Corona-Pandemie

Blumenladen in Norderstedt wird mit Impfzentrum verwechselt

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Burkhard Fuchs
Blumenhändlerin Britta Bayer in Norderstedt ist unfreiwillig zur Sprecherin für das Corona-Impfzentrum geworden. Viele Leute verwechseln wegen der unklaren Beschilderung ihren Laden mit dem Eingang zum Impfzentrum.

Blumenhändlerin Britta Bayer in Norderstedt ist unfreiwillig zur Sprecherin für das Corona-Impfzentrum geworden. Viele Leute verwechseln wegen der unklaren Beschilderung ihren Laden mit dem Eingang zum Impfzentrum.

Foto: Burkhard Fuchs

Blumen statt Corona-Impfung: Die Ausschilderung zum Impfzentrum sorgt vor allem bei älteren Menschen für Verwirrung.

Norderstedt. Noch ist das Corona-Impfzentrum in Norderstedt gar nicht in Betrieb. Das soll erst im Februar in der "TriBühne", den Mehrzwecksälen im Norderstedter Rathaus, losgehen. Bis dahin müssen auch alle Norderstedter Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen das Virus impfen lassen möchten, nach Kaltenkirchen fahren - dort wird bereits seit dem 4. Januar geimpft. Doch das hält vor allem viele betagte Männer und Frauen nicht davon ab, ausgerechnet den Blumenladen direkt am Rathaus anzusteuern. „Ich habe schon halb Norderstedt durchgeimpft“, schmunzelt Britta Bayer, die seit zehn Jahren das Geschäft „Blütenwerk“ betreibt.

„Täglich rufen mich etwa 30 Menschen an und wollen bei mir einen Impftermin vereinbaren“, sagt die Blumenhändlerin. Oft kämen die über 80-Jährigen, die ja als Erstes geimpft werden sollen, sogar im Rollstuhl oder mit dem Rollator bei ihr vorbei, um sich impfen zu lassen. Aus ganz Norderstedt und sogar den Nachbarorten - etwa aus Quickborn - würden sie kommen.

Viele Ältere haben Angst, nicht mehr rechtzeitig dranzukommen

„Die sind mit Bus und Bahn gefahren und schleppen sich oft mühsam hierher, die armen Menschen, und suchen den Eingang zum Impfzentrum“, berichtet Britta Bayer. „Die sind dann immer ganz fassungslos, wenn sie hören, dass sie bei mir nur Blumen oder Blumenwasser bekommen können.“ Manche hätten regelrecht Angst, dass sie nicht mehr rechtzeitig drankommen bei der Corona-Impfung.

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Schuld an dieser Verwechslung ist die Beschilderung der Stadt. Direkt über dem Firmenschild von Bayers „Blütenwerk“, das dort seit Jahren hängt, hat die Verwaltung ein sehr großes Schild angebracht, das in großen Lettern „Corona/Covid 19 – Impfzentrum Norderstedt“ verkündet.

Das suggeriert den Bürgerinnen und Bürgertn, dass sich sozusagen das eine in dem anderen befindet. Vor allem alte Menschen, die sich oft nicht mehr so gut orientieren können, sind irritiert. Der richtige Eingang zum künftigen Impfzentrum befindet sich nämlich links neben dem Haupteigang zum Rathaus - dort geht es in die "TriBühne". Allerdings ist der Eingang schlecht einsehbar. Und da sich der Blumenladen vor diesem Eingang befindet und alle Personen, die zum Impfzentrum wollen, an dem Geschäft vorbeigehen müssen, spazieren eben viele Impfwillige in den Bayerschen Blumenladen.

Hunderte Menschen musste Bayer schon enttäuschen

Wegen der eingeschränkten Verkaufsmöglichkeiten im Corona-Lockdown, der ihr ein gutes Drittel ihres Umsatzes gekostet habe, darf Blumenhändlerin Bayer zurzeit niemanden in ihren Blumenladen lassen. Sie darf nur noch Kunden bedienen, die ihre Blumen vorher bestellt haben und sie dann bei ihr abholen. Damit die Kunden sie auch erreichen können, hat sie ihre Telefonnummer an die Eingangstür geheftet. Inzwischen hat sie darunter zur Klarstellung hinzugefügt: „Hier nur Blumen!!! Keine Impfungen!“

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Dennoch rufen viele Leute an, weil sie glauben, sie könnten in dem "Impfzentrum Blütenwerk" einen Impftermin bekommen. Hunderte seien es bereits gewesen, die sie habe enttäuschen müssen, sagt Britta Bayer. „Das ist schon manchmal nervig, aber nicht unbedingt lästig. Ich finde das eher lustig“, sagt die Blumenhändlerin, die früher ihre Trockenblumen auf dem Norderstedter Wochenmarkt angeboten hat.

Sie habe ihren Vermieter, die Mehrzwecksäle GmbH, schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Beschilderung die Leute offenbar verwirrt. Daraufhin wurde ein zusätzliches Schild „Impfzentrum Eingang“ angebracht. Am Verhalten der Leute habe das nicht viel geändert. Die fragten nach wir vor bei ihr an, sagt Britta Bayer. Im Rathaus bei Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek ist das Problem noch nicht angekommen. „Das ist mir neu“, sagt er. Aber auch ins Rathaus seien bereits ältere Damen und Herren gekommen und hätten sich gewundert, wo denn nun das Impfzentrum sei.

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