Schröters Corona-Update

Bungsberg statt Alpen – Pharisäer statt Jagertee

Skifahrer gehen am Bungsberg aus dem Schlepplift.

Skifahrer gehen am Bungsberg aus dem Schlepplift.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Ski-Urlaub in Österreich ist gestrichen. Doch Kolumnist Jan Schröter hat eine Idee: Wie wäre es stattdessen mit Skifahren in Schleswig-Holstein?

Die gute Nachricht lautet: In einigen Bundesländern werden sehr wahrscheinlich die Weihnachtsferien verlängert, damit man die lieben Kleinen für ein paar Tage zu Hause isolieren kann. Hat am Tag drei noch keiner auffällig geniest, dürfen zu Weihnachten alle mit zu Oma und Opa.

Die schlechte Nachricht: Ski-Urlaub ist gestrichen. Nicht nur zu Weihnachten, vermutlich auch noch im Frühjahr. Dabei haben sie in Österreich sämtliche Register gezogen, um den weißen Schneeteppich des Vergessens über das Ischgl-Superspreader-Debakel zu decken. Zum Beispiel markige Sprüche rausgehauen – wie die Behauptung: „Wer auf Skiern unterwegs ist, hält zwangsläufig Abstand“ – wegen der langen Bretter nämlich, die angeblich verhindern, dass man sich zu nahe kommt. Wer das glaubt, hat noch nie gesehen, wie die Leute auf den „Idiotenhügeln“ durcheinander purzeln. Da kann man sich beglückwünschen, wenn hinterher im Krankenhaus noch alle Knochen durchnummeriert werden können – an Abstand ist dort nicht zu denken.

Befremdlich auch die Vorstellung, die Wintergäste würden zum Aprés-Ski mit angeschnalltem Sportgerät an der Theke Platz nehmen, um den Pistentag bei Jagertee und DJ Ötzi ausklingen zu lassen. Denn spätestens vor dem Pissoir würden selbst ambitionierte Saison-Olympioniken registrieren, dass mit Latten an den Latschen dieser Abstand zu sportlich für sie ist. Also, liebe Skihasen: die Alpen könnt Ihr heuer mit Sicherheit knicken.

Aber wie wäre es stattdessen mit Schleswig-Holstein? Wir haben den Bungsberg, der hat sogar einen Lift. Wer bei uns Ski fährt, kriegt bestenfalls moderates Tempo drauf, da bleiben alle Knochen heil. Es ist flach, weshalb man stets rechtzeitig erkennt, ob ein Baum im Weg steht oder ein glühweinbeschickerter Slalomfahrer kreuzt. Pharisäer schmeckt sowieso besser als Jagertee. Nach dem dritten davon ist es Euch auch völlig schnuppe, dass Ihr zu „An der Nordseeküste“ statt nach „Anton aus Tirol“ schunkelt.

Ach, Ihr wollt nicht? Es liegt ja fast nie Schnee in Schleswig-Holstein? Überhaupt müssen wir wegen Corona unsere Kontakte beschränken und sollen möglichst gar nicht raus? Sehr geehrte Bundesregierung, schanzt uns mal ein paar Euro-Millionen zu, wir Holsteiner regeln das. Chartern im Zuge internationaler Solidarität alle arbeitslosen Schneekanoniere samt Gerät aus den Alpen und starten den pandemiekompatiblen Winterurlaub mit dem Event: „Schneekatastrophe 2.0“.

Kaum haben die Gäste bei uns Quartier bezogen, versinkt unser Bundesland flächendeckend unter meterhohen Kunstschneewehen. Keiner kommt raus, niemand kommt rein, alle bleiben, wo sie sind. Die Weihnachtsferien werden bis Ostern verlängert, aus dem „Homeoffice“ wird das „Holidayoffice“. Sämtliche Ferienwohnungen, Pensions- und Hotelzimmer wären auf Monate ausgebucht, diese Unternehmen benötigen keine Subventionen mehr. Infektionsketten zerbröseln im Nichts, Corona hat endgültig fertig.

Und ans Pissoir dürften wir dann auch wieder herantreten, sogar in Österreich.