DEnksport-Rätsel

Ein „Suppenschüssel“-Abo für 999 Jahre

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel geht es um einen großen Bau mit schlechter Akustik.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


Queen Victoria hatte den Auftrag erteilt und im Jahr 1867 persönlich den Grundstein gelegt. Im Dienste Ihrer Majestät gaben Captain Francis Fowke und Major General Henry Scott nun alles: Die königlichen Ingenieure klotzten eine Art römisches Amphitheater aus dem Boden – eingedenk des Londoner Wetters allerdings nicht „open air“, sondern kuppelgekrönt.

Bis 1871 entstand die ovale Halle, ein Ziegelbau von 210 Meter Umfang, 91 Meter Durchmesser und 51 Meter Höhe. Um die hehre Bestimmung des Bauwerks nach außen hin sichtbar zu machen, führt ein antikisierender Fries um die Rotunde, der den Triumph der Künste und Wissenschaften darstellt.

Letztlich triumphierte jedoch der Volksmund, der das Gebäude kurzerhand als „Wedgewood-Suppenschüssel“ bezeichnete. Bauherrin Queen Victoria fand es durchaus zeitgemäß: „Die Halle ist wie die englische Verfassung – ein monumentaler Kompromiss.“

Monumentale Kompromisse haben allemal das Zeug zur Institution. Die Londoner gewöhnten sich bald an die „Suppenschüssel“ in South Kensington. Einige wurden sogar Stammgäste. Um einen Teil der Baukosten zu finanzieren, wurden 1300 Hallenplätze für je 100 Pfund an Privatleute verkauft. Das sicherte den Abonnenten freien Eintritt bei allen Veranstaltungen, allerdings während eines streng limitierten Zeitraums – 999 Jahre. Die Tickets sind mittlerweile begehrte Erbstücke, selbstverständlich noch heute gültig und voraussichtlich auch im Jahre 2870 wohlfeile Eintrittskarten für futuristischen Konzertgenuss – versprochen ist versprochen. Das legendäre Echo in der Halle werden Künstler und Publikum vermutlich auch dann noch zu fürchten haben. Auf vielen Zuschauerplätzen ist jeder angeschlagene Ton zweimal zu hören. Stets zum Arrangement bereit, vertreten viele Londoner die Ansicht, hier werde den Besuchern doppelt so viel geboten wie in üblichen Konzertsälen. Manche Virtuosen mieden jedoch die Halle wegen der krausen Akustik. Der Tenor Richard Tauber verweigerte sogar ein bereits angesetztes Konzert. Sir Thomas Beecham, Gründer des London Philharmonic Orchestra, urteilte vernichtend über die Halle: „Sie eignet sich für hunderterlei und alle möglichen ausgefallenen Zwecke, aber nicht für Konzerte.“ Trotzdem zählt der Bau mit 8000 Zuschauerplätzen noch immer zu den größten und berühmtesten Konzerthallen der Welt.
Wie heißt der Bau? Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Mittwochausgabe suchten wir den Namen eines mongolischen Herrschers und Kriegers: Dschingis Khan.