Prozess

Vier Jahre Haft für Brandstiftung gefordert

Foto: Arne Dedert / dpa

Im Fall Högersdorf wird das Urteil am 10. Dezember erwartet. Verteidiger des in Deutschland lebenden Afghanen will auf JustitiaFreispruch plädieren.

Kiel/Högersdorf.  Im Indizienprozess um den Brand des Flüchtlingsheims in der 400-Einwohner-Gemeinde Högersdorf hat die Staatsanwältin am Mittwoch im Kieler Landgericht vier Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe wegen schwerer Brandstiftung für den Angeklagten gefordert. Nach den Worten von Staatsanwältin Gesine Ohst überführen Zeugenaussagen und Indizien den Ex-Bewohner. Der seit 2016 in Deutschland lebende Afghane (22) habe zuvor mehrfach erfolglos eine Umquartierung beantragt. Einen technischen Defekt als Brandursache schloss die Anklägerin mit Hinweis auf das Gutachten eines Sachverständigen aus.

Ein Mitbewohner des Angeklagten war in der Nacht zum 24. April vom Qualm brennender Plastikteile aufgeschreckt worden. Er weckte seine schlafenden Landsleute und versuchte vergeblich, die Flammen im Gemeinschaftsraum der afghanischen Männer-WG mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Nach eigener Aussage wurde der Zeuge vom Angeklagten aufgefordert, „es brennen zu lassen“. Schon einmal fiel eine Unterkunft des Afghanen einer Brandstiftung zum Opfer: Am 17. September 2017 war ein von 16 Flüchtlingen bewohntes Haus in Wittenborn angesteckt worden. Der Täter blieb unbekannt. Auch dort hatte sich der Angeklagte um einen Wohnungswechsel bemüht, so die Staatsanwältin. Das Amt Leezen lehnte ab. „Wenn es brennt, klappt es auf einmal“, habe der Angeklagte sinngemäß gesagt. Zwei Monate nach dem Brand wurde sein Asylantrag abgelehnt.

Für die Täterschaft des Afghanen im Fall Högersdorf spricht laut Anklage, dass er zur Tatzeit wach gewesen sei, während seine arglosen Mitbewohner geschlafen hätten. Diese hatten bereits im April 2019 das zuständige Ordnungsamt „dringend gebeten“, den ungeliebten Mitbewohner auszuquartieren. Der Mann sei „ständig aggressiv“ und wirke psychisch gestört.

In der Tatnacht telefonierte der Angeklagte laut Auswertung seiner Handy-Daten zwischen 0.15 Uhr und 2.12 Uhr mit seiner Verlobten. Danach versuchte ihn die 18-Jährige vergeblich zu erreichen. Erst gegen 3 Uhr, als das Haus in Flammen stand, kam der nächste Kontakt zustande: Der Angeklagte zeigte der Verlobten per Videochat die Flammen.

Andere Täter kommen laut Staatsanwältin Ohst nicht in Betracht: „Für einen alternativen Geschehensablauf gibt es keine Anhaltspunkte.“ Strafschärfend seien die massive Gefährdung von Menschenleben und der hohe Sachschaden von etwa 500.000 Euro.

Strafverteidiger Carsten Kerschies spricht dagegen von einem Komplott der Mitbewohner gegen seinen Mandanten Er will am 10. Dezember auf Freispruch plädieren. Für denselben Tag hat die Strafkammer das Urteil angekündigt.