Denksport-Rätsel

Nach 100 Stunden hatte der Spuk ein Ende

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel geht es um ein historisches Ereignis, in dessen Mittelpunkt ein ehemaliger Generallandschaftsdirektor stand.

In den frühen Morgenstunden des 13. März 1920 betraten einige Männer die Reichskanzlei in Berlin. Ein Beamter bat sie darum, die Hüte abzunehmen – was auch geschah – und fragte nach ihrem Begehr. Der Anführer der Eindringlinge konterte mit einer Gegenfrage: „Sie sind der ehemalige sozialdemokratische Staatssekretär Albert?“ „Ich bin der zurzeit amtierende Staatssekretär Albert.“ „Das werden Sie am längsten gewesen sein. Ich habe die Macht dazu. Draußen auf dem Hof stehen meine Truppen.“ Sodann erklärte sich der Mann ab sofort zum neuen Reichskanzler Deutschlands.

Den Putschführer qualifizierte weder ein hoher Offiziersrang noch eine Vergangenheit als Spitzenpolitiker für das angemaßte Amt. Bislang hatte er das nur bedingt einflussreiche Amt eines Generallandschaftsdirektors im Dienste der ostpreußischen Provinzialverwaltung innegehabt. Nun hatte er sich, gemeinsam mit dem General Freiherr von Lüttwitz, an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die sich auf Freikorps und Teile der Reichswehr stützte. Gemäß des Versailler Vertrages stand die drastische Reduzierung der Reichswehr und Auflösung der Freikorps an. Der Widerstand gegen diese Verpflichtung war die Triebfeder des Putsches. Begleitet von Freikorps zog der Generallandschaftsdirektor nach Berlin. Reichswehrminister Noske forderte seine Offiziere zum Schutz der bedrohten Republik auf und erntete nur Ablehnung. General Hans von Seeckt brachte die allgemeine Ansicht des Offizierskorps auf den Punkt: „Truppen schießen nicht auf Truppen.“ Der enttäuschte Noske erinnerte sich später: „Mit einem Gefühl tiefsten Ekels brach ich die Verhandlungen ab.“ Die Regierung setzte sich nach Stuttgart ab, und der Ex-Landschaftsdirektor übernahm die Geschäfte. Bereits nach 100 Stunden hatte der Spuk ein Ende. Matt gesetzt durch einen wirkungsvollen Generalstreik, setzten sich die Putschführer durch Flucht ab. Am 20. März kehrte die rechtmäßige Regierung nach Berlin zurück. Ausgerechnet General von Seeckt wurde zum neuen Chef der Heeresleitung ernannt. Die nun oft gestellte Frage nach der innenpolitischen Zuverlässigkeit der Reichswehr beantwortete er stets kryptisch: „Ob sie zuverlässig ist, weiß ich nicht, aber sie gehorcht mir.“


Wie hieß der Generallandschaftsdirektor, unter dessen Namen der gescheiterte Putsch in die Geschichte einging?

Die Antwort steht am Freitag im Abendblatt. In der Mittwochausgabe wollten wir wissen, unter welchem Namen das Nylon in Deutschland bekannt wurde. Die Lösung: Perlon.

( jasch )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt