Kreis Segeberg

23.400 Euro Geldstrafe für fahrlässige Tötung

| Lesedauer: 2 Minuten
Der Unfall ereignete sich im stark befahrenen Einmündungsbereich Henstedter Straße/Mühlenredder.

Der Unfall ereignete sich im stark befahrenen Einmündungsbereich Henstedter Straße/Mühlenredder.

Foto: Christopher Herbst

Amtsgericht verurteilt 86-Jährigen aus Kisdorf. Er hatte im Oktober 2019 eine elfjährige Schülerin überfahren.

Kisdorf.  Wohl niemand in der Region hat diesen Unfall vergessen. Am 21. Oktober 2019, an einem Montagmittag um kurz nach 13 Uhr, überrollte ein 86-Jähriger mit seinem Geländewagen eine elf Jahre junge Radfahrerin aus Henstedt-Ulzburg, die gemeinsam mit ihrer Schwester von der Schule nach Hause fahren wollte. Das Mädchen verstarb noch vor Ort im Einmündungsbereich Henstedter Straße/Mühlenredder in Kisdorf.

Etwas mehr als ein Jahr später hat das Amtsgericht Bad Segeberg den Unfallfahrer, einen Mann aus Kisdorf, wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 23.400 Euro verurteilt. Die „Segeberger Zeitung“ berichtet von einer sehr emotional geführten Verhandlung. So habe der Angeklagte gleich zu Beginn eingeräumt, das Mädchen übersehen zu haben. „Schon tausendmal“ sei er an der Unfallstelle gefahren, er habe nach rechts geschaut, ob Radfahrer oder Fußgänger zu sehen seien, sei dann von Süden kommend mit Tempo 20 in den Mühlenredder abgebogen. Genau in diesem Moment fuhr die Elfjährige über die Straße. Deren Schwester (14), die fünf Meter dahinterfuhr, schilderte das Geschehen im Gericht. „Ich habe nur einen Knall gehört“, dann habe sie zu ihrer Schwester gesehen, aber diese sei nicht mehr da gewesen. Sie habe sie dann unter dem Auto entdeckt.

Sachverständiger: Unfall wäre vermeidbar gewesen

Der Angeklagte habe, so die „Segeberger Zeitung“, still am Steuer gesessen. Die 14-Jährige wählte den Notruf, rief ihre Mutter an, leistete zusammen mit einer zufällig vorbeigekommenen Lehrerin Erste Hilfe. Rettungssanitäter waren wenige Minuten später an der Unfallstelle, doch die Reanimationsversuche waren vergeblich.

Vor Gericht erklärte ein Sachverständiger, dass der fatale Unfall vermeidbar gewesen wäre, der Fahrer hätte drei Sekunden Zeit gehabt – wenn er denn nur nach vorne geschaut hätte. Der Angeklagte sagte, es verginge kein Tag, an dem er nicht an den Unfall denke. Er teile die Trauer, es werde ihn den Rest seines Lebens verfolgen. Aber er gab an, andere Erinnerungen zu haben. Richter Aykut Tuncel hielt das für einen Selbstschutz, um sich in besseres Licht zu stellen. Und entgegnete, so die „Segeberger Zeitung“, dass Akten und Zeugenaussagen dagegen sprächen.

Daher folgte das Schöffengericht dem Antrag der Staatsanwältin Ina Nentwig auf eine Strafe von 180 Tagessätzen à 130 Euro. Ihrer Forderung, dem Rentner auch den Führerschein abzunehmen, konnte das Gericht nicht nachkommen. Das sei Sache der Fahreignungsbehörde. Richter Tuncel empfahl dem Angeklagten allerdings eindringlich, seine Fahrerlaubnis abzugeben.

( che )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt