Kreis Segeberg

Vor Weihnachten noch einen Corona-Schnelltest

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Burkhard Fuchs
Die Helfer Darina Niemann (sitzend) und Philipp Borgolte (m.) nehmen einen Abstrich bei einem Probanden. Das Ergebnis gibt’s nach 20 Minuten per E-Mail.

Die Helfer Darina Niemann (sitzend) und Philipp Borgolte (m.) nehmen einen Abstrich bei einem Probanden. Das Ergebnis gibt’s nach 20 Minuten per E-Mail.

Foto: Burkhard Fuchs

Safe-Santa-Testaktion ist angelaufen – obwohl die Gesundheitsbehörden die Aussagekraft der Tests kritisch sehen.

Bad Segeberg.  Für Ulrich Lindinger ist Weihnachten gerettet. „Für mich kommt der Schnelltest hier wie gerufen“, sagt der Österreicher am Montagmittag erleichtert vor der Sporthalle der Burgfeldschule in Bad Segeberg. Mit dem negativen Testergebnis könne er jetzt länger als 72 Stunden bei seiner Frau bleiben, die in der Kreisstadt lebt, und müsse nicht sofort wieder zurück nach Steyer in Oberösterreich abreisen, freut sich Lindinger. „Safe Santa“ nennt sich die Corona-Schnelltestaktion. Noch bis Mittwoch können bis zu 1500 Menschen aus dem Kreis Segeberg hier für 35 Euro einen Antigen-Schnelltest machen lassen.

Der Segeberger Arzt Andreas Lenhard hat die Aktion vor Weihnachten initiiert, nachdem er davon hörte, wie erfolgreich diese Schnelltests im ganzen Bundesgebiet angeboten werden. „Dann haben wir uns gesagt: ‚Das machen wir hier auch‘“, sagt der Gynäkologe, der die medizinische Leitung der Aktion innehat. „Warum sollen die Leute extra ins Alstertal-Einkaufszentrum nach Hamburg fahren, wo sie diese Test auch machen?“

Bad Segebergs Bürgermeister stellt Sporthalle zur Verfügung

Mit Hilfe der Agentur Kalkberg Konsorten von Michael Witt waren schnell 60 Helfer mobilisiert. Sie stecken den Probanden ein Wattestäbchen tief in die Nase und nehmen so einen Abstrich. Dieser wird vor Ort auf eine mögliche Virusinfektion hin untersucht. „Das kitzelt nur ein wenig, weh tut es nicht“, sagt Jens Weimar aus Klein Rönnau, nachdem ihm Helfer Philipp Borgolte in wenigen Sekunden das Stäbchen in die Nase gesteckt hatte. Er habe am Morgen leichte Halsschmerzen verspürt, sagt Weimar, darum wollte er sich lieber testen lassen. „Ich will auf keinen Fall meine Frau anstecken, die Hochrisiko-Patientin ist.“

Helfer Borgolte und seine Kollegin Darina Niemann, die beide eine Ausbildung zu Ergotherapeuten in der Kreisstadt absolvieren, haben sich spontan wie die anderen Helfer zum Mitmachen an dieser Aktion bereiterklärt. „Es gibt ein gutes Gefühl, Menschen helfen zu können in dieser schweren Zeit“, sagt Darina Niemann. „Es ist eine gute Tat, die auch noch bezahlt wird“, sagt Borgolte.

Einer der Mitinitiatoren dieser Schnelltests, die auch in Flensburg, Kiel, Hamburg und im Kreis Rendsburg-Eckernförde angeboten werden, ist Segebergs scheidender Bürgermeister Dieter Schönfeld. „Jeder Mensch, der Gewissheit darüber haben möchte, wie sein gesundheitlicher Zustand ist, sollte diese Möglichkeit haben, sich schnell untersuchen zu lassen“, findet der Verwaltungschef der Kreisstadt.

Darum habe er den Organisatoren um den Arzt Andreas Lenhard und den Unternehmer Hanno Hagemann spontan die Schulsporthalle an der Burgfeldstraße kostenlos zur Verfügung gestellt. „Ich stehe zu der Aktion. Das ist eine gute Sache.“ Auch wenn es sich bei dem Test natürlich „nur um eine Momentaufnahme“ handeln könne, so Schönfeld. „Es ist keine Garantie, dass es auch bis Silvester so bleibt.“ Das gelte auch für seinen eigenen Antigentest, den er Sonntagabend spontan gemacht habe und der negativ ausgefallen sei. Aber die Menschen würden sich ein bisschen sicherer fühlen.

600 Menschen haben sich für Schnelltests angemeldet

Wie der 74 Jahre alte Hans-Werner Fölster aus Bockhorn an der B 206. Über Nacht habe er „starke Kopfschmerzen“ gehabt, erklärt der Senior im Testzentrum, über deren Ursache er schnell Gewissheit haben wollte. Davon ist auch der leitende Arzt Lenhard überzeugt. „Die Menschen erhalten so das Gefühl, dass sie selbst etwas beitragen können, was ihnen etwas Sicherheit gibt.“

Die Kreisverwaltung vermochten der Mediziner Lenhard und Bürgermeister Schönfeld bei einem Gespräch in der vorigen Woche nicht vollends von der Aktion zu überzeugen. Landrat Jan Peter Schröder, der die Testerei zunächst komplett abgelehnt hatte, zweifelt nach wie vor „an der Sinnhaftigkeit und Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests, wenn keine Symptome vorliegen“. Dennoch konnten in dem Gespräch Missverständnisse und Unklarheiten beseitigt werden, sodass der Kreis als zuständige Behörde der Aktion keine Steine in den Weg legte. Gleichwohl betont Landrat Schröder: „Ein negatives Ergebnis ist kein Freifahrtschein. Es muss klar sein, dass es sich hierbei immer nur um eine Momentaufnahme handelt.“

600 Menschen aus dem Kreis Segeberg hätten sich für den Antigen-Schnelltest angemeldet, sagt Mitorganisator Witt. Bis Montagmittag waren die ersten 100 Menschen getestet, alle negativ, wie Witt berichtet. Probanden dürften auch spontan vorbeikommen. Wer positiv getestet würde, müsse sich nach 17 Uhr einem zweiten PCR-Test in der Praxis von Andreas Lenhard unterziehen und sich bei positiver Bestätigung „automatisch sofort unter behördliche Quarantäne“ begeben, betont die Segeberger Kreisverwaltung. Das Ergebnis der Schnelltests erhalten die Probanden etwa 20 Minuten nach dem Abstrich per E-Mail zugesandt.

Wer sich testen lassen möchte, meldet sich unter www.safe-santa.de an oder unter 04551/882 44 83. Der Test kostet 35 Euro, ein Ausweis ist mitzubringen.

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