Norderstedt

„TriBühne“ soll nun doch Impfzentrum werden

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder hat sich erfolgreich für ein Impfzentrum in der Stadt stark gemacht.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder hat sich erfolgreich für ein Impfzentrum in der Stadt stark gemacht.

Foto: Christopher Herbst

Norderstedt soll nun Standort einer länderübergreifenden Einrichtung für Hamburg und Schleswig-Holstein sein.

Norderstedt.  48 Stunden hat sich Norderstedt öffentlich darüber empört, dass die fünftgrößte Stadt in Schleswig-Holstein und mit Abstand größte Kommune im Kreis Segeberg kein Corona-Impfzentrum erhält. Im Rathaus riefen zahllose Bürger an, beschwerten sich telefonisch im Vorzimmer von Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (SPD), auch das Hamburger Abendblatt erhielt viele Mails, Briefe und Anrufe von Menschen, die ihr Unverständnis äußerten. Ob der Ärger ausschlaggebend war, ist Spekulation, aber: Tatsächlich hat sich kurzfristig alles geändert: Die „TriBühne“, das städtische Veranstaltungszentrum an der Rathausallee in Norderstedt-Mitte, wird nun doch Impf-Standort – und zwar für eine länderübergreifende Einrichtung von Hamburg und Schleswig-Holstein.

Davon ist bisher nie die Rede gewesen. Doch nachdem Elke Christina Roeder vehement bei Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ein Umdenken eingefordert hatte, kam Bewegung in die Sache. Wichtig: Parallel betrieb die Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann (CDU), zu deren Wahlkreis Norderstedt gehört, hinter den Kulissen Lobbyarbeit im Sinne der Stadt.

Krisengipfel mit Gesundheitsminister brachte Erfolg

„Die jetzige Entscheidung ist das Resultat gemeinschaftlicher Beratungen zwischen den Ländern, aber auch das Ergebnis des Einwirkens und des Engagements vieler Beteiligter, die sich für Norderstedt als Standort eines Impfzentrums starkgemacht haben“, sagte Roeder. Sie dankte explizit Rathje-Hoffmann, Garg und der Hamburger Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) für die Unterstützung.

„Es freut mich sehr, dass die besondere Lage von Norderstedt wahrgenommen wurde.“ Denn dass viele Menschen in der Stadt einen größeren Bezug zu Hamburg haben als zum Kreis Segeberg, ist kein Geheimnis. Umgekehrt dürften gerade die Einwohner aus den nördlichen Bereichen der Hansestadt eher nach Norderstedt fahren wollen als zum zentralen Impfzentrum in den Messehallen.

Warum Norderstedt überhaupt zunächst gestrichen worden war, während Kaltenkirchen und Wahlstedt berücksichtigt wurden, ist weiterhin unklar. Dass etwas „schiefgelaufen“ sei, bezeichnete Roeder als „falsche Formulierung“. Sie betont: „Der Landrat hat immer gesagt, dass Norderstedt gesetzt ist.“ Die einzige Frage sei gewesen, wo das Zentrum aufgebaut werden könnte, da habe es mehrere Möglichkeiten gegeben. Sie hakt das nun ab: „Das Wichtigste: Es wurde erkannt, dass wir länderübergreifend etwas brauchen.“

Nur ein Teil der „TriBühne“ wird für das Zentrum genutzt

Katja Rathje-Hoffmann sagte: „Die gute Zusammenarbeit in der Jamaika-Koalition macht es möglich, wichtige Dinge auch mal auf dem kurzen Wege und im direkten Austausch zu klären. Ich glaube, dass meine Intervention wirksam war.“ Landrat Jan Peter Schröder kündigte an, dass der Kreis nun in Abstimmung mit der Stadt alle weiteren Schritte in die Wege leiten werde. „Ich freue mich über diese länderübergreifende Zusammenarbeit in der Metropolregion. Damit ist sowohl ein Teil Hamburgs als auch der Südteil des Kreises Segeberg noch besser versorgt.“

Die „TriBühne“ wird keinesfalls komplett geblockt sein. „Es ist nur ein Teil, die Nebensäle, das sind 500 bis 700 Quadratmeter“, so die Oberbürgermeisterin. Im großen Raum soll weiterhin die Politik tagen können. Zunächst wird ein Messebauer zusammen mit der Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH die baulichen Voraussetzungen schaffen. Der Eingang soll nicht über die Rathauspassage, sondern über den Tafelraum erfolgen, anschließend muss das Zentrum über einen Hinterausgang verlassen werden.

Wie genau das Impfprozedere abläuft, steht noch nicht fest. Mögliche Varianten könnten sein, dass sich Impfwillige über ein elektronisches Anmeldeformular registrieren oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen, um sich für eine Impfung anzumelden. Das Verfahren hänge von der Entscheidung der Bundesregierung ab, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden sollen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Zentren selbst werden von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben, unterstützt durch die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk. Die Kosten werden je zur Hälfte vom Bund und vom Land übernommen.

Wahlstedter Tennishalle wird ebenfalls zum Impfzentrum

Auch in Wahlstedt beginnen demnächst die Vorbereitungen. Bis Sonntag können die Tennisspieler des TC Rot-Weiss die Ein-Feld-Halle an der Nordlandstraße noch nutzen, dann wird sie zum Impfzentrum umgebaut. „Es ist alles ganz schnell gegangen“, berichtete Anlagenmanager Tobias Meyer, der die Räumlichkeiten der TopSpin GmbH verpachtet. Als Frank Intert, Präsident des schleswig-holsteinischen Tennisverbandes, und Meyer hörten, dass der Kreis Standorte für Impfzentren sucht, meldeten sie sich.

Schon am kommenden Montag rückt der Messebauer an und beginnt mit der Umgestaltung der 670 Quadratmeter großen Halle. Bis zum 15. Dezember soll das Impfzentrum stehen. Die Anlage in Wahlstedt verfügt insgesamt über drei Hallen mit sieben Plätzen. Die Ein-Feld-Halle, in der nun geimpft werden soll, stand nicht etwa leer, sondern war „voll ausgelastet“, wie Meyer sagt. Für die betroffenen Tennisspieler, die ein Abo für den Platz gebucht haben, soll eine Ersatzlösung gefunden werden. Ansonsten ist der Spielbetrieb nicht beeinflusst. „Die Impflinge sollen nicht auf die Tennisleute treffen“, sagte Meyer. Dafür werde man sorgen.

Das dritte Zentrum entsteht in Kaltenkirchen, hierfür wird eine leerstehende Gewerbehalle an der Borsigstraße 1 genutzt. Anders als berichtet, befand sich dort früher keine Lasertag-Arena. Diese hat die Adresse Borsigstraße 12, hat zwar derzeit coronabedingt geschlossen, ansonsten ist die Anlage aber weiterhin in Betrieb.