2021 - Unser Jahr

Was bringt dieses Jahr für Familie Heupel aus Tangstedt?

| Lesedauer: 4 Minuten
Miriam Opresnik
Das sind die Heupels aus Tangstedt. Das Abendblatt begleitet die Familie ein Jahr lang in der Corona-Zeit: Mutter Eva (43), Vater Martin (52) und die Kinder Paul (19), Mattia (17), Mara (13) und Isa (8).

Das sind die Heupels aus Tangstedt. Das Abendblatt begleitet die Familie ein Jahr lang in der Corona-Zeit: Mutter Eva (43), Vater Martin (52) und die Kinder Paul (19), Mattia (17), Mara (13) und Isa (8).

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Das Abendblatt wird die Tangstedter Familie Heupel durch das Jahr begleiten und berichten, wie es den Eltern und den vier Kindern in der Corona-Zeit ergeht.

Tangstedt.  Das Glas füllt sich langsam. Es ist ein großes Einmachglas mit einem Bügelverschluss und einer roten Schleife, rot gepunktet. Als sie es Neujahr aufgestellt hat, mitten auf die Anrichte im Wohnzimmer, damit man es immer sieht, war es noch leer. Dann haben sie die ersten Zettelchen reingeworfen. Jeden Abend eins, manchmal auch mehrere. Je nachdem, wie der Tag war, was passiert ist, was sie erlebt haben. Schönes erlebt haben!

Eva Heupel (43) nennt das Glas ihr Glücksglas. Weil sie darin kleine Glücksmomente sammelt, festgehalten auf kleinen Zettelchen, die sie schreibt. Jeden Abend, wenn die Familie am Esstisch sitzt, überlegen sie gemeinsam, was am Tag Gutes passiert ist. Worüber sie sich gefreut haben. Trotz Corona. Oder gerade deswegen. Damit man in dieser Zeit nicht den Blick dafür verliert. Den Blick für das Positive.

Sie weiß, dass das schwer ist. Dass man in Zeiten wie diesen mit Lockdown, Homeschooling und Kontaktbeschränkungen irgendwann das Gefühl hat, alles sei schlecht. Vor allem die Kinder, die keine Freunde mehr treffen können. Die nicht mehr in die Schule und zum Sport können, nicht mehr ins Kino oder ins Schwimmbad. „An dieser Situation können wir nichts ändern“, sagt Eva Heupel. „Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen. Ob wir uns runterziehen lassen – oder das Beste draus machen.“ Sie hat sich entschieden.

Ende des Jahres, an Silvester, werden sie das Glas leeren und alle Zettel noch einmal lesen. In Erinnerungen schwelgen, wie man es bei ihnen in der Familie nennt. Noch wissen sie nicht, was das Jahr bringen wird. Wie es weitergeht. Mit Corona – und nach Corona.

Das Abendblatt wird Familie Heupel durch das Jahr begleiten und über sie berichten. Über Homeschooling mit drei Kindern und Homeoffice auf dem Dachboden. Über Fahrstunden und Führerscheinprüfung, Studienbeginn und Nebenjobs. Über die Rückkehr ins Büro nach mehr als einem Jahr zu Hause – und den Wiederaufbau der Selbstständigkeit nach monatelanger Zwangspause. Über Pläne und Ängste. Familie Heupel steht stellvertretend für Millionen von Familien im Land – Millionen von Menschen. Und sie steht stellvertretend für uns alle. Weil wir alle in der gleichen Situation sind.

Von Umzug zu Umzug haben sich die Heupels ein bisschen vergrößert

Die Heupels, das sind Eva (43) und Martin (52) mit ihren Kindern Isa (8), Mara (13), Mattia (17) und Paul (19) – und die Katzen Yuko und Yala. Die Familie lebt in einer Doppelhaushälfte in Tangstedt, 110 Quadratmeter. Wohnzimmer, Küche, Gäste-WC und Bad, drei Schlafzimmer. Vor ein paar Jahren haben sie umgebaut, damit jedes Kind ein eigenes Zimmer hat.

Es ist ihr erstes Haus, davor haben sie immer zur Miete gewohnt. Zuerst in Tangstedt, dann in Quickborn, schließlich wieder in Tangstedt. Von Umzug zu Umzug haben sie sich ein bisschen vergrößert. Bis sie im Jahr 2007 die Doppelhaushälfte gekauft haben. Einige Jahre müssen sie die noch abbezahlen. In den ersten Jahren nach der Geburt der Kinder war die Rollenverteilung bei ihnen traditionell. Martin ist arbeiten gegangen, Eva hat sich um die Kinder gekümmert und dann auf 450-Euro-Basis gejobbt.

Bis das Baby kam. Bis sich ihr aller Leben von einem Tag auf den anderen veränderte. Weil sie ein Pflegekind aufnahmen, ein Neugeborenes, gerade einmal zwei Tage alt. Die Heupels kümmerten sich um das Mädchen, bis Adoptiveltern gefunden wurden. Acht Wochen lang. Tag und Nacht. Jeder von ihnen.

Heute sagen sie, dass sie diese Zeit noch näher zusammengebracht hat. Ihnen noch deutlicher gemacht hat, welches Geschenk es ist, eine Familie zu haben. Eltern, Geschwister. Zusammenhalt. Bedingungslose Liebe. Ja, das klingt kitschig. Aber so empfinden sie es. Meistens zumindest. Natürlich gibt es auch bei ihnen Zoff, natürlich gehen auch sie sich manchmal gegenseitig auf die Nerven. An ihrer Verbundenheit ändert das aber nichts.

Heute Abend werden sie sich wieder zusammensetzen und Zettelchen für ihr Glücksglas schreiben. Eva wird auf ihren „Familie“ schreiben.

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