Silvester

"Ein außergewöhnlich ruhiger Jahreswechsel"

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Andreas Burgmayer
Beim Hantieren mit illegaler Pyrotechnik verletzte sich ein 40-Jähriger aus Alveslohe lebensgefährlich.

Beim Hantieren mit illegaler Pyrotechnik verletzte sich ein 40-Jähriger aus Alveslohe lebensgefährlich.

Foto: Bodo Marks / picture alliance / dpa

Polizei und Feuerwehr erlebten eine ruhige Silvesternacht im Kreis Segeberg. Nur wenige Einsätze waren ernst.

Kreis Segeberg Ein 40-jähriger Mann aus Alveslohe wurde in der Silvesternacht mit schweren und lebensbedrohlichen Kopfverletzungen in ein Hamburger Krankenhaus eingeliefert. Er hatte mit illegaler Pyrotechnik hantiert. Zu seinem aktuellen Gesundheitszustand ist der Polizei gegenwärtig nichts bekannt.

Insgesamt verzeichnete die Polizeidirektion Bad Segeberg in der Silvesternacht aber ein etwas geringeres Einsatzaufkommen als im Vorjahr. Die Polizeibeamten wurden zu 180 Einsätzen in den Kreisen Segeberg und Pinneberg gerufen. Im Vorjahr waren es insgesamt 45 Einsätze mehr.

Anlässe waren überwiegend alkoholbedingte Streitigkeiten und Körperverletzungen sowie Sachbeschädigungen und Brände. Am meisten hatten die Beamten am Telefon zu tun. Etwa 80 Anrufer meldeten sich in der Einsatzleitstelle und fragten nach, ob das Abbrennen von Feuerwerkskörpern grundsätzlich erlaubt ist. Trotz des Verkaufsverbotes waren in den Haushalten offensichtlich noch genügend Altbestände an Feuerwerkskörpern vorhanden, die im gesamten Kreisgebiet abgebrannt wurden.

Einsätze wegen der Nichteinhaltung von Corona-Regelungen waren kaum zu registrieren. Die Menschen blieben weitestgehend zuhause und hielten sich an die Auflagen, teilt die Polizei mit.

Neben dem lebensgefährlich verletzten Alvesloher heben die Beamten nur noch zwei Fälle aus dem Einsatzgeschehen hervor. Auf einem Parkplatz an der Schulstraße in Henstedt-Ulzburg brannte ein Elektro-Kleinfahrzeug eines Pizza-Dienstes komplett aus. Das Feuer beschädigte auch zwei weitere dort abgestellte Fahrzeuge. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

An der Straße Achternfelde in Norderstedt wurden zwei 15-jährige Jugendliche festgenommen, nachdem diese zuvor von Zeugen bei einer Sprengung mit illegaler Pyrotechnik eines Zigarettenautomaten beobachtet worden waren.

Von einem außergewöhnlich ruhigen Jahreswechsel berichten die Feuerwehren im Kreis Norderstedt und im ganzen Land. Die Leitstelle der Feuerwehr in Norderstedt verzeichnete nur acht Einsätze mit Bezug zur Silvesternacht im Kreis. Neben dem Brand des Wagens in Henstedt-Ulzburg hatten die Wehren sonst nur kleinere Brände zu löschen, etwa in Brand gesetzte Mülltonnen oder Unrat.

Mit nur drei Einsätzen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Silvesternacht erlebte die Freiwillige Feuerwehr Norderstedt einen sehr ruhigen Jahreswechsel. Die Entscheidung keine Silvesterbereitschaft zu stellen, sondern die vier Freiwilligen Feuerwehren regulär zu alarmieren, sei aus Sicht der Wehrführung voll aufgegangen.

Zu einem ersten Einsatz kam es am Silvesterabend gegen 19.30 Uhr. Die Feuerwehr Harksheide löschte eine brennende Mülltonne auf einem Kinderspielplatz an der Heidbergstraße. Gegen 21.50 Uhr wurde die Feuerwehr Glashütte alarmiert. Am Glashütter Damm war eine Hecke in Brand geraten, konnte allerdings bereits durch Anwohner gelöscht werden. Die Feuerwehr kontrollierte die Stelle mit einer Wärmebildkamera nach.

Die Garstedter Wehr wurde am Neujahrsmorgen gegen 6.50 Uhr an die Ulzburger Straße gerufen. Dort brannte der Inhalt eines Papiercontainers. Das Betriebsamt der Stadt Norderstedt hob den Container an und ließ den brennenden Inhalt frei, der dann zügig gelöscht wurde.

In Harksheide rückte die Wehr gegen 11 Uhr abermals an die Ulzburger Straße aus. Einer Person war das Essen auf dem Herd derart stark angebrannt, dass die Wohnung durch die Feuerwehr belüftet werden musste. Die Person wurde vom Rettungsdienst behandelt.

Auch die Freiwillige Feuerwehr Friedrichsgabe wurde am Silvestertag alarmiert. Gegen 6.30 Uhr war auf der Ulzburger Straße ein Auto auf ein Müllfahrzeug aufgefahren. Ausgetretene Betriebsstoffe mussten durch die
Sielbereitschaft des Betriebsamtes aufgenommen werden. Gegen 9.50 Uhr löste noch eine Brandmeldeanlage am Falkenkamp aus. Ursächlich war hier Wasserdampf.

Auch im übrigen Schleswig-Holstein blieb es ruhig, der Feuerwehrverband spricht sogar von der ruhigsten Silvesternacht seit ewigen Zeiten. Nach Auswertung der ersten Berichte der Leitstellen im Land mit Stand 6 Uhr wurden landesweit nur 67 Feuerwehreinsätze gezählt. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Zahl bei etwa 300 Einsätzen.

Den größten Personaleinsatz bedingte um 0.38 Uhr ein Dachstuhlbrand in Jübek. Die Löschversuche des Eigentümers waren erfolglos geblieben. Sieben Feuerwehren und viele Einsatzkräfte unter Atemschutz verhinderten den Großbrand und brachten das Feuer unter Kontrolle.

Die Leitstelle Mitte verzeichnete für die Bereiche Kiel, Rendsburg-Eckernförde, und Plön nur acht acht Feuerwehreinsätze. "Es war äußerst entspannt", meldete die Feuerwehr. Auch in den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg gab es nur 13 Feuerwehreinsätze. Darunter eine Notfalltüröffnung in Glückstadt. Doch dahinter stießen die Feuerwehrleute nur auf eine schwerhörige Dame, deren defekte Lampe mit einer minimalen Rauchentwicklung den Alarm ausgelöst hatte.

Die Leitstelle Süd für die Kreise Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein zählte 17 Brandeinsätze. In Bargfeld-Stegen wurde eine Person bei einem Verkehrsunfall verletzt. In Neumünster sprach die Feuerwehr von einer "sowas von ruhigen Nacht". Im Stadtgebiet kam es lediglich zu einem Kleinbrand auf der Straße durch brennendes Silvesterfeuerwerk.

Landesbrandmeister Frank Homrich dankte den überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren, aber auch den Beamten der vier Berufsfeuerwehren im Land für die Bewältigung der Einsätze in der
Silvesternacht. "Auch wenn die Einsatzzahlen durch das diesjährige Verkaufsverbot von Feuerwerk auf einem historischen Tiefstand sind, hat sich unser flächendeckendes Netz an Feuerwehren auch in dieser besonderen Nacht
wieder einmal bewährt. Ohne das Ehrenamt hätte unsere Sicherheitsarchitektur gravierende Schwächen", so Homrich.

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