Statistik

Zahl der Arbeitslosen steigt im Kreis erstmals wieder an

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Michael Schick

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Laut Agentru für Arbeit sind 5,2 Prozent der arbeitsfähigen Menschen ohne Job – 0,2 Prozent oder 334 Personen mehr als im Dezember.

Kreis Segeberg.  Fünf Monate lang sank die Arbeitslosenzahl im Kreis Segeberg – trotz der Corona-Pandemie. Im Januar ist der Wert nun erstmals wieder gestiegen. Ende des Monats waren 8124 Menschen erwerbslos, 334 mehr als einen Monat zuvor. Die Quote wuchs von exakt fünf auf 5,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen deutlichen Anstieg; damals waren 4,4 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job, 1416 weniger als aktuell.

„Ein Anstieg zum Jahresanfang war zu erwarten. Der Ausschlag ist saisonal üblich und weicht nicht viel vom Vorjahr ab“, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur Elmshorn. Zum Jahresende liefen häufig befristete Beschäftigungen im kaufmännischen Bereich aus. Beschäftigte aus witterungsabhängigen Branchen wie dem Baugewerbe oder dem Garten- und Landschaftsbau meldeten sich vorübergehend arbeitslos, auch wenn der Winter bislang relativ mild war. Einen sichtbaren „Lockdown-Aufschlag“ habe es bisher nicht gegeben.

Kurzarbeit und Existenzkampf bei den Unternehmen

Weiterhin würden viele Arbeitsplätze mit Kurzarbeitergeld abgesichert. Unternehmen kämpften um ihre Existenz, sähen aber weiter Zukunftsperspektiven und hielten ihre eingearbeiteten Fachkräfte. Im Dezember zeigten 244 Betriebe aus dem Kreis Segeberg für 2394 Beschäftigte Kurzarbeit neu an, mehr als im Vormonat (209 Betriebe, 1693 Beschäftigte). Die meisten Neuanzeigen kamen aus den aktuell besonders vom Lockdown betroffenen Branchen wie dem Einzelhandel (ohne Lebensmittel), Kfz-Handel, Gastgewerbe sowie Friseur-und Kosmetiksalons.

In Norderstedt und Umgebung sind 2838 Menschen arbeitslos, 79 mehr als Ende Dezember. Die Quote stieg um 0,2 Punkte auf 5,9 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 4,5 Prozent. Für den Raum Kaltenkirchen meldet die Arbeitsagentur 3014 Beschäftigungslose, ein Plus von 104 gegenüber dem Vormonat Auch hier erhöhte sich die Quote um 0,2 Punkte auf 4,9 Prozent. Ende 2019 lag der Wert bei 4,1 Prozent. 2245 Männer und Frauen sind in Bad Segeberg ohne Job, 124 mehr als Ende 2020. Die Quote entspricht exakt fünf Prozent. Das sind 0,2 Punkte mehr als im Vormonat und 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr.

Die Pandemie erschwert die Arbeitssuche. „Vorsichtigere Personalplanungen, verschobene Bewerbungsverfahren, ausgesetzte Praktikumsangebote und Qualifizierungen – alles Gründe, warum Einstellungen in den letzten Monaten nicht so schnell zustande kamen wie üblich“, sagt Kenntemich. Dies führe häufiger zu einer verlängerten Arbeitslosigkeit. Im Januar waren 2586 Menschen im Kreis Segeberg langzeitarbeitslos, also ein Jahr oder länger auf Jobsuche. Das sind 745 mehr als vor einem Jahr. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen stieg von 27,4 auf 31,8 Prozent.

„Mit der Frühjahrsbelebung und möglicherweise gelockerten Pandemie-Einschränkungen kann der Arbeitsmarkt Rückenwind bekommen, die Chancen für Arbeitssuchende könnten steigen“, sagt der Chef der Arbeitsagentur. Dennoch sei die Gefahr groß, dass sich eine neue Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt. Corona habe den technologischen Wandel beschleunigt und werde die Wirtschaft wie auch die Arbeitsplätze verändern. Es werde eine große Herausforderung, vor allem die Menschen mit geringen formalen Qualifikationen auf diesem Weg mitzunehmen und sie schon jetzt gut vorzubereiten. „Jobcenter und Arbeitsagentur beraten Betroffene, bieten Coachings und Qualifizierungen an, unterstützen das gegenseitige Kennenlernen in Praktika und fördern die Einstellung bei Arbeitgebern mit finanziellen Zuschüssen“, sagt Kenntemich.

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