"James Bond"

Warum Sean Connery mit einer Henstedt-Ulzburgerin feierte

Arm in Arm mit Sean Connery auf der Couch im Wohnzimmer: Irena Halkjaer hat gute Erinnerungen an den schottischen Filmschauspieler.

Arm in Arm mit Sean Connery auf der Couch im Wohnzimmer: Irena Halkjaer hat gute Erinnerungen an den schottischen Filmschauspieler.

Foto: Irena Halkjaer / Frank Knittermeier

Musik, Häppchen, Whisky Sour: 1968 verbrachte "James Bond" zehn Tage bei Irena Halkjaer. Sie erinnert sich an ausschweifende Abende.

Henstedt-Ulzburg. Geschüttelt oder gerührt? Nichts da! Martini gehörte nicht zu den Lieblingsgetränken des Mannes, der die Lizenz zur Lässigkeit stets mit sich führte. Im Film mag es ja der Martini mit Olive sein, aber privat bevorzugte er Whiskey Sour: Sean Connery, für viele immer noch der beste James-Bond-Darsteller aller Zeiten, mochte es herzhaft.

Irena Halkjaer ist immer noch ganz gerührt, wenn sie daran denkt, dass sie dem schottischen Schauspieler den Whisky reichen durfte. Und nicht nur das: Sie durfte noch viel mehr… Wer kann schon behaupten, dass James Bond als Freund auf der Wohnzimmercouch saß? Die heute 80-jährige Henstedt-Ulzburgerin und ihr vor elf Jahren verstorbener dänischer Ehemann Verner sind dem James-Bond-Darsteller, der kürzlich im Alter von 90 Jahren gestorben ist, so nahe gekommen wie sonst nur wenige Menschen.

Sean Connery reist für "James Bond" nach Moskau

Es war das Jahr 1968, als Sean Connery zu Dreharbeiten nach Moskau reisen musste. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein sehr bekannter Mann, der sich auf der Straße nicht sehen lassen konnte, ohne einen Menschenauflauf zu riskieren: 14 Jahre als Film- und Fernsehschauspieler im Geschäft, seit 1962, dem Erscheinen des ersten James-Bond-Films („James Bond jagt Dr. No“), sogar ein Weltstar. Fünf Bond-Filme hatte er bis dahin gedreht.

In den Moskauer Studios spielte er den norwegischen Polarforscher Roald Amundsen in der italienisch-russischen Co-Produktion „The red Tent“ („Das rote Zelt“), in dem auch Peter Finch, Claudia Cardinale, Hardy Krüger und Mario Adorf mitwirkten. Zu diesem Zeitpunkt lebte auch die Familie Halkjaer in Moskau: Die in Tschechien geborene Irena, Ehemann Verner und das dreijährige Töchterchen Katharina. Verner Halkjaer war als Flugzeugingenieur für die Scandinavien Airlines fünf Jahre in der sowjetischen Hauptstadt tätig.

Über eine Freundin wurde der Kontakt zu Connery hergestellt

Über eine Freundin, die damals an der Filmproduktion beteiligt war, lernten die Halkjaers den berühmten Schauspieler kennen. „Willst du ihn treffen?“, habe die Freundin gefragt. „Natürlich wollte ich“, sagt Irena Halkjaer, die zum Showgeschäft schon immer eine besondere Beziehung hatte. Vor ihrer Hochzeit mit dem dänischen Flugzeugbauer hatte sie in ihrer tschechischen Heimat bereits eine kleine Karriere als Sängerin und Schauspielerin gemacht. „Also haben wir ihn damals vom Hotel abgeholt.“ Mit weichen Knien natürlich.

Jeden Abend verbrachte der Weltstar bei den Halkjaers

Wenn Irena Halkjaer auf dem Küchentisch ihres Reihenhauses am Beckersbergring die ausgebreiteten Fotos von damals betrachtet, kommt sie immer noch ins Schwärmen: Sie beim Tanz mit Sean Connery, der damals als „Sexiest Man Alive“ galt, Seite an Seite auf der Couch, in seinem Arm. Dabei guckt der Weltstar so locker und gelöst in die Kamera, dass Betrachtern sofort klar wird, wie wohl er sich in dieser privaten Umgebung gefühlt haben muss. „Er hat sich als netter Freund benommen“, sagt Irena Halkjaer.

Und das war er wohl auch – für eine gewisse Zeit zumindest. Zehn Tage dauerten die Dreharbeiten in Moskau, und jeden Abend verbrachte der Weltstar im Wohnzimmer der dreiköpfigen Familie. Es wurde gefeiert, getanzt, gelacht und erzählt. „Er war eigentlich kein besonders schöner Mann“, erinnert sich die Henstedt-Ulzburgerin.

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„Aber er war ein Charmeur mit einer enormen Ausstrahlung.“ Auch tagsüber trafen sie sich, wenn Connery nicht vor der Kamera stehen musste, um in Moskau unterwegs zu sein. „Wir haben ihm die Stadt gezeigt.“ Bei einer russisch-orthodoxen Ostermesse in einer großen Moskauer Kirche hob der damals 38-jährige Schauspieler die zehn Jahre jüngere Irena sogar auf die Schultern, damit sie besser sehen konnte. Ein Privileg, über das sie heute noch lachen muss.

Private Party statt Empfang in der britischen Botschaft

Die Freundschaft zwischen Sean Connery und der Familie Halkjaer ging so weit, dass er ihre Gesellschaft einem Empfang zu seinen Ehren in den Räumen der Britischen Botschaft bevorzugte.

Und das kam so: Als er die Botschaft betreten wollte, hielten ihn die russischen Wachposten zurück, weil er keinen Pass vorweisen konnte. Den hatte er bereits im Hotel abgeben müssen. Alles Bitten und Drängen nützten nichts: Die Russen zeigten kein Erbarmen und verwehrten dem Star den Zutritt. Statt sich von seinem Chauffeur ins Hotel zurückfahren zu lassen, um den Pass zu holen, ließ sich Sean Connery zur Familie Halkjaer kutschieren. Gemeinsam verbrachten sie einen weiteren netten Abend mit Musik, Häppchen und Whisky Sour.

Partys mit Sean Connery waren ausschweifend

Gegen private Fotos hatte der sonst eher fotoscheue Schauspieler überhaupt nichts einzuwenden. Die Partys waren bisweilen so ausschweifend, dass Irena Befürchtungen hatte, Sean Connery könnte mit seinem verkaterten Gesicht nicht vor der Kamera stehen. „Ach was“, habe er gesagt, „ich spiele ja einen Mann, der mitgenommen aussieht.“

Nachfragen, ob er „Techtelmechtel“ mit Kolleginnen wie Ursula Andress oder Claudia Cardinale gehabt habe, sei er ausgewichen. „Ein Gentleman genießt und schweigt…“, sei seine augenzwinkernde Antwort gewesen. Die Andress sei aber ein „nettes kleines Mädchen“. So richtig geglaubt hat Irena Halkjaer ihm das allerdings nicht. Ursula Andress war das erste „Bond-Girl“ in „James Bond jagt Dr. No“.

Ende Oktober ist James-Bond-Star Connery gestorben

Zum Abschied gab es ein kleines Küsschen und die Einladung, die Halkjaers könnten ihn, Sean Connery, jederzeit besuchen. Ein Wiedersehen gab es jedoch nie. „Ich habe manchmal daran gedacht, Kontakt aufzunehmen“, sagt Irena Halkjaer. „Aber letztlich habe ich es gelassen. Jeder hat schließlich sein eigenes Leben.“

Als Ende Oktober über den Tod des berühmten Schauspielers berichtet wurde, holte sie die lange in Kästen schlummernden Fotos von damals hervor. Erinnerungen wurden wach. Erinnerungen auch an ihre Zeit als junge Künstlerin mit verheißungsvoller Zukunft. Das Leben hatte anderes mit ihr vor – und darüber ist Irena Halkjaer rückwirkend betrachtet auch froh. Etwas Schauspiel- und Divenblut steckt aber noch in ihr. Wie eine Marika Rökk in guten Jahren sieht sie aus. Darauf kann sie stolz sein.

Ach, Frau Halkjaer, eine Frage zum Schluss: War ihr Mann eigentlich nicht eifersüchtig? Mit Sean Connery Arm in Arm auf der Couch? Beim Engtanz? Auf den Schultern? Dem Liebling aller Frauen? Sie lacht und schüttelt den Kopf: „Nein, warum denn? Sean hat sich als netter Freund gezeigt, zur Eifersucht gab es keinen Grund.“