Verkehr

Mehr Sicherheit: Ellerau plant neue Ringstraße

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Burkhard Fuchs
An der Kreuzung Berliner Damm/Alvesloher Straße/Dorfstraße soll eine abknickende Vorfahrt den einfahrenden Verkehr aus Alveslohe zusätzlich abbremsen, sagt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens.

An der Kreuzung Berliner Damm/Alvesloher Straße/Dorfstraße soll eine abknickende Vorfahrt den einfahrenden Verkehr aus Alveslohe zusätzlich abbremsen, sagt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens.

Foto: Burkhard Fuchs

Mit zahlreichen Maßnahmen soll der Verkehr in der Gemeinde beruhigt werden. Segeberger Kreisverwaltung fordert zusätzliche Verkehrsdaten.

Ellerau. Die Gemeinde Ellerau hat ein umfangreiches Verkehrskonzept beschlossen, um den innerörtlichen Verkehr maßgeblich zu beruhigen und für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen. Dazu sind zahlreiche Maßnahmen geplant, die jetzt nach und nach umgesetzt werden sollen. Die zuständigen Kreis- und Landesbehörden müssten zu einigen Vorschlägen noch gehört werden beziehungsweise ihre Zustimmung geben, erklärt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. Erklärtes Ziel aller Fraktionen aber sei es, „das Gefahren- und Unfallrisiko auf unseren Straßen zu senken“, kündigt Martens an. „Derzeit wird hier im Ort leider oft zu schnell gefahren.“

Ein Informationsabend des Bürgervereins, dem Martens als Zweiter Vorsitzender angehört, habe im Oktober die Vorschläge erarbeitet. Etwa 50 Bewohner seien daran beteiligt gewesen.

Ein gutes Dutzend an Einzelmaßnahmen soll für eine nachhaltige Verkehrsberuhigung sorgen. Dazu gehört die Schaffung von zusätzlichen Tempo-30-Zonen ebenso wie die Verlängerung von vorhandenen Tempo-30-Zonen, der Ausbau und die Verbreiterung von Geh- und Radwegen sowie zusätzliche Tempolimits vor den Ortseinfahrten aus Alveslohe und Henstedt-Ulzburg.

„Das Kernstück dieses neuen Verkehrssicherheitskonzeptes ist die Schaffung einer Art Ringstraße um Ellerau herum“, sagt Bürgermeister Martens. Diese soll mit „flankierenden Maßnahmen“ verkehrsberuhigt werden.

Innerhalb dieses Ringes, im Kerngebiet der Gemeinde, sei ohnehin bereits fast überall Tempo 30 vorgeschrieben, so der Bürgermeister.

So soll an drei Stellen die bisherige Vorfahrtsregelung verändert werden, indem abknickende Vorfahrten geschaffen werden, die dem innerörtlichen Verkehr Vorrang geben. Damit soll zum einen der einfahrende Verkehr zusätzlich abgebremst werden, erklärt Martens. Zum anderen soll so der Omnibusverkehr der Buslinie 194 (Norderstedt-Mitte–Quickborn-Heide–Ellerau–Quickborn-ZOB) etwas beschleunigt werden, der durch die neuen Tempo-30-Regelungen an anderer Stelle verlangsamt würde. „Wir wollen den öffentlichen Busverkehr mit der Verkehrsberuhigung auf keinen Fall behindern“, betont Martens. Im Einzelnen sind geplant:


Abknickende Vorfahrten: An der Kreuzung Berliner Damm/Dorfstraße, unmittelbar an der Ortseinfahrt aus Alveslohe, soll sich die Vorfahrtsregelung umkehren. Wer aus dem Nachbarort kommt, müsse künftig warten, bis die Fahrzeuge aus der Dorfstraße in den Berliner Damm eingebogen sind. Dazu müsste die Kreuzung baulich so verändert werden, dass diese Regelung auch für jedermann nachvollziehbar sei und die Autofahrer rechtzeitig abbremsen und anhalten könnten, so Martens. Für jeweils die Hälfte des Autoverkehrs würde sich somit die Vorfahrtsregel ändern, weil etwa gleich viele Fahrzeuge aus Richtung Alveslohe und aus der Dorfstraße kämen.

An der Kreuzung Dorfstraße/Moortwiete soll künftig das Abbiegen aus der Moortwiete nach links in die Dorfstraße erleichtert werden, indem diese zur abknickenden Vorfahrt wird. Wer aus Richtung Kadener Weg kommt, müsste Vorfahrt gewähren.

Im weiteren Verlauf der Moortwiete an der Kreuzung zum Buchenweg soll eine dritte abknickende Vorfahrt geschaffen werden, die die bisherige Regelung aufhebt.


Tempo-70-Regelungen: Um den einfahrenden Autoverkehr maßgeblich abzubremsen und die abknickenden Vorfahrtsregelungen sicherer zu machen, sollen „in gebührendem Abstand“ vor den Ortseinfahrten aus Alveslohe (Alvesloher Straße, L 234) und Henstedt-Ulzburg (Kadener Weg, K 24) jeweils Tempo-70-Beschränkungen eingeführt werden, damit die Fahrzeuge nicht mehr wie bisher mit Tempo 100 heranrasen könnten.


Tempo-30-Zonen: Die Straße Hellhörn (gegenüber der Dorfstraße) soll in Gänze zu einer Tempo-30-Straße erklärt werden. Auf diesem schmalen Weg sei immer dann viel Verkehr, wenn es im Sonderpostenmarkt Mohr in Bilsen günstige Angebote gebe, sagt Martens. Das berge Gefahrenpotenzial insbesondere für Fußgänger und Radfahrer.

Vor der Grundschule an der Dorfstraße soll die Tempo-30-Zone auf rund 220 Meter Länge verdoppelt werden, um den Schülerverkehr sicherer zu machen.

Um die neu zu schaffende abknickende Vorfahrtsregelung an der Moortwiete/Buchenweg zu unterstützen, soll die Moortwiete von der Dorfstraße bis zum Buchenweg und auch die ersten
50 Meter des Buchenweges selbst zur Tempo-30-Zone werden.


Verbreiterung der Radwege: Vor der Schule soll der Radweg an der Dorfstraße von der Moortwiete bis zum Vorderen Kamp von zwei auf drei Meter verbreitert werden. Ebenso ist dies im Schulweg zwischen Am Felde und Dorfstraße geplant.


Lkw-Verkehr: Damit der Schwerlastverkehr aus dem Gewerbegebiet an der Bahnstraße nicht mehr mitten durch die Wohngebiete fahren kann, soll die Moortwiete nur noch für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht zugelassen sein. Somit müssten die Lkw außen herum über Bahnstraße und Berliner Damm zur B 4 nach Alveslohe fahren.

Ob und wann diese neu geplanten Verkehrsregeln umgesetzt werden können, hängt nun von der Zustimmung der Verkehrsbehörden ab, sagt Bürgermeister Martens. Insbesondere müssten die Veränderungen am Berliner Damm zusammen mit der Komplettsanierung der L 234 umgesetzt werden, die der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr für 2021 vorgesehen hat. Die entsprechenden Finanzmittel würden entsprechend in die Haushalte für 2021 bis 2023 eingestellt.


Die Kreisverwaltung beurteilt die Maßnahmen zur nachhaltigen Verkehrsberuhigung in Ellerau allerdings in einigen Punkten eher skeptisch, wie Kreissprecherin Sabrina Müller auf Nachfrage mitteilt. So habe sich in der Straße Hellhörn nicht nachweisen lassen, dass jeder zehnte Autofahrer dort zu schnell fahre, wie von der Gemeinde vorgetragen. Die Polizei habe lediglich 0,4 Prozent an Verstößen dort festgestellt. „Es soll noch eine abschließende Ortsbesichtigung stattfinden“, kündigt Müller an. Zudem seien „keine Gründe erkennbar, die eine Verlängerung der bestehenden 30-km/h-Strecke vor der Grundschule rechtfertigen könnten“.

Zu den Plänen der abknickenden Vorfahrt solle die Gemeinde „zunächst Zahlen zur Ermittlung der Verkehrsbelastung liefern, da eine abknickende Vorfahrt regelmäßig nur für die Straße mit der höheren Verkehrsbelastung in Betracht kommt“, so die Kreisverwaltung. Die in diesem Zusammenhang geforderte zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Tempo 70 vor den Ortseinfahrten aus Alveslohe und Henstedt-Ulzburg werden von der Kreisverwaltung als unbegründet eingeschätzt, weil die Ortstafeln „auf mehr als 150 Metern zu sehen sind und der/die Verkehrsteilnehmer*in seine/ihre Fahrweise entsprechend rechtzeitig anpassen“ könne.

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