Corona-Pandemie

Das Elixia verliert jeden Monat 150 Kunden

Der FDP-Landtagsabgeordnete Stephan Holowaty (v. l.) aus Henstedt-Ulzburg, Gyde Jensen, Abgeordnete der FDP im Deutschen Bundestag, und FDP-Chef Michael Reimers aus Norderstedt informierten sich bei einem Rundgang mit Elixia-Geschäftsführer Heiko Pfeiffer über die momentane Lage des Fitnessstudios an der Essener Straße in Langenhorn.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Stephan Holowaty (v. l.) aus Henstedt-Ulzburg, Gyde Jensen, Abgeordnete der FDP im Deutschen Bundestag, und FDP-Chef Michael Reimers aus Norderstedt informierten sich bei einem Rundgang mit Elixia-Geschäftsführer Heiko Pfeiffer über die momentane Lage des Fitnessstudios an der Essener Straße in Langenhorn.

Foto: örg Riefenstahl / Jörg Riefenstahl

Geschäftsführer Heiko Pfeiffer schildert FDP-Politikern die dramatische Lange der Fitnessstudios und fordert ein Umdenken.

Norderstedt.  Fitnessstudios gehören zu einer Branche, die es in der Corona-Krise besonders hart getroffen hat. Die Sporteinrichtungen gehörten bereits im Frühjahr zu den ersten, die ihren Betrieb flächendeckend einstellen mussten. Im zweiten Lockdown sind es erneut die Fitnessstudios, die auf staatliche Anordnung hin geschlossen bleiben. Zunächst bis Ende November – nun voraussichtlich mindestens bis Ende des Jahres.

Vieles deutet darauf hin, dass sich an der Zwangsschließung auch im neuen Jahr erst einmal wenig ändern wird. Grund genug für den Landtagsabgeordneten der FDP, Stephan Holowaty aus Henstedt-Ulzburg, und die Rendsburgerin Gyde Jensen, FDP-Abgeordnete im Deutschen Bundestag, sich ein Bild über die aktuelle Situation vor Ort zu machen. Zusammen mit Michael Reimers, FDP-Chef aus Norderstedt, besuchten sie das Fitness-Center Elixia in Langenhorn an der Landesgrenze zu Norderstedt. Mit aktuell rund 4200 Mitgliedern ist es das größte in der Region.

,,Durch den Lockdown wurde unsere Arbeit der letzten fünf Jahre zunichtegemacht“

Die Trainingsgeräte sind unter Plastikplanen verhüllt, die Fläche für das Krafttraining im Obergeschoss ist menschenleer. Im Elixia herrscht gespenstische Ruhe. ,,Seit dem Beginn der Pandemie haben uns 600 Mitglieder den Rücken gekehrt“, berichtet Heiko Pfeiffer, der Geschäftsführer des Studios. Jeden Monat, an dem das Elixia wegen des Lockdowns nicht öffnen darf, verliert er 150 weitere fitnessbegeisterte Kunden. Daran vermag das ausgeklügelte Hygienekonzept mit genügend Abstand, ausreichend Durchlüftung, Desinfektionsmittel und Trennwänden aus Plexiglas ebenso wenig ändern wie das umfassende Online-Angebot mit Live-Kursen, mit dem Pfeiffers Team die Sportlerinnen und Sportler im Lockdown zu Hause weiter versorgt.

Die 35 fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Studios sind bis auf wenige Ausnahmen in Kurzarbeit, ein großer Teil der rund 15 bis 20 freiberuflichen Fitnesstrainer macht Zwangspause. Lediglich der medizinische Bereich für ärztlich verordnete Physiotherapie und Reha-Sport darf geöffnet bleiben. Ohne staatliche Unterstützung wäre sein Betrieb in spätestens zwei Monaten pleite, sagt Pfeiffer. Immerhin hat er Anspruch auf die sogenannte Novemberhilfe des Bundes in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahres. Dem stehen allerdings erhebliche laufende Kosten für Miete, Strom und Heizung des Schwimmbades gegenüber.

Als er vor zehn Jahren den damals insolventen Betrieb übernahm, hat er ihn Jahr für Jahr stetig zum Erfolg geführt. Doch dann kam Corona. ,,Durch den Lockdown wurde unsere Arbeit der letzten fünf Jahre zunichtegemacht“, sagt Pfeiffer. Allein 60.000 Euro sind seinen Angaben zufolge in das Hygienekonzept geflossen. Noch einmal 20.000 bis 30.000 Euro sollte ein neues, erweitertes Luftreinigungssystem kosten. Das wäre der nächste Schritt gewesen. ,,Heute bin ich froh, dass wir das noch nicht gemacht haben“, so Pfeiffer. ,,Das hätten wir finanziell nicht verkraftet.“

,Wir durften erst acht Wochen später als in Schleswig-Holstein unsere Schwimmbäder und Saunen wieder öffnen"

Vom Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher ist er enttäuscht. ,,Wir gehörten im Frühjahr zu den Ersten, die schließen mussten und zu den Letzten, die wieder öffnen durften“, sagt der Geschäftsführer. Rund 50 Prozent seiner Mitglieder kommen aus Norderstedt. ,,Wir durften erst acht Wochen später als in Schleswig-Holstein unsere Schwimmbäder und Saunen wieder öffnen. Da sind unsere Mitglieder zum Schwimmen und Saunieren ins Arriba in Norderstedt gefahren.“

Dass das Studio nach all den Anstrengungen in Sachen Hygiene nach fünf Monaten wieder dichtgemacht wurde, könne niemand verstehen, sagt der Chef. ,,Die regionalen Konzepte sollten stärker aufeinander abgestimmt werden. Sonst wird es schwierig, den Menschen den Sinn solcher politischen Entscheidungen zu vermitteln“, sagt Gyde Jensen, selbst Mitglied in einem Fitnessstudio und mit 30 Jahren die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Die Mitgliedschaft in ihrem Fitnessclub ruht, ebenso die des Landtagsabgeordneten Stephan Holowaty in einem Studio in Henstedt-Ulzburg.

Elixia hat 60.000 Euro in ein Hygienekonzept investiert

Wie halten sich die Politiker stattdessen fit? ,,Spazieren gehen“, verrät Jensen. ,,Das ist aber etwas anderes und ersetzt nicht das, was ich sonst an den Geräten mache“, sagt die Politikerin. ,,Ich leiste mir einen Personal-Trainer“, ergänzt Stephan Holowaty. ,,Das ist in Schleswig-Holstein erlaubt. Ich weiß, dass das ein großes Privileg für mich ist und für die Masse der Menschen nicht infrage kommt.“

Vor allem jüngere Mitglieder haben dem Fitnessstudio am Hamburger Rand während der andauernden Pandemie inzwischen den Rücken gekehrt. Im Elixia stieg das Durchschnittsalter damit auf 50 Jahre. ,,Für die Hälfte der über 60-Jährigen ist das Studio ihre zweite Familie. Sie trinken Kaffee, für sie ist es ein Treffpunkt“, betont Pfeiffer. Damit erfüllt das Studio neben körperlicher Fitness eine soziale Funktion, gerade für ältere Menschen.

Ob im Elixia auch Schwimmkurse angeboten werden, will Gyde Jensen wissen. Normalerweise zehn bis elf Schwimm- und Präventionskurse pro Woche in Zusammenarbeit mit der Rheumaliga und dem DRK im 30 Grad warmen Becken, lautet die Antwort des Geschäftsführers. All das entfällt im Lockdown II – ebenso die Mitgliedsbeiträge für November und Dezember. ,,Wir halten nichts davon, die Mitgliedschaft unserer Kunden einfach zu verlängern“, sagt Pfeiffer.

Politiker zeigen sich vom Hygienekonzept im Elixia überzeugt

Die Politiker zeigen sich vom Hygienekonzept im Elixia überzeugt und betrachten die flächendeckende Schließung von Fitnessstudios kritisch. ,,Es ist die Frage, ob wir weiter ein Kontaktkonzept oder ein Hygienekonzept verfolgen wollen“, sagt Holowaty. Das Kontaktkonzept schade der Wirtschaft mehr, betont der FDP-Politiker. Aus seiner Sicht sei es ,,ein großer Fehler gewesen“, so viele Betriebe zu schließen. ,,Und es ist sozial schädlich“, ergänzt Gyde Jensen. Man müsse stärker auf die regionale Situation schauen und entsprechend handeln. ,,Es gab keine erhöhte Inzidenz, als die Studios im Sommer offen waren. Da stimmte das Hygienekonzept“, so die Liberale.

Dass der Weg staatlich verordneter Schließungen mit teuren öffentlichen Hilfen irgendwann ein Ende haben wird, ist allen klar. Die vom Bund ins Spiel gebrachte Forderung nach einer Kostenbeteiligung der Länder an einer möglichen Überbrückungshilfe für Unternehmen im kommenden Jahr lehnt Holowaty ab. Schleswig-Holstein sei angesichts hoher Schulden für die HSH-Nordbank und die Banken- und Finanzkrise überhaupt nicht in der Lage zu einer Kofinanzierung.

Weil ein Impfstoff frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres Wirkung entfalten werde, lautet Holowatys Formel für den weiteren Weg aus der Corona-Krise: ,,Wenn die Inzidenz unter einen gewissen Punkt fällt, müssen wir die Strategie ändern.“ Gyde Jensen ergänzt: ,,Wir müssen mehr darüber reden und brauchen mehr Mitsprache statt einsame Entscheidungen der Ministerpräsidentenkonferenz.“