werden wollen, ist das eine unbefriedigende Situation, nachdem schon die ersten Wochen des Jahres von zum Teil chaotischen, gerade für alte Menschen frustrierenden Anmeldeprozessen geprägt waren (das Abendblatt berichtete). Als Reaktion darauf hat die Landesregierung bekanntlich damit begonnen, zunächst die ältesten Schleswig-Holsteiner (88 und älter, rund 35.000 Personen) direkt schriftlich zu einer telefonischen Terminvereinbarung einzuladen.

Diese exklusive Hotline wurde mit Beginn des Februars freigeschaltet, schrittweise sollen dann drei weitere Gruppen bis hinunter zu den 80-Jährigen auf dem gleichen Weg kontaktiert werden. Insgesamt geht es um 220.000 Impfberechtigte. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich diese Termine aber bis in den Frühsommer hinziehen.

90 Prozent der Heime hatten mindestens die erste Impfung

Andere Personen als diejenigen, die angeschrieben wurden, können momentan keine Impfungen buchen. Das Portal www.impfen-sh.de kann nur noch von weiteren Menschen der höchsten Priorisierung, etwa Pflegekräften, genutzt werden. Wann dort allerdings wieder Termine vergeben werden, steht nicht fest. Was an Vakzin zur Verfügung steht, wird für die Zweitimpfungen verwendet. Über die mobilen Impfteams werden hier weiterhin täglich Alten- und Pflegeeinrichtungen abgefahren. „90 Prozent der Altenheime haben die erste Impfung durch, teilweise auch schon die zweite Impfung“, so Katja Rathje-Hoffmann. Stationär erfolgen die Immunisierungen im Kreis seit 4. Januar nur in Kaltenkirchen, wo ein Gewerbeobjekt in der Borsigstraße genutzt wird.

Mit großer Mehrheit nehmen hier alte Menschen das Angebot wahr, generell sind landesweit 87 Prozent aller angemeldeten Bürger 80 oder älter. Mit Stand 31. Januar hatte es in Schleswig-Holstein 103.043 Impfungen gegeben, davon handelte es sich in 12.892 Fällen bereits um die zweite Dosis. Die Impfquote beträgt 3,1 Prozent, das ist die drittbeste in Deutschland.

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