Musik

Norderstedter Songwriter auf dem Weg nach oben

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Amir Madani Rascado (38) produziert Musik im Keller seines Reihenhauses in Norderstedt.

Amir Madani Rascado (38) produziert Musik im Keller seines Reihenhauses in Norderstedt.

Foto: Annabell Behrmann

Der Norderstedter Amir Madani Rascado hat es mit einem eigenen Song ins Finale eines international renommierten Wettbewerbs geschafft

Norderstedt. Wenn Amir Madani Rascado am Abend seine beiden Kinder ins Bett gebracht hat, schleicht er die Kellertreppe herunter in seinen Hobbyraum. Für die nächsten Stunden lässt sich der 38-Jährige in einen Ledersessel vor dem Schreibtisch fallen, versinkt in eine andere Welt - und produziert Musik. "Mit Musik kann ich meine ganzen Gefühle rauslassen. Ich produziere Songs, um mein Gleichgewicht zu halten. Für mich ist das wie Sport treiben", sagt der Familienvater. Zwar steht neuerdings auch ein Heimtrainer in seinem Hobbyraum. "Aber mit Musik verbringe ich meine Zeit immer noch am liebsten."

Keyboard, Mikrofon und Boxen sind mit dem Computer verbunden. Mithilfe einer Software, die auch professionelle Musikproduzenten nutzen, arrangiert Madani Rascado im Keller seines Reihenhauses in Norderstedt seine Songs. Ein Werk, das der Hobby-Musiker im vergangenen Jahr in seinem "Home Studio" produzierte, ist so gut geworden, dass es nun im Finale des UK Songwriting Contest gleich in drei Kategorien (Crisis Songs, Open Category und Music Aid 2020) nominiert ist. Die Gewinner sollen Ende Januar bekannt gegeben werden. Der internationale Wettbewerb gilt als einer der bedeutendsten für Songwriter und Musikproduzenten, die nicht bei einem der großen Musikverlage unter Vertrag stehen. "Leute aus der ganzen Welt schauen auf diesen Wettbewerb. Im Finale zu stehen, fühlt sich schon wie ein Sieg für mich an", sagt Madani Rascado.

Madani Rascado ist als Migrantenkind in Norderstedt aufgewachsen

Knapp 10.000 Songs aus 84 Ländern sind bei der Jury in London eingegangen. Nur zwei Prozent der eingereichten Lieder, also etwa 200, haben es über mehrere Auswahlrunden bis ins Finale geschafft. Darunter Amir Madani Rascado mit seinem Song "Dust in little children's eyes". Das Stück erzählt vom schweren Schicksal geflüchteter Kinder, denen alles, was ihnen lieb war, genommen wurde - nur die Hoffnung auf ein Überleben und eine bessere Zukunft bleibt ihnen. "Mir ist es wichtig, über Themen zu schreiben, die mir am Herzen liegen", sagt Madani Rascado. Gerade als Familienvater berühren ihn die Bilder von Flüchtlingskindern in den Medien immer sehr. "Ich kenne ihre Probleme aus meinem Umfeld." Madani Rascado selbst ist als Migrantenkind in Norderstedt aufgewachsen, hat am Gymnasium Harksheide sein Abitur gemacht. Sein Vater stammt aus dem Iran, seine Mutter aus Spanien. "Ich hatte eine tolle Kindheit", sagt er. Doch diese ist leider nicht allen Kindern auf der Welt vergönnt.

Normalerweise hat Madani Rascado zuerst die Melodien für seine Songs im Kopf. Sie fallen ihm in den unmöglichsten Momenten ein. "Manchmal kommt mir eine Idee, wenn ich nach dem Einkaufen die Autotür zuschlage. Dann singe ich die Melodie in mein Handy ein, damit ich sie nicht vergesse." Bei "Dust in little children's eyes" war es andersherum - dem Songwriter ist zuerst der Text eingefallen. Die Botschaft ist ihm bei diesem Lied besonders wichtig. Bis der Hobby-Musikproduzent allerdings zufrieden mit seinem Werk war, vergingen fast vier Monate. Normalerweise benötigt er drei bis vier Tage. "Erst ist der Song in der Schublade gelandet, dann habe ich alles umgeschrieben."

Sänger John Adams aus Wales hat den Song eingesungen

Madani Rascado komponiert lieber, anstatt zu singen. Genau darum geht es beim Songcontest - um das Lied an sich und weniger um den Gesang. "Deshalb habe ich den Song mit meiner Stimme eingereicht", sagt der Künstler. Veröffentlichen möchte er das Lied allerdings mit einer anderen Stimme. Madani Rascado hat Sänger John Adams aus Wales gebeten, den Text für ihn einzusingen.

Hauptberuflich arbeitet der Norderstedter als Projektmanager für eine Hamburger Softwarefirma und entwickelt das Intranet für andere Unternehmen. Um mehr Zeit mit seinen Kindern Leticia (3) und Emilio (7) sowie Frau Yuliana verbringen zu können, hat er sich bewusst dazu entschieden, nur in Teilzeit tätig zu sein. Madani Rascado hat schon die unterschiedlichsten Jobs in seinem Leben ausprobiert. Ursprünglich hat er Französisch, Spanisch, Literaturwissenschaften und Ethnologie studiert, ein Volontariat in einer Pressestelle abgeschlossen, als Redakteur und Pressesprecher gearbeitet. "Musik ist aber mein längster und treuester Begleiter", betont er. Schon als Kind spielte Madani Rascado Blockflöte und Klavier, in der siebten Klasse kreierte er seine ersten Stücke mit einem uralten Computerprogramm. Sein großer Traum ist es, seine Songs irgendwann einmal im Radio oder in Filmen zu hören. "Das ist mir eine Herzensangelegenheit, mein großes Ziel. Wenn ich wüsste, ich kann den Familienunterhalt mit meiner Musik bezahlen, würde ich mein Hobby hauptberuflich betreiben."

Durch die Teilnahme am UK Songwriting Contest könnte er seinem Traum ein großes Stück näher kommen. Die Jury besteht aus bekannten Musikproduzenten und Songwritern. Madani Rascado hat die Chance, für die Branche so wichtige Kontakte zu knüpfen und wahrgenommen zu werden. "Der Songwriting Contest bringt mir sehr viel", sagt er, "vor allem Freude."