Schröters Wochenschau

So kommen Sie zu einer neuen Frisur

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Jan Schröter
Autor Jan Schröter

Autor Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Laut Kieler Friseur-Innung werden KollegInnen bereits angefragt, bei „privatem“ Hausbesuch Frisurpflege zu betreiben.

Nach einer Konferenz zwischen Norderstedts Oberbürgermeisterin Roeder und dem Umweltministerium gibt es immer noch keine Entscheidung darüber, wie mit dem illegal angehäuften Müll auf dem Grundstück der Firma Gieschen in Friedrichsgabe zu verfahren ist. Ein Gutachter bescheinigte keine unmittelbare Gefahr für das Grundwasser, was ansonsten ein möglicher Grund für die behördlich angeordnete Zwangsräumung gewesen wäre. Einzig zuständig für die Räumung wäre also die Familie Gieschen.

Die jedoch ist abgetaucht. Und wird freiwillig kaum zurückkommen. Trotzdem wird sie nicht per Haftbefehl gesucht. Die Straftat gilt als „nicht gravierend genug“. Zur Erinnerung: die haben eine unübersichtliche Müllhalde von sechs Metern Höhe aufgetürmt. Sechs Meter, so lang sind inzwischen unsere Haare, weil die Friseursalons im Lockdown sind. Diese Haare würden wir alle gerne freiwillig abräumen lassen, dürfen aber die Figaros nicht heranlassen.

Laut Kieler Friseur-Innung werden KollegInnen bereits angefragt, bei „privatem“ Hausbesuch Frisurpflege zu betreiben. Für 500 Euro. Werden die Beteiligten erwischt, wird es sehr viel teurer. Dabei liegen am Ende der Prozedur nur ein paar Haare am Boden. Kleiner Tipp: türmen Sie ein paar Kubikmeter Müll darauf, dann geht alles locker durch.

Es gibt allerdings noch eine Möglichkeit, die Corona-Matte auf dem Kopf legal loszuwerden. Verstecken Sie knapp über der Kopfhaut ein paar Problemstoffe in der Vogelnestfrisur und beauftragen Sie das Umweltministerium mit einem Gutachten. Im Rahmen einer Begehung und nach Auswertung der Drohnen-Flugaufnahmen wird man Ihnen attestieren, dass Ihre Frisur das Grundwasser gefährdet und demzufolge zwangsgeräumt werden muss.

Bonus: die Rechnung dafür begleicht der Steuerzahler. Jedenfalls, wenn Sie sich gleich nach der Räumung vom Acker machen und abtauchen. Für einen Haftbefehl ist der kleine Betrug nicht gravierend genug. Selbst wenn, man findet Sie nicht. Ohne die sechs Meter langen Haare erkennt Sie sowieso niemand mehr.

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