Rätsel

Die Ursprünge von Rechten und Freiheiten

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem heutigen Denksport-Rätsel suchen wir ein Dokument.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!

König John saß mächtig in der Klemme. Dabei hatte zunächst alles bloß nach einem kleinen kirchenpolitischen Gerangel ausgesehen: John erschien die Ernennung eines gewissen Stephan Langton zum Erzbischof von Canterbury als unpassende Wahl. Dann eskalierte die Angelegenheit. Papst Innozenz III. exkommunizierte ihn, erklärte ihn dann für abgesetzt und bot die englische Krone dem französischen König Philipp II. Augustus an. Der Franzose hatte den päpstlichen Steilpass angenommen und mit seinem Heer bei Bouvines die englischen Truppen vernichtend geschlagen.

Jetzt half John nur noch die unbedingte Loyalität seiner Kronvasallen. Die Barone erkannten die Gunst der Stunde. Am 15. Juni 1215 trafen ihre Verhandlungsführer den König auf einer Wiese bei Windsor und unterbreiteten ihre Forderungen, schriftlich in 49 Artikeln formuliert.

John forderte Bedenkzeit. Beim Studium des Dokuments dürfte er schwer geschluckt haben: Zum Vorteil der feudalen Stände sollte die Königsgewalt rechtlich kanalisiert, die willkürliche Steuererhebung beseitigt und von der Zustimmung der Adeligen abhängig gemacht werden.

John grübelte drei Tage lang, unterschrieb endlich zähneknirschend und stand künftig als der Regent in den Geschichtsbüchern, unter dessen Herrschaft so etwas wie die Gründungsurkunde europäischer Demokratie zustande gekommen war – ein Demokrat wider Willen zwar, aber immerhin.

Die ausgehandelten Rechte und Freiheiten bezogen sich fast ausschließlich auf den Adel und die Geistlichkeit. Doch künftig beriefen sich auch andere um ihre Freiheit ringenden Stände, Gruppen und Gesellschaftsklassen auf das denkwürdige Dokument. Mehrmals wurde es nachgebessert, 1534 endlich aus dem Lateinischen ins Englische übersetzt.

Zitiert wird es noch heute, denn einige der Artikel klingen hochmodern und haben ihre Aktualität – leider – nie eingebüßt. So garantiert Artikel 33 jedermann das Recht der Freizügigkeit, ein Staatsgebiet „zu verlassen oder zu betreten“. Artikel 14 postuliert, dass ein Angeklagter nur nach dem Grad seines Vergehens, nicht aber nach politischen Gesichtspunkten bestraft werden soll. Forderungen, die ebenso gut in einem Grundsatzkatalog von „Amnesty International“ formuliert sein könnten.


Unter welcher Bezeichnung ging das Dokument in die Geschichte ein?


Die Antwort steht am Dienstag im Hamburger Abendblatt. Am Sonnabend suchten wir eine Oper, die zu Ehren der Kanalarbeiter des Suez-Kanals komponiert und bei der Eröffnung des Bauwerks 1869 erstmals aufgeführt wurde: Es handelte sich um die Oper Aida des Komponisten Giuseppe Verdi.

( jasch )

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